
FOKUS: Eisenbahn-Megaprojekte im Südosten. Rechtsverletzungen, soziale und ökologische Auswirkungen und Militarisierung im Namen der Entwicklung
12. März 2026
Aktivitäten von Sipaz (Ab Mitte November 2025 bis Mitte Februar 2026)
12. März 2026
Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, und die Frucht der Gerechtigkeit werden Ruhe und Sicherheit für immer sein.“ (Jes 32,17) (Vers, zitiert im Kommuniqué des Pueblo Creyente, Januar 2026) „und SIPAZ wird dort sein, die Fahnen erhebend und die Wunden der müden Füße versorgen.
I m Rahmen unseres 30-jährigen Jubiläums haben wir beschlossen, uns mit Menschen zusammenzusetzen, die SIPAZ auf seinem Weg kennengelernt haben. Einer von ihnen ist Jorge Santiago Santiago, ein anerkannter Menschenrechtsverteidiger, Theologe und Pastoraler Begleiter in Chiapas. Sein Leben ist eng mit den sozialen, kirchlichen und indigenen Prozessen verbunden, die die zeitgenössische Geschichte der Region geprägt haben – insbesondere seit dem zapatistischen Aufstand von 1994.
Seine Inhaftierung im Jahr 1995 – unter dem Vorwurf, Führungspersönlichkeit der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) zu sein – dauerte etwas mehr als zwei Monate in einem Hochsicherheitsgefängnis und hatte einen deutlich politischen Charakter. Verschiedene nationale und internationale Organisationen bekundeten ihre Solidarität, was zu seiner Freilassung beitrug. Dieses Ereignis prägte seinen weiteren Weg tiefgreifend und bestärkte sein Engagement für den Aufbau von Frieden und die Verteidigung der Menschenrechte. Derzeit unterstützt er weiterhin verschiedene Prozesse und Organisationen in Chiapas. Sein Leben ist ein Zeugnis von Kohärenz, Resilienz und Hoffnung in einem der komplexesten Kontexte Mexiko sein.
SIPAZ: Eine Geburt in Zeiten des Krieges
Mit einem Blick über lange Zeiträume hinweg erinnert sich Jorge Santiago daran, dass SIPAZ in einem sehr spezifischen Kontext entstand: 1995 war Chiapas ein vom Angstgefühl durchzogenes Gebiet. Militärische Kontrollposten auf den Straßen, überwachte Gemeinden, ständige Präsenz des Militärs, Infiltrationen, Paramilitarismus und Massaker wie das von Acteal im Jahr 1997 prägten eine Epoche, in der das Wort „Frieden“ kein abstraktes Ideal war, sondern eine lebensnotwendige Dringlichkeit. Inmitten dieses Kontextes entstand der Internationale Friedensdienst (SIPAZ). Sein Name war kein Zufall: Er war eine Stellungnahme gegenüber der Gewalt, eine Entscheidung, als organisierte Zivilgesellschaft dort präsent zu sein, wo das Leben bedroht war.
SIPAZ entstand in diesem Zusammenhang, erinnert sich Jorge, als Teil eines breiteren Netzwerks nationaler und internationaler Organisationen, die verstanden, dass zivile Präsenz ein eindämmender Faktor gegenüber der Gewalt sein könnte. Inspiriert durch die pastorale Arbeit und die Vermittlungsbemühungen von Samuel Ruiz García, Bischof von San Cristóbal de Las Casas und Vermittler im Dialog, übernahm SIPAZ eine klare Aufgabe: begleiten, beobachten, dokumentieren und sichtbar machen, was in den Gemeinden geschah.
Dreißig Jahre später ist SIPAZ nicht nur Zeuge der zeitgenössischen Geschichte von Chiapas gewesen, betont Jorge Santiago, „sondern ein aktiver Teil ihrer Transformation. Seine beständige, diskrete, aber entschlossene Präsenz hat dazu beigetragen, Dialog Räume zu eröffnen, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren, gemeinschaftliche Prozesse zu begleiten und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, wenn alles auseinanderzubrechen schien.“
Die Kraft der öffentlichen Präsenz
Von Beginn an setzte SIPAZ auf eine besondere Strategie, erinnert sich Jorge: Sichtbarkeit. In den neunziger Jahren wirkte die Präsenz internationaler Beobachterinnen und Beobachter wie eine Art „Schutzschild“. Das Tragen einer Weste, die öffentliche Identifizierung, das Veröffentlichen von Bulletins und die Pflege von Beziehungen zu Botschaften konnten Übergriffe abschrecken.
Die Logik war einfach: Wenn die Welt hin schaute, stieg der politische Preis der Repression. Während der Dialoge von San Andrés umgab die organisierte Zivilgesellschaft die Kathedrale und die Verhandlungsorte. Es waren Journalistinnen und Journalisten, Kameras und internationale Vertreter anwesend. Frieden war nicht nur eine Angelegenheit zwischen dem Staat und der EZLN – er war ein gemeinsames Anliegen.
SIPAZ verstand, dass seine öffentliche Stimme Teil seiner Verantwortung war, betont Jorge: „Jedes Bulletin, jeder Bericht, jeder Besuch bei Botschaften trug dazu bei, Chiapas auf der internationalen Agenda zu halten. In Zeiten, in denen Informationen fragmentarisch und oft manipuliert waren, wurde die Systematisierung von Daten und das Angebot fundierter Analysen zu einer seiner größten Stärken“, sagte Jorge.
Heute können diejenigen, die die dreißig Jahre an SIPAZ-Archiven durchsehen, einen großen Teil der politischen und sozialen Geschichte von Chiapas von 1995 bis heute rekonstruieren – auf Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch.
Dokumentieren, um nicht zu vergessen; interpretieren, um zu handeln
„Einer der bedeutendsten Beiträge von SIPAZ war seine Fähigkeit zur Dokumentation und Analyse. Es beschränkt sich nicht darauf, einzelne Vorfälle anzuprangern; es versucht, Prozesse zu verstehen, Muster zu erkennen und das Lokale in einen globalen Rahmen einzuordnen“, erklärte Jorge.
Dieser strategische Blick ist Teil seines „Profils“: sich nicht mit der Oberfläche zufriedenzugeben, sondern stets nach den strukturellen Ursachen der Gewalt zu fragen. „In einer Welt, die von Informationen überflutet ist, ist die Fähigkeit zu unterscheiden, zu kontextualisieren und eine tiefgehende Lesart anzubieten, an sich schon ein Akt des Friedens Aufbaus“, bekräftigte er.
„In einer vernetzten Welt muss auch Frieden global gedacht werden“, fügte er hinzu.
Begleiten ohne Protagonismus
SIPAZ hat einen besonderen Stil gepflegt, betont Jorge: begleiten, ohne sich Prozesse anzueignen. Es steht Räumen wie dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas nahe, mit kirchlichen Instanzen zusammenzuarbeiten, an Friedensplattformen teilzunehmen und gemeinnützige Initiativen unterstützt, jedoch suchen Sie selten die Hauptrolle.
Anstatt Agenden vorzugeben, hört es zu. Statt für andere zu sprechen, verstärkt es ihre Stimmen. Es begleitet Bildungsprozesse, Analyse-Treffen und kollektive Reflexionen. Es unterstützt Weiterbildung, Systematisierung und die Vernetzung verschiedener Akteure. „Dieser Ansatz hat dazu geführt, dass SIPAZ nicht als externer Akteur wahrgenommen wird, der kommt, um zu lenken, sondern als verlässlicher Verbündeter“, schloss Jorge.
Eine Organisation mit weiblichem Gesicht
In den letzten Jahren hat SIPAZ eine bedeutende Veränderung erlebt: Sein Team besteht mehrheitlich aus Frauen. Weit davon entfernt, eine bloße Anekdote zu sein, hat diese Zusammensetzung einen Arbeitsstil geprägt, der durch Zusammenarbeit, interkulturelle Sensibilität und spirituelle Offenheit gekennzeichnet ist.
In einem Bundesstaat, in dem indigene Frauen gemeinschaftliche Prozesse und stille Widerstände angeführt haben, hat die weibliche Präsenz bei SIPAZ eine Ethik der Fürsorge gestärkt: die Fürsorge für das Wort, für Prozesse und für Beziehungen.
Frieden wird nicht nur an Verhandlungstischen aufgebaut; er wird auch in Begegnungen, Zeremonien, Räumen des Zuhörens und im interreligiösen Dialog gewoben. SIPAZ hat es verstanden, solche Räume zu öffnen, in denen Katholikinnen und Katholiken, Evangelikale und Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit Platz finden – vereint durch eine gemeinsame Suche: ein würdiges Leben.
Erinnerung und Zukunft: zwischen Herausforderungen und Hoffnung
War die Gewalt in den neunziger Jahren klar mit einem Konflikt zwischen dem Staat und der EZLN verbunden, so ist das Panorama heute komplexer. Organisierte Kriminalität, territoriale Auseinandersetzungen, erzwungene Migration und illegale Ökonomien haben das Szenario verändert. Vor diesem Hintergrund musste SIPAZ seine Form der Begleitung neu überdenken. Anstatt als sichtbarer Schutzschild zu agieren, hat es sich dafür entschieden, Netzwerke zu stärken, Analysen zu vertiefen und Räume der Vernetzung zu schaffen.
Die Herausforderung für SIPAZ in der Zukunft besteht darin, „das Erreichte nicht zu verlieren: jene Fähigkeit zur tiefgehenden Analyse, jene strategische Vision, jene Treue gegenüber den Völkern, die für systemische Alternativen angesichts von Gewalt und Enteignung kämpfen“, reflektiert Jorge.
Gleichzeitig „ist es aufgerufen, einen weiteren Schritt zu gehen“, fügt er hinzu: seine eigene Friedensvision klar zu formulieren, eigene Räume zu schaffen, in denen dieser Vorschlag sichtbar wird, und seine gesammelte Erfahrung in Referenzpunkte zu verwandeln, die nationale und internationale Debatten erhellen. „Die Hoffnung, zu deren Aufrechterhaltung SIPAZ beigetragen hat, ist kein leerer Optimismus. Sie ist die Tag für Tag aufgebaute Überzeugung, dass eine andere Realität möglich ist”, schließt er.







