2025
7. Januar 2026
FOKUS: Eisenbahn-Megaprojekte im Südosten. Rechtsverletzungen, soziale und ökologische Auswirkungen und Militarisierung im Namen der Entwicklung
12. März 2026
M igration und Grenzsicherheit sind zentrale Themen in den Beziehungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten, auch wenn sie nicht immer in den Schlagzeilen stehen. Historisch gesehen haben sie den Ton der Beziehungen geprägt und stellen eine erhebliche Belastung für Mexiko dar. Der bilaterale Handel ist nach wie vor von großer Bedeutung (Mexiko ist einer der wichtigsten Handelspartner der USA), weshalb der Dialog unbedingt aufrechterhalten werden muss, selbst bei bestehenden Meinungsverschiedenheiten, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Überprüfung des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA) im Juli.
Andererseits sind Spannungen entstanden. Die vermeintliche vorübergehende Schließung des Flughafens von El Paso aufgrund einer mutmaßlichen, mit Kartellen in Verbindung stehenden Drohne führte zu diplomatischen Verwicklungen. Die USA führten die Schließung auf eine Drohne zurück; die mexikanische Regierung deutete an, es könnte sich um eine Militärübung gehandelt haben. Gleichzeitig entsandte Mexiko humanitäre Hilfe nach Kuba, obwohl die USA Sanktionen gegen die Insel verhängt hatten. Dies hat die Regierung in einen diplomatischen Balanceakt gebracht: Sie muss die Beziehungen zu Kuba aufrechterhalten, ohne Washington zu verärgern. In vielen Bereichen bemüht sich die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum um Entschlossenheit, ohne die Beziehungen zu den USA zu gefährden. Sie ist bestrebt, direkte Konfrontationen zu vermeiden, trotz Meinungsverschiedenheiten in verschiedenen Fragen, darunter Äußerungen von Präsident Donald Trump, der eine direkte Intervention in Mexiko vorschlug oder androhte.
Mexiko kann im Kampf gegen die Unsicherheit Fortschritte verzeichnen, zumindest was den Rückgang der Tötungsdelikte betrifft: Im Jahr 2025 wurden in Mexiko rund 23.374 Tötungsdelikte registriert, ein Rückgang gegenüber den Vorjahren. Die Mordrate liegt bei etwa 17,5 Morden pro 100.000 Einwohner und ist damit die niedrigste seit 2015, wie vorläufige offizielle Schätzungen zeigen. Der tägliche Durchschnitt der Tötungsdelikte sank von 86,9 im Jahr 2024 auf etwa 54,7 Ende 2025, was einem Rückgang von rund 37 % entspricht.
Organisationen wie México Evalúa weisen jedoch darauf hin, dass die Zahl der Verschwundenen deutlich zugenommen hat. Die Zahlen zeigen einen Anstieg von über 200 % im letzten Jahrzehnt, wobei die offiziellen Daten je nach Zählmethode variieren. Schätzungen zufolge sind seit 2012 mehr als 130.000 Menschen in Mexiko verschwunden. Sinaloa, Sonora und Baja California Sur werden voraussichtlich 2025 die höchsten Vermissten- und Verschwindungsraten aufweisen, wobei das Problem über die traditionell mit organisierter Kriminalität in Verbindung gebrachten Gebiete hinausgeht. In mehreren Bundesstaaten kommt es weiterhin zu vereinzelten bewaffneten Auseinandersetzungen (beispielsweise Angriffe auf Konvois und Zusammenstöße zwischen kriminellen Gruppen). Schließlich ist Mexiko weiterhin mit hoher Gewalt gegen Frauen konfrontiert: Obwohl noch keine vollständigen offiziellen Zahlen für 2025 vorliegen, gehen Schätzungen davon aus, dass täglich etwa zehn Frauen ermordet werden.
Die Bundesregierung fördert die Nationale Strategie für öffentliche Sicherheit 2024–2030, die vorschlägt, Frieden durch die Bekämpfung der strukturellen Ursachen von Kriminalität – Armut, Ungleichheit, Ausgrenzung und mangelnde Chancen – zu schaffen, anstatt lediglich Kriminelle zu verfolgen. Der offizielle Diskurs betont die interinstitutionelle Koordination und Sozialprogramme, die mit dem Wohlergehen und der Entwicklung junger Menschen im Rahmen des präventiven Ansatzes verbunden sind. Seit Claudia Sheinbaum ihr Amt angetreten hat, sind jedoch Veränderungen bei den Verhaftungen von Mitgliedern der organisierten Kriminalität, im Kampf gegen Erpressung, bei Drogen Beschlagnahmungen und bei der Zerstörung von Laboren in verschiedenen Teilen des Landes zu beobachten. Gleichzeitig wird weiterhin die repressive und militarisierte Komponente betont. In mehreren Bundesstaaten hat diese direktere Strategie zu mehr Gewalt geführt. In diesem Zusammenhang hat ein aktueller Fall der Entführung und Ermordung von Bergleuten in Sinaloa Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit der Sicherheitspolitik des Bundes geweckt. Die Streitkräfte werden weiterhin für Operationen zur öffentlichen Sicherheit und zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität eingesetzt.
Dieses militärische Engagement wird von Menschenrechtsorganisationen fortwährend kritisiert. Sie weisen darauf hin, dass die Übernahme von Aufgaben der öffentlichen Sicherheit durch das Militär über einen längeren Zeitraum ohne wirksame zivile Aufsicht zu Missbrauch, außergerichtlichen Tötungen und Behinderungen der Rechenschaftspflicht führt. Die Übergabe der Kontrolle über die Nationalgarde an das Militär wurde gefestigt – eine Veränderung, die laut Kritikern die Militarisierung der öffentlichen Sicherheit in Mexiko weiter verschärft.
Die Umsetzung der föderalen Vision und Strategien steht aufgrund des Ausmaßes der Gewalt, der Präsenz von Kartellen in vielen Regionen und der hohen Straflosigkeit vor strukturellen Herausforderungen – trotz der von Sheinbaum für 2025 angestrebten Justizreform.
Im November trat Alejandro Gertz Manero nach fast sieben Jahren als Generalstaatsanwalt der Republik zurück, obwohl seine Amtszeit auf neun Jahre angesetzt war. Vor seinem Ausscheiden leitete er den Übergang in der Generalstaatsanwaltschaft ein, deren Leitung Ernestina Godoy – Rechtsberaterin des Präsidenten und enge Vertraute von Claudia Sheinbaum – übertragen wurde, während der Senat die Person wählt, die das Amt dauerhaft besetzen soll.
Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen kritisierten Gertz dafür, die Institution „ohne Rechenschaftspflicht“ verlassen zu haben, und bemängelten die mangelnde Transparenz seines Abgangs. Zudem hinterließ er zahlreiche hochkarätige Ermittlungen unvollendet, ohne zu einem Urteil oder zu eindeutigen Schlussfolgerungen zu gelangen. Dazu gehören unter anderem Fälle von Korruption, Treibstoffschmuggel – bekannt als „fiskalischer Treibstoffdiebstahl“ –, Unregelmäßigkeiten beim Zoll, Geldwäscheoperationen, mögliche Fälle von Veruntreuung sowie Akten, die hochrangige Persönlichkeiten und Unternehmen betreffen.
Menschenrechte: Sorgen und aktuelle Fälle
Am 10. Dezember, im Rahmen des Internationalen Tages der Menschenrechte, warnten mehr als hundert Organisationen, Netzwerke, Kollektive und Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger vor dem Fortbestehen schwerwiegender struktureller Probleme, die die volle Ausübung der Menschenrechte im Land verhindern, und legten eine umfassende Diagnose der aktuellen offenen Herausforderungen vor.
Eine der zentralen geäußerten Sorgen betraf die Situation von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern sowie Journalistinnen und Journalisten, die einem Kontext zunehmender Gewalt ausgesetzt sind. Im Jahr 2025 wurden mindestens 6 Journalistinnen und Journalisten sowie 14 Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger aufgrund ihrer Arbeit ermordet. Die Straflosigkeit, das Fehlen institutioneller Antworten und das Ausbleiben von Schutz Politiken mit geschlechter-, intersektionalen und territorialem Ansatz erhöhen die Risiken, insbesondere für indigene Gemeinschaften und Organisationen, die die Umwelt, das Wasser und kollektive Rechte verteidigen. Hinzu kommt, so kritisierten die Unterzeichnenden, die Kriminalisierung des Journalismus durch rechtliche Figuren wie Cyber Belästigung oder Ehrdelikte sowie durch jüngste Gesetze, die aufgrund ihrer weit gefassten Formulierungen die Meinungsfreiheit und die Nutzung digitaler Medien bedrohen.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das gewaltsame Verschwindenlassen weiterhin eine der schwerwiegendsten Menschenrechts Krisen darstellt. Obwohl es gesetzgeberische Initiativen gibt, sind diese angesichts des Ausmaßes des Problems unzureichend. Bis zum 30. September 2025 wurden mehr als 132.000 verschwundene und nicht aufgefundene Personen registriert, mit einem alarmierenden Durchschnitt von 45 Verschwindenlassen pro Tag allein im September dieses Jahres. Die Krise verschärft sich durch das Fehlen von Präventionspolitiken, das Ausbleiben einer umfassenden Suchstrategie und eine schwere forensische Krise mit mehr als 72.000 nicht identifizierten menschlichen Überresten. In diesem Kontext haben suchende Frauen Aufgaben übernommen, die dem Staat obliegen, und sind dabei extremen Risiken ausgesetzt; mindestens 30 Angehörige von Verschwundenen wurden ermordet, die meisten von ihnen Frauen.
Ebenso wurde das Fehlen einer soliden Regulierung im Bereich Unternehmen und Menschenrechte hervorgehoben, die unerlässlich ist, um die Auswirkungen von Megaprojekten und extraktiven Aktivitäten in Territorien und Gemeinschaften zu verhindern. Dieses Versäumnis ist besonders besorgniserregend angesichts der Förderung neuer Investitionen durch den Plan México, der nicht mit den betroffenen Gemeinschaften konsultiert wurde und Projekte mit negativen Auswirkungen auf wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Rechte vorantreibt.
Ebenso steht weiterhin die Verabschiedung eines Allgemeinen Gesetzes über interne Vertreibung aus, trotz der Zunahme dieses Phänomens in mehreren Bundesstaaten des Landes, heißt es in der Erklärung.
Der soziale Protest sieht sich weiterhin Repression, übermäßigem Gewalteinsatz und restriktiven gesetzlichen Rahmenbedingungen gegenüber, zusätzlich zur Stigmatisierung durch staatliche Stellen. Die Organisationen stellten auch die föderale Sicherheitsstrategie infrage und wiesen darauf hin, dass die Militarisierung und der permanente Einsatz der Nationalgarde die Sicherheit nicht verbessert haben und die Macht der Streitkräfte in besorgniserregender Weise ohne angemessene Kontrollen ausgeweitet wurde.
Bezüglich historisch besonders vulnerabilisierter Gruppen bestehen weiterhin Defizite beim Schutz von Kindern, Jugendlichen, LGBTTTIQ+-Personen, indigenen Völkern und Frauen. Im Fall der Letzteren spiegeln die Zahlen zu Feminiziden, Tötungsdelikten und Verschwindenlassen eine anhaltende Gewaltkrise wider, die durch Straflosigkeit und das Fehlen umfassender Präventionspolitiken verschärft wird, trotz einiger jüngster institutioneller Fortschritte.
Abschließend wurden Sorgen hinsichtlich des Zugangs zur Justiz, der Reform der Judikative, des Fortbestehens von Folter, des übermäßigen Einsatzes von Untersuchungshaft, der Kriminalisierung von Migration und der unmenschlichen Bedingungen in Haftanstalten geäußert. Angesichts dieses Panorama forderten die Organisationen, dass der kommende Nationale Menschenrechtsplan internationale Empfehlungen aufnimmt, konkrete Maßnahmen festlegt und dauerhafte Räume für Dialog, Evaluierung und Rechenschaftspflicht garantiert, mit dem Ziel, die Menschenrechtssituation in Mexiko strukturell zu verändern.
CHIAPAS: Unterschiedliche Sichtweisen auf die Situation im Bundesstaat
Im Dezember stellte der Gouverneur von Chiapas, Eduardo Ramírez Aguilar, seinen ersten Regierungsbericht vor und erklärte, dass seine Verwaltung in nur einem Jahr Fortschritte erzielt habe, die viele für unmöglich hielten: die Wiederherstellung von Frieden, Rechtsstaatlichkeit und guter Regierungsführung in einem Bundesstaat, der sich in einer schweren Welle der Gewalt befand, ausgelöst durch Auseinandersetzungen zwischen Gruppen der organisierten Kriminalität.
Er kommentierte, dass Chiapas vor seiner Amtsübernahme von Morden, Schusswechseln, aufgehängten und enthaupteten Leichen sowie Straßenüberfällen geprägt gewesen sei. Ramírez führte den Wandel auf die neue Sicherheitsstrategie zurück, die gemeinsam mit der Präsidentin Claudia Sheinbaum, dem föderalen Sicherheitsminister Omar García Harfuch, den Streitkräften sowie den staatlichen und föderalen Institutionen der Strafverfolgung umgesetzt wurde.
Er berichtete, dass im ersten Jahr etwa 6.000 Personen festgenommen wurden, von denen 5.000 weiterhin unter Anklage stehen. Er würdigte die Judikative des Bundesstaates dafür, mutmaßliche Straftäter nicht freizulassen, wie es seiner Aussage nach zuvor geschehen sei. Außerdem wurde ein Video mit den getätigten Investitionen präsentiert: ein Black-Hawk-Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen, Videoüberwachungskameras, mobile Stützpunkte und Gehaltserhöhungen für Polizeikräfte.
Neben dem Thema Sicherheit hob der Gouverneur Fortschritte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umwelt, Tourismus und Infrastruktur hervor. Dazu zählen ein Alphabetisierungsprogramm, der Beginn des Autobahnprojekts Palenque–San Cristóbal de Las Casas, der Wiederaufbau von Straßen, die Gründung der Fluggesellschaft Balam zur Verbindung von Chiapas mit anderen Bundesstaaten sowie Stipendien- und Nahrungsmittelunterstützungsprogramme für vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Für das kommende Jahr kündigte er neue Maßnahmen an: Förderung der Entwicklungszentren (Polos del Bienestar), Unterstützung für Kaffee-, Mais- und Fischereiproduzenten, Stipendien für Studierende und Sportlerinnen und Sportler, Einbindung von Kunsthandwerkerinnen und -handwerkern in die Sozialversicherung, Wiederherstellung von Mikro-Einzugsgebieten, Programme für Frauen sowie öffentliche Bauprojekte mit lokalen Unternehmen unter Transparenzkriterien. Ramírez erklärte, dass „Chiapas erwacht ist“ und der Bundesstaat auf dem Weg sei, sich in den „Riesen des Südens“ zu verwandeln. Er räumte ein, dass weiterhin historische Herausforderungen bestehen — Armut, Ungleichheit, Agrarkonflikte, Bildungsrückstand, Defizite in grundlegenden Dienstleistungen, Gewalt und Diskriminierung gegenüber indigenen Völkern —, versicherte jedoch, dass seine Regierung weiter daran arbeiten werde, diese anzugehen.
Dieses hoffnungsvolle Panorama steht im Widerspruch zu dem Bild, das Menschenrechtsorganisationen wahrnehmen, die darauf hinweisen, dass die Gewalt fortbesteht und die Militarisierung der Sicherheit die strukturellen Konflikte nicht gelöst hat. Im Dezember veröffentlichte die Arbeitsgruppe Grenzregion, bestehend aus mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen, den vorläufigen Bericht „Chiapas 2025: Der ausstehende Frieden“. „Die Landesregierung hat auf die Sofortreaktionseinheit Pakal (FRIP) als Kern der Befriedungsstrategie gesetzt; ihr Vorgehen hat jedoch die Militarisierung der Region vertieft und neue Risiken für die Zivilbevölkerung wie willkürliche Festnahmen und Amtsmissbrauch erzeugt“, heißt es darin. Zudem wird ausgeführt, dass die interne Vertreibung weiterhin eine Konstante sei, so die Organisationen. Zwischen 2023 und 2024 wurden mehr als 8.000 Personen aus ihren Gemeinden vertrieben; obwohl viele 2025 zurückkehrten, geschah dies ohne reale Sicherheitsbedingungen. Andere bleiben weiterhin vertrieben oder erleben eine intermittierende Vertreibung, indem sie sich zwischen ihren Gemeinden und anderen Bezirken oder sogar Guatemala bewegen, angesichts anhaltender Bedrohungen und der Präsenz bewaffneter Gruppen. Ein weiterer kritischer Punkt des Berichts ist der Anstieg des gewaltsamen Verschwindenlassens. Im Jahr 2025 wurden mindestens 29 verschwundene Personen in Grenzgemeinden registriert, hauptsächlich in Frontera Comalapa und La Concordia, wobei eine hohe Dunkelziffer aufgrund von Angst vor Anzeigen anerkannt wird. „Der Frieden in Chiapas steht weiterhin aus. Das Fortbestehen von Gewalt, Verschwindenlassen, interner Vertreibung und das Fehlen verlässlicher offizieller Daten machen die Opfer unsichtbar und erschweren den Aufbau wirksamer öffentlicher Politiken, wodurch die Grenzgemeinden in einem Szenario von Angst, Unsicherheit und institutioneller Vernachlässigung zurückgelassen werden“, schließt der Bericht.
Aus derselben Region äußerte ebenfalls im Dezember das Gläubige Volk von Chicomuselo seine Besorgnis über die Normalisierung der Gewalt und den Widerspruch zwischen dem offiziellen Diskurs, der von Befriedung spricht, und der alltäglichen Realität, mit der die Gemeinschaften konfrontiert sind. Es erklärte, der Bundesstaat „sei mit dem Blut unschuldiger Menschen getränkt“, Opfer von Massakern, Verschwindenlassen, Entführungen, interner Vertreibung und Morden infolge territorialer Kämpfe zwischen kriminellen Gruppen. „Die Erzählung, dass der Frieden in Chiapas angekommen ist, hält der Realität nicht stand. Frieden wird nicht per Dekret verhängt, sondern mit Gerechtigkeit, Wahrheit und der Anerkennung der Würde der Völker aufgebaut“, hieß es.
In einem breiteren Rahmen fand am 25. Januar in San Cristóbal de Las Casas die traditionelle Pilgerfahrt des Gläubigen Volkes der Diözese San Cristóbal statt, um des Andenkens an Samuel Ruiz García, jTatik Samuel, 15 Jahre nach seinem Tod zu gedenken. Mehr als 10.000 Menschen aus verschiedenen Gemeinden von Chiapas forderten Frieden und Gerechtigkeit für die Völker. Sie erklärten, dass „wir weiterhin die Gewalt anprangern, die sich in einigen Gemeinden unseres Bundesstaates Chiapas durch das organisierte Verbrechen fortsetzt, mit bewaffneten Auseinandersetzungen, Morden, Verschwindenlassen, ‚Levantones‘ (Entführungen), Schutzgelderpressung, Einschüchterungen von Bewohnerinnen und Bewohnern von Gemeinden dieser Bezirke, der Verpflichtung zur Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen oder zur Einrichtung simulierter Kontrollposten, wobei bei Nichtbefolgung Geldstrafen verhängt werden. All dies verursacht interne Vertreibung. Die Völker schweigen aus Angst und Furcht, dass ihnen das Leben genommen wird.“
Zwischen Dezember und Februar wurden mehrere gewalttätige Vorfälle gemeldet, darunter Morde, Auseinandersetzungen, das Niederbrennen von Fahrzeugen und Verschwindenlassen in einer weiteren Region, Villaflores, die mit einem Konflikt zwischen zwei Gruppen der organisierten Kriminalität in Zusammenhang stehen sollen, die um die territoriale Kontrolle dieser Region konkurrieren, die die Sierra Madre mit dem Zentrum des Bundesstaates verbindet. Zudem wurde das Auftauchen zerstückelter Leichen in der Hauptstadt des Bundesstaates, Tuxtla Gutiérrez, gemeldet. Die Landesregierung führte mehrere Einsätze durch und nahm einige Festnahmen vor; die wichtigste war die eines als „El Espíritu“ bekannten Mannes, den die Behörden als „Platzchef“ in mehreren Regionen von Chiapas einstufen. Das Versprechen, die Kontrollposten und Sicherheitsfilter in Tuxtla Gutiérrez und im gesamten Bundesstaat zu verstärken, hat die Angst nicht vollständig verringert, dass der Kampf um die Territorien erneut aggressiver aufflammen könnte.
Organisierte Prozesse mobilisieren sich weiterhin

Zapatistisches Treffen “Der Pyramiden, Geschichte, Liebe und, klar, Liebeskummer”, Dezember 2025 © SIPAZ
Neben den bereits erwähnten Pilgerfahrten fanden im November im Rahmen des 12. Jahrestages der Bewegung zur Verteidigung des Lebens und des Territoriums (MODEVITE) in San Juan Cancuc eine Reihe von Aktivitäten statt, bei denen unter anderem gefordert wurde, dass der mexikanische Staat ihr Recht auf Selbstbestimmung, Autonomie und ihre eigenen normativen Systeme respektiert; dass das Autobahnprojekt San Cristóbal–Palenque endgültig eingestellt wird; dass die extraktivistischen Megaprojekte im gesamten Maya-, Zoque- und Chol-Territorium gestoppt werden; und dass in internationalen Foren wie der COP 30 die Stimmen der indigenen Völker gehört und ihre grundlegende Rolle bei der Verteidigung der Mutter Erde anerkannt wird.
Seit dem 26. Dezember 2025 bis zum 1. Januar 2026 feierte die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) den 32. Jahrestag des zapatistischen Aufstands im CIDECI in San Cristóbal de Las Casas und anschließend im Caracol von Oventik. An allen Sitzungen des Seminars „Von Pyramiden, Geschichten, Lieben und natürlich Entlieben“ nahmen der aufständische Subcomandante Moisés und Kapitän Marcos teil. Sie baten ihre Gäste, über „die Pyramiden und den Umgang mit Geschichten im Wirtschaftssystem, die schlechten Regierungen, die Gesetze und die Justizstruktur, die Widerstandsbewegungen, die Linken und den Progressivismus, die Menschenrechte, den feministischen Kampf und die Künste“ zu sprechen.
Das Programm umfasste eine Reihe von Treffen mit Intellektuellen, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Mitgliedern der Zivilgesellschaft. Der zentrale Moment der Feier fand am 31. Dezember im Caracol von Oventik statt, wo des Aufstands von 1994 gedacht wurde.
Besonders vulnerable Sektoren angesichts der Gewalt: Frauen, Kinder und Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger

Pilgerreise der Diözesen Frauenkoordination (CODIMUJ), San Cristóbal de las Casas, 25. November 2025 © SIPAZ
Am 25. November 2025, im Rahmen des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, pilgerten etwa 800 Mitglieder der Diözesanen Frauenkoordination (CODIMUJ) in San Cristóbal de Las Casas, um ein Ende der Gewalt gegen sie zu fordern. In Tuxtla Gutiérrez prangerten sie an, dass trotz institutioneller Kampagnen und offizieller Diskurse in Chiapas weiterhin Straflosigkeit, Feminizide, Verschwindenlassen und systematische Gewalt gegen Frauen und Mädchen bestehen. Bis Dezember hatte das Feministische Kollektiv 50 mehr 1 mindestens 31 Feminizide im Jahr 2025 registriert.
Laut dem Netzwerk für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Chiapas (Redias) veröffentlichte die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates im Jahr 2025 etwa 460 Suchmeldungen wegen des Verschwindens von Mädchen, Jungen und Jugendlichen (NNA), was mehr als einem Fall pro Tag entspricht. Die Daten zeigen, dass die am stärksten betroffene Gruppe 15-jährige Jugendliche sind, hauptsächlich weiblich (sieben von zehn Meldungen). Redias hob außerdem hervor, dass im Jahr 2025 16 Tötungsdelikte, 9 Feminizide, 328 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, die Abschiebung von 635 chiapanekischen Kindern und Jugendlichen aus den Vereinigten Staaten sowie die Festnahme von 8.656 minderjährigen Migrantinnen und Migranten im Bundesstaat dokumentiert wurden, von denen 876 in ihre Herkunftsländer zurückgeführt wurden.
Schließlich machte im Januar das Gesprächsforum „Die Situation von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern in Chiapas: die Herausforderungen ihres Schutzes“ die Vulnerabilität dieses Sektors sichtbar. Daran nahm die Sonderberichterstatterin der UNO für Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger, Mary Lawlor, teil, die nach Treffen mit Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern unter anderem erklärte, dass „es in Chiapas keine Sicherheit für Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger gibt“, da die mexikanische Regierung „den Frieden anstreicht, ihn simuliert“ und „die Militarisierung, die organisierte Kriminalität, die Megaprojekte und die Kriminalisierung der Verteidigerinnen und Verteidiger sie in Gefahr bringen“. Sie wies zudem darauf hin, dass es im Bundesstaat mehrere Personen gebe, die „Frieden wollen, aber aus Angst gelähmt sind“.
Im jüngsten Fall dieser Vulnerabilität war im Februar wo die Menschenrechtsverteidigerin Poulette Celene Hernández ein Opfer körperlicher Angriffe wurde, Morddrohungen und Belästigungen in der Gemeinde Tonalá. Laut Dokumentation des Menschenrechtszentrums Digna Ochoa erschienen am 8. Februar drei Personen an ihrem Wohnsitz, beleidigten sie, bedrohten sie und griffen sie körperlich an. Einen Tag zuvor, am 7. Februar, kamen möglicherweise aufgrund der Anwesenheit weiterer Personen im Haus vier Männer auf Motorrädern vor ihr Haus und sprachen Drohungen aus, bevor sie sich zurückzogen, was als vorherige Einschüchterung Akt gewertet wird. Poulette Celene Hernández ist Rechtsanwältin und arbeitet mit Frauen an der Küste von Chiapas, begleitet Gewaltopfer und fördert Bildungsprozesse in Menschenrechten, gemeinschaftlicher Gesundheit und Agrarökologie. Ihre Arbeit findet in einem Kontext statt, wo viele Konflikte bereits bestehen, der jüngst durch Anzeigen im Zusammenhang mit dem Inter Ozeanischen Korridor und die mutmaßliche Kollusion zwischen Behörden und kriminellen Gruppen geprägt ist.

Treffen mit dem UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsverteidiger, Mary Lawlor, San Cristóbal de las Casas, Januar 2026 © SIPAZ









