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:: SIPAZ BERICHT: Jahr IX Nr 2, Juni 2004

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:: ANALYSE

Stand der Dinge
Chiapas: Zunahme der Brennpunkte im Zusammenhang mit erhöhten Spannungen

Sicherlich füllt der Konflikt im Chiapas nicht mehr so oft die ersten Seiten der nationalen Zeitungen wie noch in den ersten Jahren nach dem bewaffneten Aufstand der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN) im Jahre 1994. Dennoch, liest man die darauf folgenden Seiten oder die lokale Presse, wird man zwangsläufig gewisse Warnzeichen vernehmen, wenn man die Zunahme gewalttätiger Auseinandersetzungen bzw. Brennpunkte registriert, die jeder Zeit zu stärkerer Gewalt führen könnten. Mehr noch, wenn wir uns bewusst machen, dass ein Großteil der Ursachen dafür eben jenen strukturellen Faktoren entsprechen, die den Aufstand herbeiführten.

Von der Hochebene…

Eine erste gewalttätige Auseinandersetzung in den letzten Monaten ereignete sich am 10. April in der Gemeinde von Zinacantán, wo Hunderte von zapatistischen Unterstützungsbasen einen Friedensmarsch veranstalteten zum Gedenken an den traurigen Jahrestag des Todes von Emiliano Zapata. Nach der Kundgebung wurde Wasser an die Gemeinden verteilt, denen der Zugang durch die Gemeindebehörden der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) entzogen worden war. Dabei wurden sie von Sympathisanten der PRD aus einem Hinterhalt angegriffen und als Ergebnis blieben Dutzende von Verletzten und 125 vertriebene Familien zurück, die nach 15 Tagen zu ihren Gemeinden zurückkehren durften (siehe Artikel dazu in diesem Bericht).

Auch in dem Bezirk Tenejapa besteht ein ähnlicher Konflikt im Hinblick auf die Frage des Eigentums und der Nutzung einer Wasserquelle, der sich in Gewalt äußern könnte, wie die Bewohner einer der betroffenen Gemeinden verlautbarten.

Ende Mai machte der autonome Rat von Polhó (Chenalhó) darauf aufmerksam, dass "die bewaffneten Gruppen, die in Verbindung stehen zu der PRD-Regierung in Zinacantán, und welche schon zuvor in Erscheinung getreten sind, mit wenigstens einem Sektor der Paramilitärs in Chenalhó verbündet sind, welche nie entwaffnet wurden und seit 1997 weder damit aufhörten zu operieren, noch Tausende zapatistischen Indigenas zu bedrohen und im Exil zu halten“.

Bis zur Selva (Urwald)…

Der bekannteste Fall steht im Zusammenhang mit dem Naturschutzreservat Montes Azules, wo weiterhin mit Vertreibung gedroht wird und die Umsiedelung von mehr als 30 Dörfern noch offen ist. Bundesstaatliche und staatliche Instanzen betonen seit längerer Zeit, dass man den Weg des Dialoges mit den “irregulären“ Niederlassungen bevorzugt habe. Im März lehnten zehn im Naturreservat gelegene Gemeinden und Gruppenmitglieder der Unión de Comunidades Indígenas de la Selva Chiapaneca (Union Indigener Gemeinschaften des chiapanekischen Waldes) den Dialog mit dem Sekretariat für Agrarreformen über die mögliche Umsiedelung ab, indem sie sagten, sie werden “keine weiteren angeblichen Dialoge und Verhandlungen“ mehr akzeptieren, “bei denen keine ernsthaften Kompromisse und Abkommen ausgearbeitet werden“.

Andere öffentliche Erklärungen klingen mehrdeutiger. Beispielsweise schlug der PAN-Abgeordnete Jorge Nordhausen von der Kommission für Umwelt, Naturressourcen und Fischfang des Senats der Republik im April vor, mit den Räumungen in Montes Azules fortzufahren “mit dem Ziel, Ordnung und Gesetzmäßigkeit im Naturreservat des Lacandonen-Waldes wiederherzustellen“. Er betonte, dass die Räumungen “nicht aus willkürlichen Maßnahmen bestehen, sondern aus rechtlich fundierten Aktionen, begründet durch das schädliche Eindringen in das Naturerbe der Nation.“

Im Mai versicherte das Sekretariat für Umweltschutz (PROFEPA) 13 Abkommen über die Umsiedlungen und fünf zur Normalisierung geschlossen zu haben, welche im Juni in die Tat umgesetzt werden sollen.

In der Region Las Cañadas kam es im April zu starken gegenseitigen Anschuldigungen zwischen den Organisationen des Gebietes: die Junta der Guten Regierung “Der Weg der Zukunft“ dementierten, dass die Zapatisten Polizeigruppen aufstellen würden. Im Gegenteil, sie beklagten, PRI-Anhänger und Mitglieder der Asociación Rural de Interés Colectivo (ARIC Independiente - Unabhängige Ländliche Vereinigung Gemeinschaftlicher Interessen) seien diejenigen, welche seit zwei Monaten Reserveeinheiten in der Nähe von Ocosingo aufbauten trotz der Missbilligung durch die Zapatisten.

Von der nördlichen Zone bis zur Küste

Ende April beschuldigte die Junta der guten Regierung “Saat die erzeugen wird“ mutmaßliche Paramilitärs, die in Verbindung stehen zur PRI, Familien der Unterstützungsbasen des EZLN der Gemeinde Tiutzol im Regierungsbezirk Tila (Nördliche Zone) attackiert zu haben.

Die Konflikte um den Widerstand gegen die Zahlung der Elektrizität bestehen fort. Es wurde berichtet von Blockaden (Tapachula) und Behinderungen von Angestellten der Bundesstaatlichen Kommission für Elektrizität, CFE (Küste, Nördliche Zone). Dessen ungeachtet versicherte der Geschäftsführer der Abteilung Süd-Südost der CFE, dass 90% der Küstenregion das bevorzugte Programm “Vida mejor“ (“Besseres Leben“; siehe SIPAZ-Bericht März 2004) akzeptiert hätten. Er bekräftigte, dass die sich ereigneten Konflikte “kleine Streitigkeiten“ seien und man weiterhin allen den Strom sperren werde, die sich weigerten zu zahlen.

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Gemeindekonflikte oder die Spitze des Eisbergs?

Einige versuchen diese Ausschreitungen der Gewalt den Problemen untereinander und innerhalb der Gemeinen zu zuschreiben. Als der Staatssekretär Santiago Creel im April zu Besuch im Chiapas war, sagte er, dass “Chiapas der bundesstaatlichen Regierung kein Kopfzerbrechen mehr bereite“ und dass trotz der Zusammenstöße in Zinacantán “dort eine politische Stabilität herrsche“. Er beurteilte die Ausschreitung als “Zwischenfall“.

Andere jedoch sehen in diesen Vorfällen Symptome für eine Situation mit weitreichenderem Charakter. Die Kommission zur Unterstützung der kommunitären
Einheit und Versöhnung (Coreco) erklärte, dass “das, was am 10. April vorfiel, weder eine einfache Streiterei gewesen ist, noch die schlichte Konsequenz aus dem Unvermögen der staatlichen Regierung sowie der Bezirksregierung, den Forderungen der Bevölkerung nachzukommen. Auch ist dies nicht das Resultat einer Verschärfung des Konfliktes aufgrund der Existenz von zwei Rechtsrahmen. Der Hinterhalt, der Angriff, die Gewaltanwendung, die Bedrohung und die Störung des Marsches und den Widerstand leistenden Kommunen in Zinacantán erfolgten einmal mehr als Versuch, die Unterstützungsbasen des EZLN zu zwingen, ihre politische Stellung aufzugeben“.

Abgeordnete der Cocopa (Kommission zur Schlichtung und Befriedung – eine legislative Instanz, die gebildet wurde um den Dialog zwischen EZLN und der Regierung zu unterstützen) bekräftigten, dass die Vorfälle in Zinacantán das “Links liegen lassen“ des Themas Chiapas auf der Agenda der bundesstaatlichen Regierung reflektierten.

Luis H. Àlvarez, Friedensbeauftragter des Bundesstaates Chiapas hält seinerseits fest: “Der EZLN hat eine wichtige Verantwortung bei der Schaffung eines Raumes für politische Verhandlungen, der es erlaubt, größere Konflikte und das Blutvergießen bei den Indigenas zu vermeiden. Es ist wichtig, dass der EZLN noch einmal die Notwendigkeit anerkennt, den Dialog mit den staatlichen Behörden wieder zu eröffnen, um grundsätzliche Einigungen zu erreichen, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichen“.

Im Juni sagte die Fraktion der PRD in der Abgeordnetenkammer, dass sie das Erscheinen des Friedensbeauftragten für Chiapas, Luis H. Álvarez, vor einer Kommission beantragen werden, da sie der Ansicht sind, dass der Repräsentant seinem Auftrag nicht gerecht wurde, indem er bei seinen Besuchen sich der Übergabe von Wellblechdächern und anderen materiellen Hilfsgütern und Arbeiten innerhalb der Bevölkerung widme, die dem Zapatismus gegenüber abtrünnig geworden sind oder gegen ihn sind. Gerardo Ulloa von der PRD dagegen beurteilte, die Austeilung von Materialien durch den Beauftragten, mache ihn zu einem Instrument der Regierung, um die zapatistischen Basen zu untergraben, was nicht zu der Wiederaufnahme des Dialoges beitrage, sondern seine moralische Eigenschaft als Unterhändler einschränke.

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DER NÄHRBODEN

Hinter den gewalttätigen Vorfällen stecken zahlreiche Faktoren.

Folgeerscheinungen der Kriegsjahre

Zu den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ausgrenzungen der indigenen Kommunen im Chiapas die vor 1994 existierten, kommen die Auswirkungen des Krieges niedriger Intensität (versteckter Krieg) hinzu, die in diesen Jahren in der Region erlitten wurden. Einer der augenscheinlichsten Aspekte ist die permanente Militärpräsenz in Chiapas. Eine andere Folge ist die Auflösung sozialer Netzwerke, die zu Konflikten innerhalb der Gemeinden und untereinander geführt hat, wo eine Kultur von wachsender Intoleranz vorherrscht und die Tendenz, ideologische, politische oder religiöse Verschiedenartigkeit aufzulösen.

Anfang Juni kritisierte das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas, dass die Situation der, aufgrund des bewaffneten Konfliktes, mehr als 12000 Vertriebebenen im Chiapas noch immer eines der ungelösten Themen sei. Es wurde darauf hingewiesen, dass trotz einiger Versuche mit der Regierung zu verhandeln, in keinem der Fälle ihnen Land zum Leben zugewiesen wurde, noch gegen die Verantwortlichen für die Vertreibungen ermittelt wurde.

Einige Tage später betonte der PRD-Abgeordnete Emilio Zebadúa, dass die Vertriebenen sich in einer Situation von “hoher Verwundbarkeit“ befinden, resultierend aus dem Verlassen des Internationalen Roten Kreuzes, das den Sektor unterstützte. Zebadúa erklärte, dass die bundesstaatliche Regierung nicht die Empfehlungen bezüglich der Vertriebenen, die vor einem Jahr von Francis Deng, Beauftragter der UNO, abgegeben wurden, befolgt habe.

Bevorstehende Wahlen

Ein weiterer Umstand, der den Anstieg sozialer Spannungen erklärt, hängt zusammen mit den Regionalwahlen am 3. Oktober, bei denen 118 Bürgermeister und 40 staatliche Abgeordnete gewählt werden. Der Kampf um die Macht (Kandidaturen und Wahlen) verschärft das Klima.

Auch wenn die nächsten Wahlen in 2006 stattfinden, ist die politische Tagesordnung auf bundesstaatlicher Ebene schon darauf ausgerichtet in Form von Skandalen, parteiinternen Kämpfen und Rücktritten.

Innerhalb der Nationalen Aktionspartei (PAN) in der Staatsregierung kam es erst vor Kurzem zu Reibereien zwischen dem Präsidenten Fox und seinen möglichen Nachfolgern innerhalb der Partei, so wie in dem Fall des Energieministers Felipe Calderón, welcher seine Präsidentschaftskandidatur beim Dritten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibik niederlegte. Der Präsident zwang ihn sein derzeitiges Amt niederzulegen, wenn sich dieser dem politischen Wahlkampf widme, wobei sich die Differenzen zwischen den einzelnen PAN-Fraktionen widerspiegelten.

Im Rahmen der Oppositionsparteien kursiert ein sehr undurchsichtiger Fall um die Konflikte zwischen der bundesstaatlichen Regierung und dem aktuellen Regierungschef des Bundesdistriktes, Andrés Manuel López Obrador, ein möglicher Präsidentschaftskandidat der PRD.

Kritik an Beschneidung von Freiräumen

Das “Knebel“-Gesetz

Am vergangenen 17. Februar wurde im Chiapas Reformen zum Strafgesetz verabschiedet, die sich auf Delikte gegen die Ehre beziehen, auf die Strafen von neun Jahren Gefängnis und Geldbußen in Höhe von bis zu tausend Tagessätzen des Mindestgehaltes auferlegt werden. Menschrechtsorganisationen, Journalistengruppen und die zivile Gesellschaft demonstrierten ihre Ablehnung der genannten Reformen, in dem sie argumentierten, diese verletzten die freie Meinungsäußerung sowie das Recht auf Information. Ferner unterstrichen sie, dass diese gegen, von der mexikanischen Regierung unterschriebene, Rechtsdokumente verstießen, so wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Amerikanische Menschenrechtskonvention. Dem zum Trotz traten diese Reformen Ende Mai 2004 in Kraft.

CEDH

Eine andere Situation, die für Besorgnis bei den Menschenrechtsorganisationen im Chiapas sorgte, eine Kontroverse zwischen der Nationalen Menschenrechtskommissionen CNDH und ihrer staatlichen Schwesterorganisation CEDH, bezüglich einer herausgegeben Empfehlung der letzteren, was die vorherrschenden Verfahren betrifft, die die öffentliche Schutzorganismen den Bürgern anbieten sollen. Laut der CNDH ermöglichte die ungenügende Berücksichtigung der Empfehlung seitens der CEDH, dass der Polizeisektor und die Gemeinderäte von Comitán, die 66 Personen während einer Räumung im Jahre 2002 angriffen, weiterhin Straffreiheit genießen.

Im Juni gab der Kongress von Chiapas der Klage wegen Missachtung statt, die der CNDH gegen seine staatliche Schwesterorganisation präsentierte. Der Ombudsmann Pedro Raúl López Hernández bat die Abgeordneten das Recht auf Anhörung zu respektieren, bevor sie diesbezüglich eine Entscheidung treffen.

Das Gesetz über Menschenrechte

Die Reforminitiative zu einer Konstitution hinsichtlich Menschrechten, diesmal auf Bundesebene, sorgte ebenfalls für Polemik. Die Mitgliedsorganisationen des Verbindungskomitees zwischen der Regierung und dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (ACNUDH) beklagten, dass, auch wenn wichtige Aspekte angerissen würden, die Reforminitiative sich vom Wortlaut und Geist des gemeinsam erarbeiteten Entwurfes entferne und den Prozess des aufgenommen Dialoges untergrabe. (Für weitere Details siehe Webseite des Menschenrechtszentrums Augustín Pro Juárez).

Sie hinterfragten die sinngemäßen Aussagen des Präsidenten Fox, niemand könne bezweifeln, die Regierung respektiere nicht die Menschenrechte: “Es gibt wichtige Beweise, die seiner Behauptung widersprechen, welche man im Bericht des Hochkommissars der UN für Menschenrechte (ACNUDH) findet, die vielen, durch die Nationale Menschenrechtskommission und internationale Einrichtungen eingegangenen und dokumentierten Beschwerden. So wie all die Menschenrechtsverletzungen, deren Großteil nicht durch die Bevölkerung angeklagt wurden aufgrund von Zweifeln an der Kompetenz der gerichtlichen als auch nicht gerichtlichen Institutionen, die für den Schutz ihrer Menschenrechte verantwortlich sind. Die Situation erfordert keine realitätsfernen Reden, sondern dringend eine greifbare Politik seitens des Staates, die die Menschenrechte respektiert, garantiert und schützt“.

Ende Mai bestätigte Amnesty International in seinem Jahresbericht 2004, dass die Bemühungen der Regierung Vicente Fox um die Respektierung der Menschenrechte “unzureichend“ gewesen sind um die “regelmäßigen und allgemeinen Verstöße“ zu bremsen. Es wird gemahnt, dass “das strukturelle Versagen“ des Strafjustizsystems nach wie vor Hauptursache für die Verletzung der Menschenrechte und Straflosigkeit sind. Des Weiteren heißt es bezüglich der Thematik indigener Völker, dass die Diskriminierung, Marginalisierung und die Konflikte der Gemeinden weiterhin vielfache Menschenrechtsverstöße hervorrufen. Der Bericht ruft in Erinnerung, dass im Juni 2003 Mexiko dazu aufgerufen wurde, die Verhandlungen mit dem EZLN wieder aufzunehmen und die “strittige“ Gesetzgebung von 2001 für die Rechte der Indígenas zu ändern. Auch wird auf die Befürchtung hingewiesen, dass der Puebla-Panama-Plan für die indigenen Gemeinschaften im Süden Mexikos eine Gefahr darstelle, da dieser damit drohe, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte dieser Gemeinden zu verletzen.

Ebenfalls Ende Mai trafen sich Repräsentanten ziviler Organisationen mit dem Staatssekretär Santiago Creel und erreichten eine Serie von Abkommen um die Fortdauer des Dialoges mit der Regierung zu garantieren.

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Soziale Prozesse und offizielle Verhandlungsräume

In Bezug auf die indigenen Völker wurde Mitte Mai die dreizehnte Versammlung des Nationalen Indígena Kongresses (CNI) in Unión Hidalgo, Oaxaca, abgehalten. Abgeordnete der Region Zentral-Pazifik vereinbarten die Abkommen von San Andrés als “Indígena-Konstitution“ zu ratifizieren und in einer “friedlichen Rebellion“ fortzuschreiten mit Hilfe der Autonomieausübung. Juan Chávez, ein Purépecha aus Nurio, betonte: “Wir dürfen nicht dahingehend verfallen, den Staat weiterhin darum zu bitten, was er uns schon versagt hat (die konstitutionelle Anerkennung der Rechte der indigenen Völker mit der Verabschiedung der Gesetzesinitiative der Cocopa), wir müssen die Regierung nicht um Erlaubnis bitten, noch in ihrem Schatten stehen, die Forderung wurde überholt durch die Bildung der Caracoles im Chiapas und der autonomen Gemeinden wie Xochistlahuaca (Guerrero) und das, was in Unión Hidalgo (Oaxaca) und Tlalnepantla (Morelos) passiert“.

Am 28 Mai begann das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibik mit Repräsentanten aus 58 Ländern in Guadalajara, Jalisco. Parallel dazu wurden verschiedene soziale “altermundistas“ Foren veranstaltet (siehe dazu gesonderten Bericht). Leider wurde in den Medien wenig des Inhaltes der Diskussionen wiedergegeben, da der Protestmarsch, welcher den Höhepunkt der tagelangen Arbeit bilden sollte, in gewalttätigen Ausschreitungen endete. Verschiedene anwesende Organisationen beklagten, dass die Intensität der Polizeirepressionen die Sicherheitsmaßnahmen überschritten habe, die hätten erlassen werden können, um gegen Ausschreitungen durch kleinere Gruppen bei der Demonstration vorzugehen.

45 junge Mexikaner wurden verhaftet, acht Ausländer wurden ihrer Freiheit beraubt und schließlich des Landes verwiesen. Menschenrechtsorganisationen verurteilten den Missbrauch, die Schikanen und die Verletzung des Rechts auf Zugang zur Justiz sowie den mangelnden Schutz der physischen Integrität derer, die festgehalten wurden. Eine Woche später wurden die mexikanischen Verhafteten offiziell zu Inhaftierten erklärt, die sich des Aufstands, der Bandenbildung, des Widerstandes bzw. Ungehorsam gegenüber der Staatsgewalt, des Übergriffs auf die öffentlichen Verkehrsmittel, der Körperverletzung, des Diebstahls und des Sachschadens schuldig gemacht hätten.

Als letztes verweisen wir auf die Erklärung von Tepeaca (im Staate Puebla), wo vom 4. bis zum 6. Juni das Mexikanische Treffen für Alternative Lebensweisen der Völker abgehalten wurde, eine Vorbereitung auf die die nächsten mittelamerikanischen sozialen Foren im Juli in El Salvador. Versammelte Repräsentanten von 112 sozialen Organisationen aus dem ganzen Land wiesen die, vom Präsidenten durchgeführte, neoliberale Politik, sowie die daraus resultierenden Konsequenzen, zurück. Wiederholt versicherten sie ihren Kampf für die Autonomie der Völker und so die Erfüllung der Abkommen von San Andrés. Sie schlugen vor, einen alternativen Plan für das Leben der mittelamerikanischen Völker zu erarbeiten, der auf ihrer Würde, ihrer Kultur und der Mutter Erde basiert.

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:: ZINACANTÁN

Zinacantán: blumen und blicke begleiten die rückkehr der vertriebenen zapatisten

Die Vorfälle von Gewalt

Am vergangenen 10. April gerieten zapatistische Unterstützungsbasen der Region Altos in Chiapas in einen Hinterhalt durch Mitglieder der Partei der Demokratischen Revolution (PRD), die aus Zinacantán stammen, einem Landkreis der Tzotzil in den Altos nahe bei San Cristóbal de Las Casas.

An diesem Tag gedachten die Zapatisten mit einer Demonstration dem Tod des Bauernführers Emiliano Zapata, von dem sie den Namen und den Kampf für “Land und Freiheit“ übernommen haben. Im Laufe dieser friedlichen Demonstration brachten sie auch in einem Akt der Solidarität den Zapatisten der Gemeinde Jech´vó Wasser, die seit dem vergangenen 9. Dezember auf Anordnung von Mitgliedern der PRD von Zinacantán ohne Versorgung dessen waren. Darüber hinaus forderten sie von ihnen ein, mittels einer Kooperation, die mit der Beteiligung der traditionellen Ämter verbunden sein soll, zusammenzuarbeiten.

Als sie von diesem Akt zurückkehrten, blockierten Anhänger der PRD den Weg und griffen sie mit Steinen, Knüppeln und einigen Gewehrschüssen an. Mit dem Resultat von 35 Verletzten und mehr als 500 Menschen, die aufgrund der Angst vor neuen Angriffen aus ihren Gemeinden flüchteten. Es handelt sich hierbei um die größte Agression, welche die zapatistischen Unterstützungsbasen seit dem bewaffneten Aufstand von 1994 erlitten haben. Die Junta de Buen Gobierno (Rat der guten Regierung) von Oventik, die autonomen zapatistischen Autoritäten dieser Region, veröffentlichten verschiedene Kommuniqués, in denen sie die Vorfälle verurteilten, über die Verwundeten informierten und die Liste der Verantwortlichen der besagten Angriffe übergaben. Sie klagten die PRD an, “sich auf den Krieg der schlechten Regierung gegen die indigene Bevölkerung eingelassen zu haben.“

Das nationale Führungsgremium der PRD erklärte, dass der Hinterhalt mit einem Problem der Wasserversorgung zu tun hatte und nicht der Sichtweise bezüglich eines Problems der PRD mit den Zapatisten entspricht. Der Regierungssprecher Santiago Creel und der Gouverneur von Chiapas, Pablo Salazar, bestätigten auf die gleiche Art und Weise, dass es sich um einen Konflikt zwischen Landkreisen, hervorgerufen durch das Thema Wasser, handelte.

Rückkehr ohne Gerechtigkeit

Wochen später kündigten die zapatistischen Autoritäten die Rückkehr der vertriebenen Familien an, obwohl die Verantwortlichen der Angriffe noch nicht bestraft worden waren. Am Sonntag den 25. April riefen sie die nationale und internationale Zivilgesellschaft zusammen, eine Karawane zu organisieren, um die Rückkehr zu begleiten und erbaten die Einrichtung von zivilen Friedenscamps in den Gemeinden, um zukünftige Angriffe zu vermeiden.

Es kamen auch um die 200 zapatistische Unterstützungsbasen mit ihren Gesichtsmasken, aus den anderen Landkreisen der Altos:

“Wir sind bis hierhin mit dem Ziel gekommen, unsere “compañeros und compañeras“ zu begleiten, die seit dem 10. April der Situation ausgesetzt sind, vertrieben worden zu sein. Aber am heutigen Tag sind wir gekommen, diese “compañeros und compañeras“ in ihre Herkunftsgemeinden zurückkehren zu lassen, und hier zu bleiben, da hier ihr zu Hause ist, hier ihre Gemeinde ist und niemand das Recht hat, sie weder zu belästigen noch sie aus ihrer eigenen Gemeinde zu vertreiben; sie sind Zapatisten und werden weiterhin Zapatisten sein.“
(am Anfang und am Ende der Karawane durch sie verlesenes Kommuniqué)

Wir begannen die Strecke auf der Landstraße nach Tuxtla (die Hauptstadt des Staates Chiapas) bis zu dem Ort zu dem die Vertriebenen geflohen sind. Menschen blieben verblüfft am Rand der Landstraße stehen und betrachteten die große Anzahl an Autos und Bussen, welche die Maskierten begleiteten. Sie zählten mehr als zwanzig Fahrzeuge und 100 Personen, nationale und internationale Zivilgesellschaft, Presse und Menschenrechtsanwälte mit inbegriffen. Der Weg wurde auch durch Mitglieder der Regierung von Chiapas, der öffentlichen Sicherheitskräfte, des Geheimdienstes und einem Helikopter “begleitet“.

Zuerst erreichte mensch die Gemeinde Jech´vó, in der die Anspannung deutlich spürbar war. Aus den Bussen stiegen die Familien aus, die dort bleiben sollten, und erhielten von Menschen der Zivilgesellschaft Sträuße weißer Blumen. Die Frauen, Kinder und Männer stiegen mit ihren Rucksäcken und dem geringen Eigentum, den sie seit dem Morgen des Angriffs bei sich trugen, aus. Die Kinder schauten ängstlich und neugierig, dabei kaum den Grund ihres im Mittelpunktstehens zu begreifen und warum zehn Kameras sie von oben filmten und ihnen die Anonymität, welche die Kindheit erfordert, stahlen.

In dieser ersten Gemeinde verlasen die zapatistischen Repräsentanten auf dem zentralen Platz ein Kommuniqué, in dem sie Respekt für ihr Projekt des Lebens einforderten:

“Wir wollen den Brüdern, die keine Zapatisten sind, oder denjenigen, die verschiedenen politischen Parteien angehören, noch einmal sagen: Wir, die Zapatisten, wollen nicht gegen unsere indigenen Brüder aus der gleichen Gegend und des gleichen Landkreises kämpfen. Wir belästigen niemanden, wir verletzen niemanden; wir Zapatisten respektieren alle ohne Unterscheidung der Organisation, der Partei oder der Religion. Aber wir wollen auch, dass ihr uns respektiert, dass ihr unseren Kampf und unseren Widerstand respektiert. Unser Kampf richtet sich nicht gegen unsere armen Brüder; unser Kampf hat ein gerechtes Motiv, welches Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle heißt.“

Sie bedankten sich auch bei den Mitgliedern der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft für ihre Anwesendheit. Einige von ihnen blieben auch als Beobachter dort, um mögliche Agressionen zu verhindern. Für die Rückkehrer stellt diese Begleitung von Personen, die sie nicht einmal kennen, einen potentiellen Schutz und ihre Sicht eine Anklage dar.

Währendessen beobachteten sie mehrere Einheiten der Polizei, die ihre blauen Uniformen trugen, mit einer Art Pose, die sehr einschüchternd wirkte. In den folgenden Gemeinden liess die Anspannung nach. Insgesamt kehrten 35 Familien nach Jech´vó, 19 nach Elambó Alto, 33 nach Elambó Bajo und 15 in die Gemeinde Apaz zurück.

Was steht in diesem Konflikt auf dem Spiel?

Der Bezirkspräsident der PRD aus Zinacantán, den die Zapatisten als Anstifter der Angriffe gegen sie verantwortlich gemacht haben, kontrollierte auch die Karawane. Es handelt sich bei ihm um einen Menschen aus Zinacantán mit starkem politischen und ökonomischen Einfluss in der Region. Er dominiert das Transportwesen der Kleinbusse, die täglich nach Tuxtla fahren. Er und seine Anhänger standen die gesamte Zeit auf einer Kreuzung der Landstraße nach Tuxtla, von wo aus sie die Karawane ankommend, San Cristóbal verlassend und dorthin zurückkehrend beobachteten.

Die Zapatisten brechen aus seiner politischen und wirtschaftlichen Kontrolle aus. Sie haben ihre eigenen autonomen Autoritäten und ihr eigenes politisches Projekt, das sowohl mit dem System der offiziellen Regierung als auch mit den traditionellen Kaziken, die während Dekaden diese Ländereien beherrscht haben, bricht.

Der Konflikt in diesen Gemeinden von Zinacantán ist nicht gelöst. Auch Zustände, die eine Rückkehr ohne Probleme garantieren würden, existieren nicht, jedoch kennen die Zapatisten, genau wie andere indigene Organisationen des Staates, die Bedeutung der Vertreibung, die Bedeutung davon, nicht ihre Felder bearbeiten zu können (die Aussaat von Mais), den Verlust ihrer Tiere und die Zerstörung ihrer Ländereien. Niemand würde ein neues “Polhó“ wollen, ein autonomer zapatistischer Landkreis, der sich im Widerstand befindet, in Chenalhó (konstitutioneller Landkreis der Region Altos) gelegen ist und momentan von ungefähr 5000 Vertriebenen bewohnt wird, als Konsequenz des heftigen Konflikts, der in diesem Bezirk 1997 entfesselt worden ist.

Die Altos sind eines der Gebiete, in dem die Strategien der Aufstandsbekämpfung angewendet worden sind, die im Laufe von Jahren diesen sogenannten “Krieg der niederen Intensität“ charakterisiert haben, wie mit der Gründung von paramilitärischen Gruppen, die sich aus Indígenas zusammensetzten, die der PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution, einer Partei, die bis ins Jahr 2000 mehr als 70 Jahre lang die Bundes-, Landes- und Bezirksämter kontrollierte) angehörten und aus den selben Gemeinden stammten.

In Chenalhó endete die Eskalation der Gewalt in dem Massaker von Acteal vom 22. Dezember 1997, bei dem 45 Indígenas, die der zivilgesellschaftlichen Organisation der “Las Abejas“ angehörten, umkamen. Daher muss betont werden, dass der Präsident und der Vizepräsident der Abejas die Rückkehr der Zapatisten von Zinacantán begleiteten. Sie verstehen den Schmerz der jahrelangen Entwurzelung und den Geschmack der Rückkehr ohne Gerechtigkeit sehr gut.

Viele durchlebten durch die Vorfälle von Zinacantán wieder die Angst und die Unsicherheit, die Acteal erzeugte, und haben beide Geschehen miteinander verglichen. Es gibt Unterschiede. Um die Vorfälle von Zinacantán zu verstehen, muss mensch bedenken, dass wir ein soziales Netz antreffen, das 10 Jahre lang einen umfassenden Krieg erlitten hat, der durch Zersetzung und Polarisierung der Gemeinden charakterisiert war. Heute sind die Konflikte von den basalen Fragen ausgehend entfacht, wie z.B. der Bezahlung von Strom und Wasser sowie der Erbauung von Landstraßen. Dies stellt aber nur die Spitze des Eisberges dar. Die Essenz des Konfliktes beruht auf der Unfähigkeit, den Unterschied im Hinblick auf das Thema der Macht zu respektieren und der Schwierigkeit, zu erlauben, dass die indigenen Bevölkerungsgruppen über sich selbst bestimmen und selbst entscheiden, wie ihre Erziehung, ihre Regierung, ihr Gesundheitswesen und ihre Produktion zu organisieren sei.

Die Rückkehr passt nicht in die Uniformität. Die Vielfalt bedeutet eine Herausforderung auf allen Ebenen, und in diesem Gebiet stellt sie für die Zapatisten und dem Rest der sozialen und politischen Organisationen den Samen dar, der gepflegt werden muss, um weiterhin weiße Blumen der Hoffnung wachsen zu lassen, welche die Farbe des interkulturellen Lebens wieder entdecken.

Bis heute wurden die Verantwortlichen der Aggressionen nicht verhaftet. Die Anspannung hat dazu geführt, dass “campamentistas“ weiterhin in den Gemeinden Zinacantáns, in denen der Konflikt ausgebrochen ist, bleiben. In besagten Gemeinden ist das Wasser nicht nur knapp, sondern das Wenige, das es gibt, ist nicht sauber und verursacht Magen- und Hautkrankheiten.

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:: FOKUS

Alternative entwicklung oder alternative zur entwicklung

“nur wenn du den letzten Baum gefällt, den letzten Fisch geangelt und den letzten Fluss verseucht hast, wirst du bemerken, dass du Geld nicht essen kannst“
(Sprichwort Nordamerikanischer Indianer)

Ökonomische Globalisierung: ein einziger Markt, eine einzige Welt

Die Feierlichkeiten des dritten Gipfeltreffens der Staatsminister und Regierungschefs der EU, Lateinamerikas und der Karibik in den Tagen vom 28. und 29. Mai 2004 in Guadalajara (Jalisco, Mexiko) offenbarten die unterschiedlichen existierenden Sichtweisen um das Konzept “Entwicklung“.

Der “offizielle“ Gipfel beabsichtigte an die Arbeit, die zwischen den Ländern Lateinamerikas, der Karibik und der EU in Rio de Janeiro 1999 initiiert worden ist, anzuknüpfen. Seitdem ging mensch dem Bedürfnis nach, eine “bi-regional strategische Assoziation“ aufzubauen. Dies bedeutet unter anderem, “eine internationale Wirtschaftskooperation anzuregen, um die vollständige und gegenseitig vorteilhafte Liberalisierung des Handels voranzutreiben, als eine Art den Wohlstand zu vergrößern (...)“ (Deklaration von Rio, 1999).

Dieser dritter Gipfel beruhte auf zwei großen Zielen:

  1. “Stärkung der Multilateralität“: die gemeinsamen Aktionen der verschiedenen Länder bezüglich des Friedens, der internationalen Sicherheit, des Aufbaus der internationalen Finanzwelt, der Auslandsschulden und der Entwicklungskooperation zu unterstützen
  2. “sozialer Zusammenhalt“: alles in Bezugnahme auf die Armut, der sozialen Entwicklungspolitik, der demokratischen Regierbarkeit, der Beschäftigungsförderung, der Verteilung der Staatseinnahmen und der Migra-tionsströme

Die Ziele und Strategien dieses Raumes der bi-regionalen Beziehungen sind in dem eingebettet, was den Namen “ökonomische Globalisierung“ bekommen hat. Besagte Globalisierung impliziert, dass ein großes Netz des gewerblichen Austausches angeregt wird, ein großer Markt. Dafür ist es notwendig, Änderungen in den Gesetzten der Länder, die Hindernisse für die uneingeschränkte Zirkulation des finanziellen Kapitals (Geld), des produktiven (Rohstoffe und Arbeitskraft) und des gewerblichen Kapitals (Güter wie Nahrungsmittel, Kleidung, Haushaltsgeräte und Dienstleistungen) darstellen, anzustoßen.

Diese Art der globalen Organisation existiert in der Praxis seit Jahrzehnten. 1949 (nach dem Zweiten Weltkrieg und während eines Höhepunktes des Kalten Krieges) definierte der Präsident der USA, Truman, bei seiner Amtsübernahme als Mission der “freien Welt“ (das heißt der kapitalistischen) die Bekämpfung der Armut und eine Entwicklungshilfe für die unterentwickelten Nationen. Die sogenannte kapitalistische “Ära der Entwicklung“ war geboren, die Unterscheidung in “entwickelte“ und “unterentwickelte“ Länder entstand und dies bedeutete außerdem den Export des Modells, welches wir heute als “Neoliberalismus“ kennen, in alle Länder.

Die Entwicklung im neoliberalen Modell

In den 40er Jahren war mensch der Ansicht, dass durch diese Art der Globalisierung, die von Handel und Technologie regiert wird, das Ende der sozialen Ungleichheit und der Armut erreichen werden könnte. Deswegen wurde von “Ländern, die sich auf dem Weg der Entwicklung befinden“ gesprochen, dabei annehmend, dass diese eines Tages die Situation der “Ersten Welt“ erreichen würden. Aber die Realität ist, dass laut dem Bericht der Weltbank von 1990 über die globale Entwicklung die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

Aktueller zeigt die Konferenz der UN über Handel und Entwicklung (UNCTAD) in ihrem neuen Bericht über die “Weniger entwickelten Länder“ von 2002, dass die extreme Armut sich in diesen Ländern in den letzten dreißig Jahren verdoppelt hat und nun 307 Millionen Menschen betrifft. Sie prognostisiert, dass die Anzahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar in den “Weniger entwickelten Länder“ täglich leben, bis 2015 die 420 Millionen übersteigen wird, falls die aktuellen ökonomischen Tendenzen weiter vorherrschen.

Währendessen besteht das primäre Ziel der neoliberalen Projekte darin, die zwei Haupthindernisse, die immer noch existieren, zu beseitigen, damit ein einziger Weltmarkt geschaffen wird: die Zollbarrieren, welche die Staaten für die Einfuhr ausländischer Produkte erheben, und die Subventionen, mit denen sie ihre Unternehmen und Inlandsprodukte schützen. In diesem Rahmen ist die internationale Kooperation zwischen den Staaten ein weiteres Instrument der “Hilfe“, damit die Länder die Entwicklung westlichen Stils erhalten.

Kritik am neoliberalen Entwicklungsmodell in Guadalajara

Mensch stellt das neoliberale Entwicklungsmodell jedes Mal mehr in Frage, da es eine Transformation der Lebensformen (nicht nur in ihren ökonomischen, sondern auch in ihren politischen, sozialen und kulturellen Dimensionen) in Richtung konkurrenzorientierter Produktion und Vermarktung bedeutet. Die Kritiken und Alternativvorschläge gegenüber diesem Wirtschaftsmodells, in dem die Verteilung des Kapitals und der Macht in den Händen einiger weniger bleibt, sind jedoch sehr unterschiedlich.

Angesichts des “offiziellen“ Gipfels von Guadalajara wurden “Sozialforen“ organisiert, in denen sich NGOs und eine Vielfalt von sozialen Organisationen versammelten, um die Politik der EU in Lateinamerika zu hinterfragen und Alternativen zu entwickeln.

In dem Sozialkonvent “Enlazando Alternativas“ waren gegenüber der neoliberalen Entwicklung verschiedene kritische Haltungen präsent: Auf der einen Seite waren die Organisationen anwesend, welche die zwischen den lateinamerikanischen und europäischen Regierungen verabschiedeten Freihandelsabkommen in Frage stellen. Sie befürworten eine die Menschenrechte respektierende Entwicklung und schlagen vor, die Instrumente zu benutzen, welche eben diese Handelsabkommen festlegen.

Diese sind im Falle der Handelsvereinbarung zwischen der EU und Mexiko die sogenannte “demokratische Klausel“ und die “soziale Beobachtung“, also Instrumente der Zivilgesellschaft, um die Verletzung der Menschenrechte aufgrund dieser Politik zu kontrollieren.

Auf der anderen Seite beteiligten sich soziale Bewegungen und Organisationen, welche die Politik der EU als Teil eines neuen ökonomischen und kulturellen Kolonialismus erachten, der den Diskurs über Demokratie und Menschenrechte wie das “Trojanische Pferd“ benutzt, um sich zu legitimieren und sich aufzudrängen. Gemäß ihnen müssen die Kulturen direkt sagen, was ihr Lebensprojekt ist, und andere Formen suchen, den Kampf gegen die Armut und den Umweltschutz, ausgehend von den eigenen Erfahrungen der Länder, zu kombinieren.

Die gemeinsam durch die lateinamerikanische und europäische Zivilgesellschaft in Guadalajara vorgetragene tiefgreifende Kritik lehnt die neoliberale Politik ab, die in beiden Kontinenten immer mehr Ungleichheit entstehen lässt, wie nämlich die Privatisierung des Gesundheitssektors, der Erziehung und der Kultur. Auch wenn die EU es sagt, sie repräsentiert keine Alternative zur Politik der USA in Lateinamerika, vielmehr im Gegenteil: “(...) sie benutzt die Politik der Kooperation als Instrument für die Penetration ihrer Konzerne und die Kooperationsvereinbarungen im Bereich der Sicherheit tragen zur Militarisierung des Kontinents bei.“

Gegenüber besagter Strategie forderten die Teilnehmer des alternativen Forums:

  • die Vorrangstellung der zivilen, politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Rechte gegenüber der Handelsliberalisierung
  • die Förderung eines solidarischen Kooperationsmodells
  • die Verpflichtung der entwickelten Länder, zumindest 0,7 % ihres Bruttoinlandsproduktes der Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen und neue Formen der Umverteilung der Staatseinnahmen auf nationaler und internationaler Ebene zu suchen, die sich effektiv der Armutsbekämpfung, der nachhaltigen Entwicklungshilfe und sozialer Gerechtigkeit widmen, wie z.B. soziale Ausgleichfonds oder Steuern auf den Transfer von Spekulationskapital
  • Neuverhandlungen über die öffentlichen Auslandsschulden
  • jede Aktion der wirtschaftlichen Entwicklungskooperation der EU kann nur auf Basis der obligatorischen Befragung und der vollen Partizipation der betroffenen Bevölkerung entschieden werden, wie es die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorschreibt

Die Alternativen sind so unterschiedlich, dass sie von dem Vertrauen darauf, dass der Staat immer noch ein Akteur sein kann, der die negativen Auswirkungen der neoliberalen Politik einschränken kann, bis zu den “Systemgegnern“ reichen, die versuchen, neue Vorschläge zu erarbeiten, ohne dabei den Staat anzuerkennen.

Widerstände und Suche nach Alternativen

Die indigenen Bevölkerungsgruppen repräsentierten eine der Hauptbewegungen (nicht die einzige) gegen die Politik der Entwicklungsplanung; ihr Überleben außerhalb der Handelswelt ist ein Form, die Möglichkeit der Vielfalt von Realitäten und der kosmopolitischen Sichtweisen, welche die Erde bewohnen, aufzuzeigen.

“ Eine Welt, in der viele Welten Platz haben“ stellte die Forderung der chiapanekischen Zapatisten nach einer Neudefinition des Staates/der Nation als einen Ort, in dem die unterschiedlichen Kulturen Patz haben, dar. Später verwandelte sie sich in eines der wichtigsten Mottos des globalisierungskritischen Kampfes gegen die kulturelle Uniformität, in die anscheinend der aktuelle globale Kapitalismus führt.

Die zapatistischen “Caracoles“ und ihr Projekt der Autonomie haben die neoliberalen Unternehmungen aufgrund der territorialen Kontrolle und des Wiederaufbaus eines gemeinschaftlichen Lebens durch kollektives Arbeiten und die Bildung autonomer Regierungen in Schach gehalten. Auf Ebene der internationalen Kooperation haben sie Veränderungen bewirkt, indem sie nun selbst sagen, welcher Art der Hilfe, wann, wie und wofür. Es wurden Solidaritätsnetzwerke von der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft bis zu den autonomen zapatistischen Regierungen aufgebaut, die eine Wende in der Beziehung der Über- und Unterlegenheit (der, der spendet, ist der, der sagt wofür und wie), welche viele Projekte der internationalen Kooperation implizit mit sich bringen, darstellen. Dieser neue Gesichtspunkt und die Auferlegung von Bedingungen durch die Zapatisten, um Projekte in ihren Gebieten durchzuführen, haben nicht aufgehört Unbehagen und Unbequemlichkeit bei denjenigen zu erzeugen, die von weit her und mit einer eigenen Form des Arbeitens kommen. Diese Art der Kooperation ist untypisch für die “globalen“ ökonomischen Interessen und entspricht den Bedürfnissen, welche die “Autonomen“ selbst für sich bestimmen.

Dieses Projekt des Widerstandes existiert neben anderen und darüber hinaus nicht auf eine leichte Art und Weise neben den Regierungsprojekten:

“Wir jede 70 Pesos in unserer Kooperative beigetragen. Wir schätzen unser Unternehmen. Wenn die Regierung Dir ein Projekt gibt, fragt sie Dich weder was Du möchtest noch was du brauchst. Sie geben es Dir, damit Du das Projekt machst, für das sie sich entscheiden. Du wirst es nicht schätzen. Aber so gewöhnen sie uns daran und so gehen unsere eigenen Projekte genau wie die der EZLN unter.“
(Juanita, Xomé Ixuk-Organisación Independiente de Mujeres de Las Margaritas)

Aber jenseits von Chiapas existieren in der ganzen Welt Erfahrungen und Projekte, die nach der Transformation der Formen des Zusammenlebens streben und die sich als Trägerinnen einer anderen kosmopolitischen Sichtweise als die des Westens verstehen.

Alternative Lebensprojekte

Im Dezember 2003 wurde in Mexiko Stadt die Konferenz “América Profunda“ veranstaltet, bei der sich Repräsentanten der gesamtamerikanischen Bewegungen “Indigene Selbstbehauptung“ und Gäste aus Neuseeland sowie Indien versammelten, um sich über ihre Identität, ihrem Kampf und ihre Hoffnungen zu unterhalten.

Der Vorschlag wurde im Zentrum der Begegnungen und interkulturellen Dialoge (CEDI) von Oaxaca verabschiedet, einer der Initiativen von Gustavo Esteva, um mittels der sogenannten “kulturellen Regeneration“ neue Lebensformen zu erschließen und um die eigene Kultur wieder zu entdecken. Anknüpfend an kulturelle Wurzeln fördert so der Vorschlag der geologischen Universität von Oaxaca die Konstruktion von neuen Gemeinderäumen, um eigene philosophische Denkweisen, die Unabhängigkeit bezüglich der Ernährung (vom Anbau bis zur Zubereitung), der Wohnform, der Heilkunst, des Lernens, des Sehens von Zeit und Raum, die gemeinschaftliche Organisation, zusammenfassend also eine Art des eigenen auf Gemeinschaftlichkeit basierenden Lebens, wiederzuentdecken.

Von den Akteuren der neoliberalen Ökonomie werden die Bevölkerungsgruppen als die schlimmsten Zerstörer der Wälder angeklagt, ohne dabei zu erkennen, dass die Fabriken oder die Konstruktion von Staudämmen, die durch neoliberale Projekte angestoßen werden, die Faktoren sind, welche die größten Umweltveränderungen hervorgerufen haben.

“Verändern im Einklang mit der Natur ist etwas, das dem neoliberalen Modell widerspricht (...), da es die gesamte Zukunft der Menschheit negiert. Die Alternativen gegenüber diesem Modell, das nicht funktioniert, werden im Weltsozialforum, in der Landlosenbewegung (MST), in der ökologischen Theologie, der kulturellen Regeneration, und der Verherrlichung der Natur gezeigt.“
(Jorge Santiago, Desarollo Económico y Social de los Mexicanos Indígenas, DESMI)

Von den Alternativen ausgehend unterzeichnete mensch im vergangenen Mai in Brasil das “Manifest gegen die grüne Wüste und zugunsten des Lebens“, in dem mehr als 100 brasilianische Gruppierungen die sozio-ökologische Katastrophe anklagten, die in den letzten 35 Jahren durch die Ökosysteme und Dörfer zerstörenden Monokulturen von Eukalyptus und Kiefern, welche die Eisen- und Zelluloseindustrie versorgen, verursacht worden ist. Sie bestätigen, dass im Gegenteil dazu “die indigenen Bevölkerungsgruppen gezeigt haben, dass sie fähig sind, die Wälder erhalten zu können, da sie es seit Tausenden von Jahren machen“.

In Hispanoamerika ist die Bewegung Chipko sehr bekannt, in der sich die Frauen der Bäume annahmen, als eine Form ihre Wälder gegen die Zerstörung zu schützen.

Die Delegation der in Guadalajara anwesenden sozialen Organisationen aus Chiapas realisierte eine spezielle Kundgebung, auf der sie den Aufschub des im lakandonischen Urwald integrierten und andauernden sozialen Entwicklungsprojekts, das durch die EU mittels einem mit der Regierung des Bundesstaates Chiapas unterschriebenem Abkommen finanziert worden ist, einforderten. Die Ablehnung argumentiert dahingehend, dass besagtes Projekt nicht die Anforderung einer vorherigen Konsultierung der betroffenen Bevölkerung erfüllt hat, wie es in der Konvention 169 der ILO festgelegt worden ist.

Die Region, über das sich das Projekt erstrecken wird, befindet sich innerhalb des chiapanekischen Konfliktgebietes, sichtbar seit 1994. Der italienische Forscher Luca Martinelli, Mitglied der Organisation Manitese, hat eine Analyse von besagtem Projekt erstellt. Er erinnert sich, das verschiedene soziale und zivile Organisationen auf die Gefahren des Abkommens aufmerksam gemacht und von der Regierung Transparenz in dem Prozess eingefordert haben, da besagter Plan “seine Bevölkerung und seine Gemeinden abhängig macht, betrügt und an die Abhängigkeit des Handels mit Umweltdienstleistungen, wie den Ausverkauf der Wälder, des Wassers, des Abbaus von Kohlenstoff und des wissenschaftlichen Ökotourismus, festbindet.“

Er weist darauf hin, dass laut dem Plan eines der Ziele ist, “die Armut im Sinne einer territorial beteiligten und nachhaltigen Entwicklung zu reduzieren, was direkt der Regierung des Staates zu Gute kommt, indem Kapazitäten für eine Reform und einer effektiveren Anwendung der sozialen Entwicklungspolitik geschaffen werden.“ Der Analytiker kritisiert “den Aufstandsbekämpfungscharakter der Programme in den Gebieten, in denen es sozialen und bäuerlichen Widerstand gibt und die von Interesse für die Weltbank, transnationaler Konzerne und sozialer Programme, welche die indigenen Bevölkerungsgruppen teilen und Konflikte zwischen ihnen fördern, sind.“

Andererseits fragt er, ob die Messung der Armutsreduzierung mensch anhand der Familien, die nicht mehr mit einem Hungerlohn leben müssen, realisieren wird und ob nicht anhand des Eigenkonsums und der Subsistenzwirtschaft.

Die Subsistenzwirtschaft ist nicht nur eine Form des Überlebens, sondern eine Form des alternativen Lebens, das die Abhängigkeit nach außen, um sich ernähren zu können, verhindert. In diesem Sinne bezog Vía Campesina (das größte weltweite Netz der Organisationen von Bauern und Familien von Landwirten) Stellung gegen den Bericht der UN Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) von 2004 mit dem Titel “Biotechnologie: Den Bedürfnissen der Armen entsprechend?“. Die FAO behauptet, dass die Biotechnologie die Lösung für den Hunger in der Welt und das ansteigende Bevölkerungswachstum sei, wobei sie das einzige Problem darin erkennt, dass die genmanipulierten Güter nicht die Armen erreichen.

Vía Campesina kritisiert, dass der Hunger nichts mit der Technologie zu tun hat, sondern mit der sozialen Ungerechtigkeit sowie dem Fehlen des Zugriffs und der Kontrolle der in den Händen der transnationalen Konzerne liegenden Verteilung, “welche unseren Anbau manipulieren wollen, um die gesamte Ernährungskette auf globaler Ebene kontrollieren zu können und uns dazu zwingen, die Produktion von Lebensmitteln einzustellen – auch wenn nur lokal – und dass auf der ganzen Welt ihre Produkte konsumiert werden müssen.“

Der entwicklungspolitische Diskurs verunstaltet den Sinn des Wortes “wohlhabend“. Ursprünglich stammt es aus dem lateinischen “pro spere“, was soviel bedeutet wie “im Einverständnis mit der Hoffnung“. Der Wohlstand der Bevölkerung hängt deshalb von der Hoffnung jedes einzelnen ab, und nicht davon, dass sie konsumieren oder produzieren können, um in den Diagrammen bezüglich des “Niveaus der Armut“ zu erscheinen.

Wir alle müssten anfangen neu darüber nachzudenken: Entwicklung, wofür und für wen?, Was ist Armut?, Worin besteht Hilfe?, Wer wird kontrollieren und definieren?, Was machen wir heute, um das Morgen zu ändern, über das andere schon für uns entschieden haben?

Das Wahrscheinlichste wird es sein, eine Mannigfaltigkeit von Formen der Lebenshoffnung träumend zu entdecken und die wahre Armut in der Uniformität zu erkennen.

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LITERATURHINWEIS

  • Sachs, Wolfgang (coord.), Diccionario del desarrollo, México, Ed. Galileo y la Universidad Autónoma de Sinaloa, 2001
  • América Profunda. Un ejercicio de reflexión en la acción, México, Proyecto (2003)
  • Arriola,J., y Aguilar, J.V., Globalización de la Economía, El Salvador, Equipo Maíz, 2001.
  • Ribeiro, S., “La FAO declara la guerra a los campesinos” en www.argenpress.info (17/06/2004)
  • WRZ, “Rotunda manifestación en Brasil contra el Desierto Verde y a Favor de la Vida”, en Ambiente y Sociedad, AÑO 5, Nº 163 (16 de junio de 2004) en www.ecoportal.net

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:: Aktivitäten von SIPAZ

April bis Juni 2004

BEGLEITUNG

Während der letzten Monate gab die Puppentheatergruppe “Diversidad“ Vorstellungen über die Bedeutung der Diversität und die Versöhnung in den “municipios“ (Bezirken) von Tila (Zona Norte) und von Las Margaritas (Zona Fronteriza) sowie in verschiedenen Vierteln der Stadt San Cristóbal de las Casas (Zona Altos).

Im April, nach den Vorfällen von Gewalt in Zinacantán (Zona Altos), beteiligten wir uns an einer Menschenrechtsbeobachtungskarawane. Wir begleiteten auch die Rückkehr der aufgrund dieser Vorfälle vertriebenen Familien in ihre Herkunftsgemeinden. Wir beteiligten uns an verschiedenen Evaluierungstreffen bezüglich der aktuellen Situation, die aus unterschiedlichen Richtungen zusammengerufen worden waren. Um eben über dieses Thema und über die Situation in der Zona Norte zu sprechen, trafen wir uns mit Juan Esponda der bundesstaatlichen Kommission für die Versöhnung der gespaltenen Gemeinden.

Im Mai und Juni realisierten wir verschiedene Treffen mit Akteuren der Zona Fronteriza, um die Umstände der Region kennen zu lernen.

Im Juni verbrachten wir eine Woche damit, Interviews mit unterschiedlichen Akteuren in Montes Azules und im lakandonischen Urwald durchzuführen.

KONTAKTE UND INFORMATION

Wir empfingen Besuche, Delegationen, Studierende und JournalistInnen, vorrangig aus den USA, Kanada und Spanien, um sie mit den Umständen in Chiapas und der Arbeit von SIPAZ vertraut zu machen.

Wir trafen uns mit verschiedenen Akteuren sowohl auf Ebene der Gemeinden als auch der sozialen Bewegungen, NGOs und staatlichen Behörden in Chiapas, Oaxaca und Mexiko Stadt.

Wir realisierten zwei urgent actions: die erste zu den Vorfällen von Gewalt in Zinacantán und die andere zu der Ermordung von Noel Pavel, Student der UNAM (autonome Nationaluniversität von Mexiko) und mit zapatistischen Gemeinden in Chiapas in Verbindung stehender Aktivist.

Wir nahmen an den Versammlungen in Folge des dritten chiapanekischen Treffens gegen Neoliberalismus teil, welches Ende März in Huitiupán stattgefunden hatte.

FRIEDENSERZIEHUNG

Wir nahmen weiterhin an dem Netz für Frieden teil, einem Aktions- und Reflexionsraum, welcher versucht Friedensprozesse auf Organisationen- und Gemeindeebene in Chiapas zu unterstützen. Am 5. Mai veranstaltete mensch eine Werkstatt/offenes Treffen im Rahmen einer strategischen Neukonzipierung angesichts der aktuellen Situation für Organisationen, die nicht dem Netz für Frieden angehöhren. Es wurden auch Broschüren auf Spanisch und Englisch sowie Poster erstellt und verbreitet, welche die Schlüsseletappen und die bedeutendsten Lehren des zehnjährigen Konfliktes in Chiapas systematisieren.

Wir führen weiterhin Workshops zur Kultur des Friedens und Menschenrechten mit den Jugendlichen des Zentrums für Gemeindeentwicklung CEDECO in San Cristóbal de las Casas durch.

Ein Mitglied des Teams nimmt an einer Fortbildung zur “positiven Transformation von Konflikten“ (vier Einheiten à zwei Tage bis zum Ende des Jahres), angeboten durch die Kommission zur Unterstützung der gemeinschaftlichen Einheit und Versöhnung (CORECO) und der Universität Tierra-Chiapas, teil.

Im Juni besuchten wir einen Workshop zum Thema “Verhandlungen“, welcher in Mexiko Stadt angeboten und von Personen aus Cambridge, dem technologischen Instituts Massachussets, USA, durchgeführt worden ist.
Ebenfalls im Juni tauschten wir uns über die Erfahrung von SIPAZ, basierend auf den Workshops der “Konflikttransformation“, die seit 1998 im Rahmen von NGOs durchgeführt worden sind, aus, um zu versuchen, methodische und strategische Erfahrungen in diesem Umfeld weiter zu verwerten.

INTERRELIGIÖSER DIALOG

Im Rahmen des Projektes “Pasantías – Austausch zwischen und Ausbildung von religiösen Führern von Chenalhó und den Friedenskommissionen Nicaraguas“ wurde ein Nachfolgetreffen zum Workshopzyklus über Verhandlung und Versöhnung veranstaltet. Es wurde entschieden, einen Brief zu schreiben, um andere religiöse Akteure des Bezirkes Chenalhó dazu einzuladen, sich an dem Prozess zu beteiligen. Besagter Brief wurde im Mai in der Region und in San Cristóbal de las Casas verbreitet. Wir hielten auch Versammlungen ab und machten Interviews mit religiösen Akteuren von Chenalhó und San Cristóbal de las Casas, die Teil dieses Prozesses sind.

NATIONALE UND INTERNATIONALE ARBEIT

Am 29. und 30. April beteiligten wir uns an der Ermöglichung eines Workshops zur Reflexion über das “Konzept und Strategien des Friedens“, der im Bundesstaat Oaxaca stattfand.

Wir nahmen am zweiten Workshop zur aktiven Gewaltfreiheit, organisiert von Greenpeace, Amnesty International, Serpaj und dem Kollektiv “Pensar en voz alta“ in Cuernavaca Anfang Mai, teil.

Ein Mitglied des Teams nahm an Treffen in Wien zum “Friedensprozess in Chiapas und internationale Kooperation“ mit Repräsentanten der Organisationen aus Österreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, die in oder zu Chiapas arbeiten, teil.

Im Mai waren wir als BeobachterInnen, eine Delegation aus Chiapas begleitend, beim Sozialforum “Enlazando alternativas“ präsent, welches parallel zum dritten Gipfeltreffen der EU mit den Staaten Lateinamerikas und der Karibik in Guadalajara (Bundesstaat Jalisco) organisiert wurde.

Im Juni nahmen wir an einer Versammlung des Kerns Netzwerkes der Friedenkonstrukteure Mexikos in Mexiko Stadt teil.

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