:: ANALYSE
CHIAPAS: Zeit um Bilanz zu ziehen und neue
Herausforderungen
Zehn Jahre nach dem bewaffnetem Aufstand
Zehn Jahren nach dem bewaffneten Aufstand
der Zapatisten am 1. Januar 1994 in Chiapas, ist ein geeigneter
Moment, um erstmals Bilanz zu ziehen. In Mexiko, unabhängig
von politischer Einstellung oder Parteizugehörigkeit,
stellt das Jahr 1994 einen Umbruch dar.
Die Zeitschrift “Proceso“ hat
im Januar eine Sonderausgabe herausgegeben: “1994-2004:
Die große
Illusion… Die große Frustration“. In dieser
Ausgabe untersucht der Soziologe Bernard Duterme einen Großteil
der publizierten Texte über die Zapatisten: “Weder überschwänglich
noch definitiv, das Bild hat viele Nuancen. Einerseits (…)
die Katalysatoren der Demokrati-sierung des Chiapas und Mexikos,
die Gestalter des Re-gierungssturzes der Partei, die seit
den Zwanziger Jahren ein Machtmonopol besaß (PRI – Partei
der Institutionalisierten Revolution), die Motoren der Gründung
einer nationalen - wenn nicht sogar lateinamerikanischen-
indigenen Bewegung, affirmativ, stark und demo-kratisch,
Pioniere einer neuen internationa-len, vielgestaltigen Gruppierung
von, heutzutage so genannten, ‚altermundialistas’.
(…) Auf der anderen Seite (…) die Resultate eines
Jahrzehnts mehr oder weniger offener Konflikte und der Verhandlungen
zwischen den Aufständischen und der Regierung, die nur
die Ver-leumder der EZLN zufrieden stellen. Trotz ihrer gesellschaftlichen
Verankerung im Chiapas, ob nun unterminiert oder zerrüttet,
er-scheint diese doch zumindest bedroht. Ihr Eintritt in
die mexikanische Politik, für gewöhnlich hinausgezögert,
wurde schließlich verhindert. Bezüglich ihrer
großartigen Aussa-gen im Einklang zu sein mit den ‚altermundialistas’,
gestern noch am-bivalent, heute schwindend, haben sie ihr
Versprechen nicht erfüllt“.
Der
emeritierte Bischof von San Cristóbal de las Casas,
Samuel Ruiz García, bemerkt, als er seinen Hirtenbrief “Una
nueva hora de gracia” präsentierte: “Auch
wenn der Konflikt in seiner Angele-genheit nicht gelöst
werden konnte, sind die Anstrengungen Frieden mit Gerechtigkeit
und Würde zu schaffen - bei denen die Akteure abwechslungsreich
und vielseitig gewesen sind - ein ge-meinschaftliches Erbe
der Nation und haben Forschritte, Errungenschaften und ein
neues Be-wusstsein mit sich gebracht. Nicht dass dies der
einzige Auslöser gewesen wäre, aber der Aufstand
der EZLN und dessen vorangegangene politische Entwicklung
hat das Be-wusstsein und die Organisation der indigenen Völker
Mexikos begünstigt. Er ermöglichte das Aufkommen
eines neuen Bewusstseins im Lande bezüglich der Rechte
und der Bedeutung der Indigenas, regte die Entfaltung und
die Beteiligung der zivilen Gesellschaft an, stellte eine
Herausforderung für die politische Gesellschaft dar,
nach neuen Wegen zu suchen; hatte Auswirkungen auf die, wenn
auch wenigen, Staatsreformen; machte die Notwendigkeit der
Umgestaltung von sozialen und wirtschaftlichen Institutionen
und Beziehungen deutlich; zeigte die gravierenden Defizite
des politischen mexikanischen Systems auf sowie den langen
Weg, der noch zurückgelegt werden muss, um eine würdige
Demokratie zu schaffen; ver-langte eine verantwortliche Antwort
(die noch immer aussteht) bezüglich der Ursachen des
Konfliktes seitens der Staatsmacht; stellte die traditionellen
Möglichkeiten der Kirche auf der Suche nach Gerechtigkeit
in Frage; hat dem Thema indigener Völker der Welt internatio-nale
Aufmerksamkeit verschafft sowie der Kritik am neoliberalen
System und seinen Konse-quenzen“.
Eine neue Herausforderung
für die Zapatisten: Die Juntas der Guten Regierung (JBG)
Miguel Alvarez von
Serapaz (Servicio y Asesoría para la Paz – Dienst
und Beratung für den Frieden) betont: “Nach der
indigenen Gegenreform wurde nicht ein Kapitel, sondern ein
Buch zu dieser Entwicklung abgeschlossen. Die Aufstellung
der JBG zeigt, dass die Strategie der Zapatisten schon Teil
eines zweiten Bandes ist.“ Seit mehr als sechs Monaten
haben Unter-stützungsba-sen des EZLN ihre Energie in
die Stärkung der 35 existierenden autonomen Ge-meinden
mit Hilfe der Juntas der Guten Regierung gesteckt, ein neues
Merkmal der Region (s. SIPAZ-Be-richt
Vol. 8 Nr.3).
Die Administration der JBG muss sich vielfältigen Herausforderungen
stellen. Eine hat mit der Vielfältigkeit der Gebiete
zu tun, die sie vorhaben abzudecken. In vielen dieser Regionen
lehnt sich ein Teil der Bevölkerung (je nach Gebiet
stellen sie die Mehr- oder die Minderheit dar) gegen das
Vorhaben der zapatistischen Autonomie auf. Beispielsweise
kam es im Dezem-ber in Altamirano zu starken Spannungen,
als verschiedene gesellschaftliche Verbände sich darauf
einigten, sich gegen die JBG in diesem Gebiet zu mobilisieren.
Bis jetzt konnte der Konflikt dank staatlichen Eingreifens
geschlichtet werden.
Einen weiteren Grund für Spannungen stellt die öffentliche
Versorgung dar (Wasser, Strom und bestimmte Bauvorhaben).
Die Zapatisten, die sich den staatlichen Behörden widersetzen,
lösen Zwietracht zwischen sich und dem Rest der Bevölkerung
aus, der dafür bezahlt. Zwei Situationen sorgten in
den vergangenen Monaten für besonders starke Spannungen
in Zinacantán (militante Anhänger der PRD -Partei
der Demokratischen Revolution- kappten die Wasserversorgung
der zapatistischen zivilen Unterstützungsbasen) und
in San Juan Cancúc (Mitglieder der PRI drohten indigenen
Sympathisanten der EZLN damit, wenn sie sich weigerten in
Bezug auf die Versorgung zu kooperieren, sie zu vertreiben).
Einige sind der Ansicht, dass diese Aus-einandersetzung einer
der Schlüssel für eine neue Strategie gegen die
Aufständischen ist.
Autonome Gebiete
in der nationalen Geografie
Nach der Verabschiedung
der Verfassungsreform über das Thema der Indigenen im
Jahre 2001 entschieden sich sowohl EZLN als auch der Congreso
Nacional Indígena (Nationaler indegener Kongrss, dieser
vereint die Mehrheit der indigenen Volksstämme Mexikos)
dafür, zur Errichtung einer Autonomie den bereits eingeschlagenen
Weg zu gehen.
Vor nicht langer Zeit kam es in Morelos
zu einem unerfreulichen Beispiel, was die Zukunft der Autonomie
betrifft, als sich
im Januar die Bürger von Tlanepantla zu einer autonomen
Gemeinde erklärten. Am 14. Januar entsandte die staatliche
Regierung Polizeikräfte in die Gemeinde um dem verfassungsrechtlichen
Bürgermeister zu ermöglichen, sein Amt wieder anzutreten.
Der autonome Gemeinderat wurde geräumt und es kam zu
einem Zusammenstoß, bei dem eine Person starb und Hunderte
vertrieben wurden, die bis März zurückkehrten.
Der Gouverneur von Morelos rechtfertigte das Eingreifen damit,
dass man dort auf “eine Art Aus-bildungslager für
Guerilla“ gestoßen sei und “man habe Anhaltspunkte
dafür, dass die oppo-sitionelle Gruppe stark bewaffnet
gewesen“ sei.
Der Regierungssekretär Santiago Creel bekräftigte
bezüglich dieser Angelegenheit, dass es wichtig sei
die Zuständigkeiten “klar und präzise“ zu
umreißen, aber auch, dass “man nicht zulassen
werde, dass irgendjemand aus freien Stücken neue Regierungsformen
errichtet, auf-grund irgendeiner Gruppe, die nicht einverstanden
ist mit der verfassungsgegebenen Autori-tät“. Die Asociación Jaliciense de Apoyo a Grupos Indígenas
(Die Vereinigung Jaliscos zur Unterstützung indigener
Gruppen) warnt, dass diese Aussagen “nach Drohungen
klingen und solche Experimente wie die der Juntas der Guten
Regierung von den Zapatisten in Gefahr bringen“.
Der Repräsentant der Menschenrechtskommission der Vereinten
Nationen in Mexiko, Anders Kompass, mahnte in Bezug auf den
Fall, wenn sich die Probleme nach den Wahlen nicht auf friedlichem
Wege lösen ließen, “man die große
Gefahr läuft, dass sie sich in Gewalt äußern“, was auch im Bericht der UNO über die Situation der Menschenrechte
in Mexiko auftaucht.
Die Rechte der Indigenas
in Mexiko: Fortwährende Versäumnisse
Der Bericht der
UNO wurde offiziell am 8. Dezember des vergangenen Jahres
vorgestellt. Der mexikanische Präsident Fox nahm die
32 Empfehlungen an, die sich daraus ableiten, und gab zu,
dass noch viel getan werden müsse, damit die Rechte
des Einzelnen im ganzen Lande Rechtsgültigkeit haben
und in die Realität umgesetzt werden. Was die Rechte
der Indigena angeht, unterstreicht der Bericht: “Auch
wenn es einige Fortschritte in diesem Bereich gege-ben hat,
so gibt es noch immer ernste Versäumnisse, die von Seiten
der Politik nicht ausrei-chend berücksichtigt werden.
(…) Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erfolgen die Menschen-rechtsverletzungen
an der indigenen Bevölkerung im Allgemeinen innerhalb
eines Rahmens von hoher Brisanz, besonders auf dem Land,
was im Wesentlichen mit der Frage der Land-wirtschaft zusammenhängt
und den politischen, lokalen und regionalen Machtkämpfen
zu tun hat. Zum wiederholten Male erfährt man über
das Vorhandensein von Konflikten innerhalb indigener Kommunen,
die Schauplätze von Gewalt und Interventionen durch
die öffentliche Staatsgewalt sind, welche regelmäßig
die Verletzung von Menschenrechten darstellen. Den Informationen
zufolge bleiben viele dieser Verletzungen ungestraft und
provozieren die Ver-schärfung der Konflikte und der
Ausschreitungen“.

Ausschnitte aus dem Bericht über
die Rechte der Indigenas
DER KONFLIKT
IM CHIAPAS
Als Folge des Aufstands der EZLN im Jahre 1994 wurden
in einer Vielzahl von Gemeinden die Menschenrechte
der Indigenen verletzt, sowohl kollektiv als auch
individuell. Die Nicht-Erfüllung der Forderungen der Indigenen
sind auch Grund für Konflikte zwischen verschiede-nen
sozialen und politischen Organisationen in der Region,
die Situationen von extremer Ge-waltanwendung und schwerer
Menschenrechtsverletzungen hervorgebracht haben, wobei
be-stimmte staatliche Organe nicht unbeteiligt gewesen
sind.
VERTREIBUNGEN
Als Folge der Verhandlungen zwischen den bundesstaatlichen
Behörden und der Comisión de Desplazados
(Verband der Vertriebenen) begann deren Rückkehr
in die Heimatdörfer. Diese Bemühungen kamen
sehr spät und sind, bis zum heutigen Zeitpunkt,
ungenügend. Die Unsicherheit und die Angst der
Vertriebenen halten an und Mitte des Jahres 2003
besteht das Problem noch immer.
MILITARISIERUNG UND PARAMILITÄRS
Die Zustände von Gewalt, in denen die indigenen
Gemeinden leben, sind teilweise zurückzu-führen
auf das Vorgehen paramilitärischer Gruppen während
der 90er Jahre, die in Verbin-dung standen zu staatlichen
oder lokalen Strukturen und gewalttätig in politische
und soziale Konflikte der Region eingriffen, mit dem
Ergebnis getöteter, verletzter, verschwundener
und vertriebener Menschen. Auch wenn unter der aktuellen
Regierung das Auftreten solcher Gruppen nachgelassen
hat, gibt es Kritik, dass sie weder zerschlagen noch
entwaffnet wurden.
DAS INDIGENE-GESETZ
Die resultierende Verfassungsreform hat zwar einige
Aspekte des so genannten Cocopa-Ge-setzes übernommen,
aber man strich bezeichnenderweise einige andere,
die von fundamenta-ler Bedeutung für die indigenen
Völker sind. Die Konsequenz daraus war, dass
die organi-sierte Indigenabewegung des Landes sie
ablehnte und die Bundesstaaten mit der höchsten
indigenen Bevölkerungsdichte diese nicht ratifizierten.
(…) Die indigenen Volksgruppen fühlten
sich betrogen und ausgeschlossen.
(Der
gesamte Bericht ist zu finden unter) |
Fortdauernde
Militarisierung
Trotz der Proteste,
das Militär solle sich aus den indigenen Kommunen zurückziehen,
so wie in Emiliano Zapata (Nördliche Zone) im Januar,
ist die Militärpräsenz im Chiapas, nach dem Bundesstaat
Mexiko, wo die nationale Oberbefehlsgewalt des Heeres ihren
Sitz hat, die höchste im ganzen Land. Einige Folgen
der Militarisierung sind zunehmend sichtbar und be-denklich:
Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Prostitution und vor
allem der Zusammenbruch des sozialen Gefüges.
Das Zentrum für politische Analyse soziale und wirtschaftliche
Forschung CAPISE (Centro de Análisis Político
e Investigaciones Sociales y Económicas) machte in
seiner letzten Publi-kation “Die militärische
Besatzung im Chiapas: das Dilemma des Häftlings“
91 dauerhafte Militäranlagen im Konfliktgebiet aus.
Dort wird festgehalten, dass “die Militär-präsenz
eine zeitweilige Außerkraftsetzung der Grundrechte
bedeutet, mit Sozialkosten, die, übertragen auf die
indigenen Gemeinden, sehr hoch gewesen sind und sein werden.“ Auch
wird angeklagt, dass “die Militäroperationen irregulär
gewesen sind, was kriegerische Akti-vitäten bedeutet,
die nicht das Ziel haben zu einer Entscheidung zu gelangen,
sondern den Feind unaufhörlich anzugreifen und zu zermürben,
und die als vereinzelte und individuelle Ereignisse durchgeführt
werden können oder als Teil eines erst kürzlich
erstellten Defensiv-plans, in Kombination oder auch nicht
mit regulären Operationen. Durch die starke paramili-tärische
Wirkung und die erzwungene Vertreibung tausender Bewohner
haben sich diese Ope-rationen auf die Bildung paramilitärischer
Gruppen gestützt“. (Siehe unter: www.capise.org)
In Zusammenhang mit Aktivitäten, die einen paramilitärischem
Charakter aufweisen, gab das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de
las Casas (CDHFBLC) bekannt, dass seit Ende des vergangenen
Jahres Angriffe, Drohungen und nicht geklärte Morde
in den Gemeinden San Andrés und San Juan de la Libertad
(El Bosque) stattgefunden haben. In dieser Region sind die
Aktivitäten einer paramilitärischen Gruppe, bekannt
unter dem Namen ‚Rote Maske’, beklagt und dokumentiert
worden, die auch beschuldigt wird das Massaker von Acteal
began-gen zu haben.
Montes Azules: Ein
ständiger Brennpunkt
Das
Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas
(CDHFBLC) informierte, dass am 22. Januar 23 Häuser
in der Gemeinde Nuevo San Rafael im Naturschutzgebiet Montes
Azules abgebrannt wurden. Diese Tatsache ereignete sich,
nachdem dutzende Mitglieder der Marine, der Polizei und Beamte
des Sekretariats für Umweltschutz (Profepa - Procuraduría
de Protección al Ambiente) die Gemeinde in einer Angelegenheit
besuchten, die das CDHFBLC als “unverhältnismäßig“ eingestuft
hatte. CDHFBLC beschuldigte Profepa, diese hielten die Gemeinde “von
der Außenwelt abgeschnitten“ und man verurteilte “die
Verletzung des Rechts auf freien Transit innerhalb der Region
von Montes Azules“. Das Ministerium für Agrarreformen
(Secretaría de la Reforma Agraria – SRA) seinerseits
berichtete, die Familien von Nuevo San Rafael hätten
entschieden, den Ort “freiwillig“ zu
verlassen. Trotzdem gibt es Versionen, die sinngemäß aussagen,
das SRA habe die Bevölkerung zergliedert. Einige be-schlossen
zu dem Ort ihrer Herkunft, die Gemeinde Sabanilla, zurückzukehren,
die Anderen entschieden sich in Montes Azules zu bleiben.
Nach
diesen Vorfällen verkündete die zapatistische
Siedlung Nuevo San Isidro, die vor fast zwei Jahren gegründet
wurde: “Von diesem Land werden sie uns nur tot
wegbekommen, denn wir geben uns nicht mit den Almosen der
Regierung zufrieden.“ Diesbezüglich
warnte der Vorsitzende der Organisation 'Maderas del
Pueblo del Sureste’: “Wenn weiterhin Druck
aus-geübt
wird und man dort eine Vertreibung vornehmen möchte,
wird es einen Zusammenstoß geben, ein Massaker, denn
es geschieht gegen die Zapatistische Armee.“
Anfang Februar forderten fünf Nicht-Regierungsorganisationen
(NGO’s) von den Regierungen Chiapas und Mexikos die
einzelnen Operationen in Montes Azules einzustellen, bis
alle beteiligten Parteien in dieser Angelegenheit ausführlich
konsultiert worden sind“. Sie waren sich sicher, dass
bei dem Vorfall in San Rafael die Regierung die Bewohner
drängen wollte in die Gemeinde El Calvario zurückzukehren,
von wo sie schon sehr viel früher von der paramilitärischen
Gruppe ‚Paz y Justicia’ vertrieben worden waren.
Sie nahmen auch Stellung zu dem kürzlich unterschriebenen
Vertrag zwischen der Europä-ischen Union (die 15 Millionen
Euro bewilligt) und der Regierung von Chiapas (die weitere
16 Millionen Euro beisteuern will), mit dem beabsichtigt
wird, die 155.000 Einwohner der 16 Klein-Regionen in der
Selva Lacandona, wo sich auch das Naturreservat Montes Azules
be-findet, zu unterstützen: “ Der Kreis der internationalen
Interessen schließt sich zusammen und das Gebiet wird
zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten
Staaten aufgeteilt“. Selbst wenn seitens der EU die
Absicht geäußert wurde, die direkte Beteiligung
der Gemein-den zu fördern und beim Dialog zwischen den
Indigena und der Regierung zu vermitteln, soll dieses Projekt
doch in einem der problematischsten Gebiete von Chiapas entwickelt
werden.
Wiederaufnahme des
Falles des Massakers von Acteal
Am 22. Dezember
des vergangenen Jahres forderten die Köpfe der führenden
evangelischen Glaubensgemeinschaften im Rahmen des sechsten
Jahrestages des Massakers von Acteal, bei dem 45 Indigenas
der Zivilgesellschaft 'Las Abejas’ umkamen, vom
Staat den Fall wieder aufzunehmen. Sie argumentieren, von
den zur Zeit 74 in Haft sitzenden Indigenas, einige von ihnen
evangelisch, sei die Mehrheit unschuldig und man habe die
nötigen Beweismittel, um dies darzulegen.
Aus Sorge, die Regierung könnte “veranlassen,
die Schuldigen des Massakers laufen zu lassen“, riefen
die ‚Abejas’ eine “Kampagne gegen Straffreiheit“ ins
Leben. Sie demonstrier-ten, dass sie mit dem Verlauf der
Wiedereröffnung des Falles nicht einverstanden sind
und kritisierten: “ Dies ist eine Strategie, die
beabsichtigt, die Hintermänner des Genozids von Acteal
zu decken.“ Sie
betonten, der Konflikt in Chenalhó sei nicht religiös
motiviert und fügten hinzu, dass sie die Freilassung
von sieben vermutlichen Paramilitärs der Gruppe 'Paz
y Justicia’ (Nördliche Zone des Staates) mit Besorgnis
betrachteten, da diese Schule machen könnte.
Im März wurden Arbeitsgemeinschaften
von der Gruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem Fall beschäftigen
wird, an denen Repräsentanten der Secretaría
de Gobernación (Innenmi-nisterium), der Generalstaatsanwaltschaft
(PGR), der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) und
von der evangelischen Gemeinschaft teilnehmen. Abner López
Pérez, ein evan-gelischer Pastor und Direktor der
Biblischen Gesellschaft Mexiko (Sociedad Bíblica de
México), startete einen “brüderlichen
Aufruf“ an
die 'Abejas’, sie mögen an der Arbeits-gruppe
teilnehmen, um “absolute Klarheit der Tatsachen zu
erhalten“. Adoniram Gaxiola, ebenfalls evangelischer
Pastor, forderte, dass “die tatsächlichen und
verantwortlichen Draht-zieher und Hintermänner ihre
gerechte Strafe erhalten (…), den Toten von Acteal
kann nur Gerechtigkeit widerfahren, wenn die wahren Schuldigen
identifiziert werden“.
Der Bischof von San Cristóbal, Felipe Arizmendi,
kommentierte: “Sollten die Einsitzenden unschuldig
sein, was sich noch zeigen wird, müsste man daraufhin
die tatsächlich Schuldigen finden, weshalb dieser Fall
hoffentlich mit sehr viel Fingerspitzengefühl behandelt
wird, weil auch gegenüber der Justiz zuviel Misstrauen
hervorgerufen werden kann, wenn die zur Zeit Inhaftierten
freikämen“.
Elektrizität,
einer neuer Mittelpunkt der Spannungen
Der Gouverneur von
Chiapas, Pablo Salazar, kündigte im Dezember an, dass
mehr als 500 Einwohner von Chiapas, die sich in verschiedener
Weise rechtlich verantworten müssen we-gen Auseinandersetzungen
mit der Bundesstaatlichen Kommission für Elektrizität
(Comisión Federal de Electricidad - CFE) aufgrund
der Weigerung, den Strom entsprechend der veran-schlagten
Tarife zu bezahlen, freigesprochen oder verschont werden,
angesichts der Rück-nahme der Klagen seitens der bundesstaatlichen
Behörden.
Derweil betreibt die CFE seit Anfang des
Jahres das Tarifprogramm “Vida
Mejor“ (Besseres Leben), dessen Ziel es ist, dem Zahlungswiderstand
ein Ende zu setzen und die Situation zu normalisieren. Trotz
allem, die Konflikte zwischen der CFE und hunderten von Gemeinden
innerhalb des Staates sind weit davon entfernt nachzulassen,
sondern nehmen zu.
Im Februar gab die Juristische und Zivile
Widerstandsfront Chiapas (Frejuch – Frente de Resistencia Jurídica
y Civil Chiapaneca) bekannt, dass sich schon 3000 Schutzklagen
ange-sammelt haben, 2500 Klageschriften beim bundesstaatlichen
Verbraucherschutz (Profeco) vorliegen und mindestens 7000
Beschwerden bei der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH)
eingegangen sind.
Am 12. März bestätigte der Aufsichtsbeamte der
CFE, dass “man schon 98.000 der 300.000 Verträge
hat“, die unterschrieben werden sollen und, dass “der
Teil der Bevölkerung, der sich geweigert hatte, seine
Schulden bei der CFE zu begleichen, mittlerweile lebhaft
dazu beiträgt, das Problem zu lösen“. Die
Widerstandsgruppen gegen die Politik der CFE versichern hinge-gen,
dass wenigstens 78 Gemeinden die Tarife ablehnen, welche
die halbstaatlichen und lo-kalen Behörden erheben. In
verschiedensten Gemeinden der Nördlichen Zone und Altos
wer-den Verwaltungsabläufe (zum Beispiel Einschreibung
in die Schule, Militärdienstausweise) von der Begleichung
der Zahlungen abhängig gemacht. In Cancúc hat
das Programm dazu gedient, mit der Vertreibung der zapatistischen
Unterstützungsbasen zu drohen. Der Abge-ordnete Emilio
Zebadúa, ehemaliger Sekretär unter der Regierung
Pablo Salazar, räumte ein, dass der Tarifprogramm “Vida
Mejor“ nicht die Probleme gelöst hat, wie man
bei der Einfüh-rung beabsichtigt hatte.

:: DOSSIER
Das Abkommen von San Andrés verkörpert
Bats’i K’op(1)
(1) Bats’i
k’op bedeutet wörtlich übersetzt
: “das wahre Wort” bei den Tzotziles. So
bezeichnen sie auch ihre Muttersprache
Chaval chana’lek, a’ no’ox akiloj
abolil
chava’i lek, mu xa na’ me pak’chikinot
lekil antzot, batz’i yan apukujil,
chavavta lekilal, a’ no’ox chailbaijinvan
skoj apukulij
¡
Ay chulti’ me’el!
|
Du sagst, dass du weißt,
aber bist beladen mit Säcken von Unkenntnis,
du hörst aber bist taub,
du bist gut, aber dein Schwert ist die Bosheit,
du schreist Freiheit und mit deiner Absicht versklavst
du
Ah, Frau Lüge! |
| Ruperta Bautista.
Du sagst |
Der Weg des Abkommens von San Andrés

© CDHFBC
Die Verhandlungen von San Andrés
Sacamch’en de los Pobres, 1995 zwischen der EZLN und
der Bundesregierung, waren ein Versuch die strukturellen,
sozialen, politischen und kulturellen Ursachen zu lösen,
die den bewaffneten zapatistischen Aufstand von 1994 auslösten.
Sie basierten auf den ungleichen existierenden Beziehungen
zwischen den indigenen Völkern, dem Rest der Gesellschaft
und dem mexikanischen Staat.
Die Einrichtung dieses öffentlichen Verhandlungsraumes
repräsentierte die Anstrengung einen neuen sozialen
Pakt zu etablieren, zur Gründung des Projektes einer
mexikanischen Nation – das nicht nur auf Anerkennung
von individuellen, sondern auch auf kollektiven Rechten indigener
Völker in folgenden Bereichen basieren sollte:
- politischen: autonome Regierungen und eigene Formen
von Wahlen;
- juristischen: eigene interne normative Systeme auszuüben;
Formen, Gerechtigkeit einzufordern und über eigene
interne Konflikte zu entscheiden.
- sozialen: über eigene Formen von sozialer Organisation
zu entscheiden
- ökonomischen: seine natürlichen Ressourcen
nutzen, Entscheidungsmöglichkeit haben über seine
Bedürfnisse und die Art sie zu befriedigen
- kulturellen: die eigene Kultur zu garantieren
Um diesen Prozess durchzuführen,
richtete man sechs ‘Runde Tische’ ein:
- Indigene Rechte und Kultur;
- Demokratie und Gerechtigkeit;
- Wohlstand und Entwicklung;
- Versöhnung in Chiapas;
- Rechte der Frauen und
- Stopp der Feindseligkeiten.
Am 16. Februar 1996 wurde ein Übereinkommen
am Runden Tisch Nr. 1 zu indigenen Rechten und Kultur erzielt.
Der Text, in dem die Konsenspunkte festgehalten wurden, wird
als das “Abkommen von San Andrés (ASA)” bezeichnet.
Dieses Abkommen setzt sich aus drei größeren
Abschnitten zusammen:
- eine gemeinsame Erklärung: ein politisches Dokument,
das ein neues Projekt von Staat definiert, das auf folgenden
Prinzipien beruht:
- Selbstbestimmung und Autonomie: es soll das Recht
auf Entscheidungsfreiheit der indigenen Völker
respektiert werden
- Partizipation: die indigenen Völker sind die
aktiven Subjekte des Entwurfes, der Planung und Durchführung
der Projekte, zu denen sie sich entschließen
- Pluralismus: der Diversität der Völker
Respekt bezeugen
- ganzheitlicher Ansatz: Die Regierung soll versuchen,
die Probleme ‘ganzheitlich’ und nicht
nur einen Teil zu lösen
- Nachhaltigkeit: die Projekte und Programme sollen
weder der Umwelt noch den Ressourcen der Völker
schaden
- Gemeinsame Vorschläge: ein legales
Dokument, was die Veränderungen festhält, die
in Gesetzen umgesetzt werden sollen, damit es in einem
neuen Projekt
von Nation -
einschließlich einer Verfassungsreform - münden
kann.
- Verpflichtungen für Chiapas: ein lokales Dokument,
das die Aktionen festschreibt, die in diesem Bundesstaat
zur Umsetzung des Abkommens durchgeführt werden
sollen.
Am 3. September 1996 beschließt
die EZLN sich von den Verhandlungen zurückzuziehen.
Sie beklagt nicht nur den Mangel an Willen der Bundesregierung
zur Fortsetzung der Verhandlungen am 2. Runden Tisch, sondern
auch die parallel zum Friedensprozess stattfindenden anhaltenden
Kriegsmanöver.
Die sich aus Abgeordneten der verschiedenen politischen
Parteien zusammensetzende Kommission für Eintracht und Befriedung
(COCOPA), seit März 1995 beauftragt im Verhandlungsprozess
zu helfen, entwarf und präsentierte den beteiligten
Verhandlungsparteien eine Verfassungsreform, welche die prinzipiellen Übereinkünfte
des Abkommens aufnahm. Dieser Vorschlag ist das so bezeichnete “Gesetz
COCOPA” und stellte den Versuch dar die Rückkehr
an den Verhandlungstisch zu erleichtern. Die Übereinkunft
war, dass beide Seiten entweder die Initiative gänzlich
akzeptierten ohne Anmerkung oder Korrektur oder sie ablehnten.
Im Dezember 1996 akzeptierte die EZLN die Initiative; im
Gegensatz zur Regierung, die Abänderungen plante, welche
den Vorschlag der COCOPA substanziell abwandelten.
Seit diesem Moment wurde das Abkommen
zu einem Symbol des Kampfes der nationalen indigenen Bewegung
und breiter Sektoren
der nationalen Zivilgesellschaft, die dem Dokument Legitimität
verliehen, sowohl des Inhaltes wegen (man arbeitete die Resultate
des Nationalen Indigenen Forums ein, das im Januar 1996 stattfand
und das in der Gründung des Nationalen Indigenen Kongresses
(CNI) mündete), als auch wegen der Vielfalt seit seiner
Entstehung. Es soll an die breite Repräsentation der
mexikanischen Gesellschaft erinnert werden, die an den Runden
Tischen von San Andrés teilnahmen.
Im Jahr 2000 erklärte sich Vicente Fox bereit, der
als Vorsitzender der Partei der Nationalen Aktion (PAN) zum
Präsidenten gewählt wurde, zu den Friedensverhandlungen
zurückzukehren. Nach mehr als 70 Jahren Regierung der
Institutionalisierten Revolutionspartei (PRI) schien eine
Hoffnung auf einen Wechsel möglich.
Die EZLN stellte drei Bedingungen um zum
Runden Tisch der Verhandlungen zurückzukehren: Rückzug von sieben
Militärposten, die Freiheit der zapatistischen politischen
Gefangenen und die Umsetzung des Abkommens von San Andrés
durch die Verabschiedung des ’Gesetz COCOPA’.
In 2001 gaben diese Forderungen den Protagonismus des Abkommens
und seiner Umsetzung als Brücke zu einem Frieden mit
Gerechtigkeit und Würde wieder.
Um die Notwendigkeit der Umsetzung zu
erklären, organisierte
die EZLN den “Marsch der Farben der Erde oder den Marsch
der indigenen Würde”, der durch verschiedene Bundesstaaten
der mexikanischen Republik verlief und am 11.3.2001 am Abgeordnetenhaus
ankam, wo die zapatistischen KomandantInnen vor dem Kongress
die Gründe für eine Verabschiedung des COCOPA-Gesetzes
vorbringen konnten.
Letztendlich wurde im April eine Verfassungsreform über
Rechte und indigene Kultur verabschiedet, die weit entfernt
war von den kollektiven Rechten der indigenen Völker,
die im COCOPA-Gesetz verankert waren: man erkannte weder
die kollektiven Rechte auf das Territorium noch den Nutzen
und Gebrauch der natürlichen Ressourcen an. Das bedeutete
ein Aberkennen von fundamentalen kollektiven Rechten, denen
der mexikanische Staat aber mit seiner Unterschrift unter
das Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation
(ILO) über die Rechte indigener und in Stämmen
lebender Völker in unabhängigen Ländern 1991
bereits zugestimmt hatte.
Die Verfassungsreform wurde von der EZLN,
dem CNI, von Intellektuellen und einem Großteil der nationalen und internationalen
Zivilgesellschaft abgelehnt. Es wurden 324 Verfassungsklagen
diesbezüglich dem höchsten nationalen Gericht eingereicht,
was sich letztendlich als nicht zuständig erklärte über
dieses Verfahren der Legislative zu urteilen. Auf der anderen
Seite erklärten die EZLN und der CNI das Abkommen in
ihren Territorien für gültig und setzten den Aufbau
ihrer Autonomien fort. Sie begannen einen Akt des zivilen
Ungehorsams gegenüber der als Verrat an den indigenen
Völkern bezeichneten Verfassungsreform.
Das Abkommen von San Andrés blüht
in der indigenen Sprache
Acht
Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens von San Andrés
taucht dieses schon historische Dokument durch eine kollektive
und interkulturelle Arbeit mit indigener Stimme wieder auf:
aus der bundesstaatlichen Einrichtung indigener Sprachen,
Kunst und Literatur (CELALI) in Chiapas.
Das Zentrum wurde 1997 gegründet um die Verpflichtungen – aber
noch konkreter die Aktionen und Möglichkeiten im Bereich
der Erziehung und der Kultur, die im Abkommen von San Andrés
manifestiert sind - in Chiapas umzusetzen. CELALI stößt
an und fördert die Entwicklung der chiapanekischen indigenen
Sprachen seit der Anerkennung der kulturellen Autonomie der
indigenen Völker.
Mit diesem Ziel und der gemeinsamen Anstrengung
eines Teams aus Beratern, Übersetzern und Sozialforschern entstand
die bilinguale Auflage des Abkommens von San Andrés
in zehn indigenen existierenden Sprachen aus Chiapas: Zoque,
Tzotzil, Tzeltal, Ch’ol, Lakandon, Jacalteco, Q’anjon’al,
Chuj und Mam (die vier letzten Sprachen sind guatemaltekische
Sprachen, die nach der Flucht von Indigenen aus Guatemala
auch in Chiapas gesprochen werden).
Laut dem Historiker und Anthropologen
Andrés Aubry
haben sich diese Bücher in Arbeitsmaterial für
die indigenen Gemeinschaften gewandelt. Die Übersetzer
erhielten während eines Jahres Fortbildung zu dem Kontext,
in dem das Abkommen von San Andrés entstand. In dieser
Zeit spielten die Berater eine fundamentale Rolle. Unter
ihnen befanden sich einige Ex-Mitglieder der CONAI (eine
nationale Kommission als Instanz, die zwischen den Parteien
während der Friedensverhandlungen vermittelte).
Danach gingen die Übersetzer in die Gemeinden zum Austausch
von Visionen mit den eigenen Sprachverwandten zurück.
Später kehrten sie nochmals zurück, um mit Lese-Kommittes
an der Basis zu arbeiten und schließlich verwirklichten
sie zwei Versammlungen mit Abgeordneten aus den Gemeinden
von San Cristóbal.
Eine der Hauptherausforderungen war zu
erreichen, dass die indigenen Sprachen neue Wörter schufen um politische
und juristische Beziehungen benennen zu können – bislang
durch Entwicklungshemmung dieser Sprachen aufgrund der Kolonisation
nicht vorhandene Wörter. In kollektiver Form erschufen
sie Konzepte wie Autonomie, Recht auf Differenz, Plurikulturalität,
nationale Verhandlungsinstanzen, freie Entschlussfassung,
neuer Sozialpakt, indigene Völker, Anerkennung, Staatsreform,
normative interne Systeme, Nachhaltigkeit, natürliche
Ressourcen, Territorium oder Sitten und Gebräuche. In
den Gemeinden waren diese Wörter die polemischsten und
am schwierigsten zu übersetzen. Deswegen ist dieser
bilingualen Auflage eine Art spezielles ‘Glossar’ eingefügt,
mit ausführlicher Erklärung zu Bedeutungen sowie
Ziffern zu Verweisen auf betreffende Abschnitte des Textes
von San Andrés, der auf diesen Konzepten basiert.
Diese Erfahrung zeigt, wie der politische
und juristische Sprachgebrauch, der Teil des Diskurses der
aktuellen indigenen
Bewegung ist, weiterhin durch Konzepte des Spanischen und
vor allem von konzeptionellen Konstruktionen, die weit von
den indigenen Kosmovisionen entfernt sind, “kolonialisiert” ist.
Xuno López, Mitglied von CELALI, erzählt zum
Beispiel, warum die erste Übersetzung verworfen wurde,
denn in dieser wurde die traditionelle Bezeichnung für ‘Regierung’ in
der indigenen Sprache mit ajvalil ‘Gott oder Herr’ übersetzt.
Aus diesem Grund betrachtet der emeritierte Bischoff von
San Cristóbal de las Casas, Samuel Ruíz, diese Übersetzungen
als eine “Arbeit der Befreiung der indigenen Sprachen
und Wörter, die eine Art von Beziehung determinieren.”
Diese Wiedererschaffung der indigenen
Sprache wird nicht von allen positiv bewertet, denn es gibt
Stimmen, die fragen,
warum Wörter aus dem Spanischen geändert werden
sollen, die die Indigenen bereits in ihrem Alltag integriert
haben und warnen vor der Standardisierung, die solche Übersetzungsarbeiten
in den Sprachen hervorrufen könnten. Für andere
ist diese Arbeit ein weiterer Weg um an der Schaffung neuer
Wörter/Ausdrücke teilnehmen zu können, ein
Geschenk für die Menschlichkeit und ein Wert für
die indigenen Kulturen.
Auch gab es Zweifel darüber, wie viel Wirkung diese
Arbeit in einem Bundesstaat wie Chiapas haben kann, in dem
ein hohes Niveau an Analphabetismus herrscht. Dem gegenüber
teilt Andrés Aubry mit seinen gemachten Erfahrungen
während der geleisteten Übersetzungsarbeiten in
den Gemeinden die Meinung der Analphabeten, die auch teilhaben
möchten mit dem Argument: “Ich kann weder
lesen noch schreiben, aber ich kann denken.”
Aktuell beginnt ein neuer Prozess: Der
Text wird in die indigenen Gemeinden zurückgegeben und ihre Kommentare
berücksichtigt, um so sicher zu stellen, dass die Übersetzungen
wirklich korrekt sind und ihr Ziel erreicht haben.
Marcos Girón, Mitglied der Koordinationsgruppe, erzählte
uns von der Präsentation des endgültigen Dokumentes
bei einer Bauernorganisation: Ihre Mitglieder waren überrascht,
weil das Abkommen “gute Dinge sagen” würde.
Bis dahin dachten sie, dass das Abkommen lediglich etwas
von den “Tagedieben”, die sich in Waffen erhoben
haben, wäre (gemeint waren die Zapatisten). Diese Anekdote
zeigt uns, wie viel Kollektive und Personen den Inhalt des
Abkommens nicht kennen und es gelegentlich nur als Text von
Indigenen oder Zapatisten betrachten, anstatt es als Vermächtnis
von allen und für alle MexikanerInnen zu verstehen.
Das Abkommen von San Andrés: Eine Tür
zum Interkulturalismus
Die Übersetzung des Abkommens bedeutet ein Erblühen
seines Selbst, “es ist nicht bloß ein ‘bemerkenswertes
Ereignis’, sondern ein lebendiges Programm” und
wird umrahmt von Taten innerhalb der Strategie zur Fortführung
der ‘Rekonstruktion von Autonomie’ indigener
Völker (Magdalena Gómez, La Jornada, 17 .Februar
2003).
Die Bedeutung des Abkommens und seine
jetzige Übersetzung
in chiapanekische indigene Sprachen bringt diesen Prozess
einen Schritt näher zur Konstruktion eines Friedens,
der das Ende der Unterdrückung der Jahrhunderte lang
unterworfenen indigenen Völker Mexikos darstellt.
Die Aneignung eines politischen Textes
mit der Wichtigkeit des Abkommens von San Andrés durch indigene Sprachen
ist mehr als ein einfacher linguistischer Wechsel: es repräsentiert
die Emanzipation der indigenen Sprache im Politischen und
noch stärker den Beginn eines wahren Interkulturalismus,
in dem der Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen auf
dem Dialog und der gegenseitigen Anerkennung basiert und
unter ihnen Gleichheit, Partizipation, das Miteinanderleben,
die Autonomie und die Gegenseitigkeit vorherrschen.
Bei der Präsentation der bilingualen Auflage des Abkommens
von San Andrés am 16. Februar 2004 in San Cristóbal
de Las Casas, bestätigte Andrés Aubry, dass es
ein Tag des Festes für dieses neue Land sei, welches
in den besagten Texten entworfen ist: “Wir konstruieren
den Frieden. Ohne die Umsetzung des Abkommens von San Andrés
gibt es keinen Frieden. Der Text ist für alle, er gehört
weder der EZLN noch der Regierung. Es hängt vom Land
ab ihn zu realisieren. Man kann das Abkommen von San Andrés
nicht vom Friedensprozess abspalten.”
Diese Erfahrung demonstriert, dass die
Interkulturalität
eine Tür zu einem Frieden mit Gerechtigkeit und Würde
sein kann, in dem Anerkennung des Anderen geteilt wird. Der
Kampf auf Würde der indigenen Kulturen zählt bereits
mit einer “Waffe, die keine Schüsse abfeuert,
sondern Wörter und Gedanken” (Andrés Aubry).

:: ARTIKEL
Das Vierte Erfahrungstreffen für Frieden
und Versöhnung:
“Zusammen versuchen wir ein Haus
zu bauen, in das wir alle hineinpassen“.
“Nehmen wir uns an den Händen
und arbeiten wir gemeinsam für den selben Kampf. Bereiten
wir uns vor und sammeln wir mehr Erfahrungen, die uns helfen
eine Zukunft für unsere Kinder zu erschaffen. Wir wollen
Frieden (...) das wird Zeit brauchen, also lassen wir nicht
locker“
(Abschließende Worte eines Teilnehmers)

Das Netzwerk für Frieden
in Chiapas (von welchem SIPAZ ein Teil ist) lud vom 30. Januar
bis zum 1 Februar 2004 zum Vierten Erfahrungstreffen für
Frieden und Versöhnung ein. Es kamen rund 120 Teilnehmer
aus 30 Bezirken in Chiapas. Ziel war es einen Ort zu schaffen,
um “sich zu unterhalten und über die Kriegssituation
in der wir leben nachzudenken, die Situation, die unsere
Leben und die Organisationen genauso beeinflusst, wie unsere
Anstrengungen auf der Suche nach Frieden“.
“Ein Krieg kann unsichtbar erscheinen“...
Um den aktuellen
Zustand zu analysieren, wurde eine Runde veranstaltet an
der Menschen aus verschiedenen Organisationen und Regionen
teilnahmen.
Einer
von ihnen drückte es so aus: “Es gibt einen Krieg,
der unsichtbar erscheinen könnte, den wir aber spüren.
Wir sehen ihn in: den Programmen der Regierung, an ihren
Plänen den Völkern die Kraft zu nehmen und Angst
zu sähen. Der Krieg will die Vernunft unterdrücken
und auch die Stimmen unserer Brüder und Schwestern.
Andererseits gibt es auch Widerstand gegen die Pläne
der Regierung und gegen die neoliberale Politik. (...) Die
Regierung hat die Abkommen von San Andrés nicht eingehalten,
weil sie unsere Rechte nicht anerkennen will. Es kommt ihnen
nicht gelegen, weil sie weiterhin unsere Rohstoffen plündern
wollen. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir uns organisieren
und unsere indigene und bäuerliche Herkunft wertschätzen
und ein gutes Gewissen aufbauen und unsere eigenen Rechte
anerkennen können und zwar mit oder ohne Gesetz“(die
Abkommen von San Andrés).
Nach dieser Einleitung wurde in Gruppen gearbeitet, um
die Überlegungen
zu vertiefen. Es wurde hervorgehoben, dass der Krieg viele
verschiedene Gesichter hat:
- Die soziale Seite: Das soziale Netz ist zerrissen,
Familien, Gemeinden und Organisationen sind gespalten.
Das produziert Einzelgänger. Es gibt Lügen
und Betrug, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit,
Prostitution und Entführungen. Wir nehmen uns
anders wahr und glauben uns nicht mehr untereinander.
Früher war das Wort wichtig in unserer Kultur.
Heute gilt es nichts mehr, es herrschen Misstrauen,
Groll und negative Gefühle, wie Traurigkeit
und Angst, die, wenn man sie nicht kontrollieren
kann,
noch mehr Gewalt verursachen.
- Die ökonomische Seite: Die Gewinne für
die Produkte der Bauern sind niedrig, die Produkte
der großen Betriebe erzielen hohe Gewinne. Arbeitslosigkeit,
Ausschluss, Armut und Abwanderung. Wegen der Düngemittel
ist der Boden nicht mehr zu gebrauchen.
- Die militärische Seite: Das Militär, paramilitärische
Gruppen, Überwachungsflüge, Kontrollpunkte,
Waffenschmuggel, Anbau und Handel von Drogen, Räumungen,
Einschüchterung, Vertreibungen, Verfolgung und
Ermordung von politischen Anführern.
- Die kulturelle Seite: Die politischen Anführer
verlieren ihre kulturellen Wurzeln und setzten persönliche
Interessen durch. Zerrüttung der Gemeinden. Misstrauen
unter uns selbst. Verkauf unserer Mutter Erde. Jene,
die ausgewandert sind, wollen sich nach ihrer Rückkehr
nicht mehr in die Gemeinde eingliedern.
- Die rechtliche Seite: Reform des Artikel
27. (Verkauf von Gemeindeland wurde erleichtert,
um neoliberale
Politik zu begünstigen.) Die Verfassung erkennt
unsere Rechte nicht an, unsere Anführer wurden
nicht vor dem Bundeskongress angehört.
- Die ökologische Seite: Umweltverschmutzung.
(Basierend auf dem Abschlussbericht des Treffens)
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1994-2004, Prozess des Krieges, Prozess
des Friedens: Zusammenfassung von Fortschritten und Lernerfolgen
Nachdem wir uns
die wichtigsten Ereignisse noch einmal vor Augen geführt
haben, wurde in Gruppen gearbeitet, um herauszufinden, was
die Zivilgesellschaft in diesen 10 Jahren des Konflikts gemacht
hat. Danach wurde folgende Zusammenfassung über die
Beiträge der Zivilgesellschaft zum Frieden vorgestellt:
> Soziale und politische
Initiativen
- Weiterbildung in Analyse
und Umgang mit den gegebenen Umständen mit dem
Ziel einer konstruktiven und legitimen Politik (auf
Treffen, Foren und in Workshops).
- Aufklärung: (1) über die Kriegstrategie
der Regierung, (2) darüber, dass die Regierung
die Anführer kauft, (3) über unseren Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Befreiung, (4) über
die Rechte der indigenen Völker und über
Frauenrechte, (5) darüber, dass die Konflikte
nicht religiös sind, sondern andere Wurzeln haben,
(6) über die Bedeutung von Toleranz im Konflikt.
- Zur Konfliktlösung werden Wege des Dialogs gesucht:
(1) es wurden Promotoren für Menschenrechte und
Versöhnung ausgebildet, (2) einige Konflikte wurden
bereits gelöst, (3) es wurden Freiräume erschaffen,
um über Zusammenhalt und Frieden zu sprechen,
(4) wir haben versucht uns trotz der Konflikte als
Geschwister gegenüberzutreten und (5) in den Gemeinden
selbst wurden Regeln zur Problemlösung aufgestellt.
- In einigen Bereichen ist die Beteiligung der
Frauen höher und sie sind sich ihrer Rechte bewusster.
- Größere Verbreitung von Information über
die Kriegssituation, mehr Kontakte und Bekanntmachungen
von Strafanzeigen auf nationalem und internationalem
Niveau.
- Schaffung einer neuen Politik, die nicht
von oben kommt, sondern sich von unten aufbaut.
Dadurch
wird
die Hoffnung, die eine Veränderung erst möglich
macht, aufrecht erhalten und das Leben in den Gemeinden
gestärkt.
- Teilnahme an: Sicherheitsketten, den
Gesprächen
von San Andrés, Verhandlungen (wie 1995 und
1999), Demonstrationen, Treffen, Blockaden und anderen
Mobilisierungen, verschiedenen Wallfahrten, der Nationalen
Demokratischen Konvention (CND) und am Nationalen Indigena
Kongress (CNI).
- Unterstützung von Menschenrechtsbeobachtern
- Übernahme von Vorständen und Gestaltung
von Bezirksräten
- Wahlbeobachtung
- Widerstand gegen die Repression der
Regierung, gegen Gewalttätigkeiten und Vertreibungen.
- Aufbau von autonomen Bezirken,
Schaffung und Forderung von Autonomie.
>
Ökonomische Initiativen
- Widerstand gegen: das Freihandelsabkommen (NAFTA),
den Plan Puebla-Panamá (PPP), Stromzahlungen,
Staudämme, Regierungsprojekte, genetisch verändertes
Saatgut und vieles mehr.
- alternative Vorschläge wie: (1) Produktion
und Verkauf von organischen Produkten, (2) Kooperativen
und gemeinschaftliche Arbeiten und Organisationsformen,
(3) Austausch von Produkten zwischen den Gemeinden,
(4) Zusammenarbeit in Sachen Bildung, Gesundheitsversorgung,
und der Vermarktung von Produkten.
> Initiativen
angesichts der Militarisierung
- Kampf und Widerstand in schwierigen
Situationen wie: Druck und militärische Anfeindungen
und deren Konsequenzen (Alkoholismus, Prostitution,
Drogenabhängigkeit, sexuelle Belästigung
von Frauen, Spaltung, Repression, Vertreibung).
- Das Eindringen von Militärs verhindern und dafür
kämpfen, dass die Armee abzieht.
> Kulturelle
Initiativen
- Bewahrung unserer Sitten
und Gebräuche.
- Eigenständige Bildung.
- Lösung einiger Konflikte in Gemeinden im Einklang
mit unseren indigenen Bräuchen.
> Rechtliche
Initiativen
- Regelungen oder interne Gesetze, um Probleme innerhalb
der Gemeinden zu lösen.
- Verteidigung unseres Territoriums angesichts
der Reform des 27. Artikels der Konstitution.
- Kampf für die Anerkennung der indigenen Rechte
vor dem Bundeskongress.
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“Frieden
ist wie ein Samen, man muss Geduld haben und ihn beschützen,
um ihn wachsen zu sehen ...“
Noch einmal wurde
in Gruppen gearbeitet um herauszufinden, welche Standpunkte
die verschiedenen Akteure in Chiapas haben. Es wurde versucht
herauszufinden, was jeder einzelne Akteur anstrebt, was er
macht, wen er bevorzugt und wen es betrifft, wenn er etwas
tut oder aufhört es zu tun.
Der
abschließende Bericht fasst das so zusammen: “ Alle
sagen, dass sie Frieden wollen, aber jeder sucht ihn auf
verschiedene Art und Weise. Man muss in die Haut des Anderen
schlüpfen, um zu verstehen, was er denkt und warum er
das tut, was er tut. Es geht nicht darum zu sagen, ob er
Recht oder Unrecht hat, sondern darum ihn besser zu verstehen,
deswegen hilft es uns auch, klar und offen unser Handeln
zu erklären. Die Regierung denkt zum Beispiel, dass
das Problem schon gelöst ist, weil es keine Krieg gibt
und, dass die Projekte helfen, Frieden zu schaffen. Wir befinden
uns in einer Welt mit vielen Gruppen. Aber wir können
zum Beispiel nicht von der Kirche als einer einzigen Gruppe
sprechen, es gibt ganz verschiedene Kirchen und jede von
ihnen beherbergt wieder verschiedene Gruppen. (...) Es geht
nicht darum den anderen Akteuren zu sagen, was sie tun müssen.
Sie haben ihre eigenen Vorstellungen. Wir müssen bei
uns selbst schauen, was wir noch zu tun haben“.
Nach dieser Runde, bearbeiteten wir die
Frage: Und wir, was verstehen wir unter Frieden?
Einige Ergebnisse waren:
- “Ohne Angst und mit Freude
leben. Das Leben selbst bringt uns Respekt bei.“
- “Aus einem einzigen gemeinsamen Herzen heraus
arbeiten.“
- “Frieden ist zu Gunsten aller. Ohne Armeen und ohne
Unterdrückung.“
- ”Frieden ist ein würdevolles Leben zu
leben mit: Wohnraum, Arbeit, Gesundheits-versorgung und
Bildung. Frieden
ist Land zum bestellen zu haben, damit alle zu essen
bekommen. Keiner soll leiden.“
- “Mit mir selbst, meinen Brüdern und Schwestern
und der Natur in Harmonie zu leben. Das ist etwas Tiefes,
das heißt die Bitterkeit zu überwinden,
den Hass und den Groll.“
- “Das ist nicht nur Abwesenheit von Konflikten. Es
ist Versöhnung in der Gemeinde. Es ist auch Übereinkünfte
zu treffen, um in Frieden zu leben. Die Rechte aller zu respektieren
und das Recht auf freie Meinungsäußerung.“
In einer Pressemitteilung wurden einige
Punkte für die Zukunft gesichert: “Als Völker
arbeiten wir an der Schaffung von Frieden, Liebe und Gerechtigkeit,
wir suchen Versöhnung und Dialog, die Verteidigung unseres
Landes und die Befreiung unserer Völker, um nicht mehr
in Unterdrückung leben zu müssen und stärkten
damit unsere Lebensziele. (...) Mittlerweile erwarten wir
nicht mehr von der Regierung, dass sie unsere Situation verändert.
Diese Veränderung müssen wir von der Basis und
von uns selbst aus hervorbringen.“...
Für weitere Informationen besuchen
sie die Seite:
(http://www.laneta.apc.org/coreco/Boletfinal.htm)

:: SIPAZ-Aktivitäten
Dezember 2003 bis
März 2004
Begleitung
- In den letzten Monaten hatte die Puppenspielgruppe "Diversidad" Vorführungen über
den Wert der Vielfalt und der Versöhnung in einer Versammlung
von Kunsthandwerkerinnen des Hochlands und in verschiedenen
Stadtteilen von San Cristóbal de las Casas. Wir haben
ein neues Stück über den Gebrauch des Wassers und
den Umweltschutz fertiggestellt, das die bisherigen vier
Stücke zu den Themen Spaltungen, Versöhnung, Frauenrechte
und Kinderrechte ergänzt. Dieses Stück wurde uraufgeführt
beim dritten Chiapanekischen Treffen gegen den Neoliberalismus,
das vom 19.-21. März in Huitiupán stattfand.
- Im Januar waren wir zweimal als Beobachter/innen in
Emiliano Zapata, einer Gemeinde in der Nördlichen Zone von Chiapas,
in der die Mehrheit der Bevölkerung Demonstrationen
für den Rückzug der Militärbasis durchführte.
- Ende März reiste das Team in die Nördliche Zone
(Bezirke Tila, Sabanilla und Yajalón), um
sich mit verschiedenen Akteuren der Zone zu treffen
und
dort eine
Puppenspiel-Rundreise vorzubereiten.
Interreligiöser
Dialog
- Im Rahmen des Projektes “Austausch und Bildung zwischen
religiösen Anführern von Chenalhó und den
Friedenskommissionen in Nicaragua” führten wir
drei Workshops zu Verhandlung und Mediation mit religiösen
Akteuren des Bezirks Chenalhó durch. Außerdem
hatten wir im Zusammenhang mit diesem Projekt Treffen und
Besprechungen mit religiösen Akteuren dieses Bezirks
und aus San Cristóbal de las Casas.
- Im Dezember sprachen wir mit dem Exekutivsekretär
der Französisch-Lateinamerikanischen Bischofskommission
im Rahmen seines Besuchs in Chiapas.
- Im Januar nahmen wir teil an der Pressekonferenz des
emeritierten Bischofs von San Cristóbal,
Samuel Ruiz, in der er seinen Hirtenbrief “Eine neue Stunde des Danks“ vorstellte.
- Wir waren bei zwei Aktivitäten des Interreligiösen
Rats von Chiapas anwesend: Chöre verschiedener Kirchen
und Glaubensgemeinschaften (Dezember) und ökumenisches
Gebet (im Rahmen der Woche der Vielfalt der Christen)
Friedenserziehung
- Zusammen mit dem Chiapanekischen Friedensnetzwerk
beteiligten wir uns an der Organisation und
Durchführung des Vierten
Treffens über Erfahrungen des Friedens und der Versöhnung,
das Ende Januar in San Cristóbal de
las Casas stattfand. Dort nahmen 120 Personen
aus 30 chiapanekischen Bezirken
teil (siehe http://www.laneta.apc.org/coreco/Boletfinal.htm)
- Anfang März beteiligten wir uns am “Workshop
zum Aufbau eines nationales Friedensnetzes“ (oder
Beispiels für den Frieden?), der in
Mexiko-Stadt stattfand.
- Im März gaben wir in Koordination mit der Kommission
für die Kommunitäre Versöhnung
einen Workshop zum Thema “Gemeindespaltungen und neoliberale Pläne“ im
Rahmen des Dritten Chiapanekischen Treffens
gegen den Neoliberalismus in Huitiupán.
Kontakte und Information
- Wir empfingen Besuche, Delegationen,
Studenten und Journalisten, hauptsächlich aus den
USA, Deutschland, Belgien und Norwegen, um die politische
Situation in Chiapas und die
Arbeit von SIPAZ darzulegen.
- Im Dezember trafen wir uns mit dem
deutschen Botschafter in Mexiko,
Dr. Eberhard Kölsch.
- Im Dezember nahmen wir teil an der
Präsentation des
Jahresberichts der chiapanekischen Regierung durch den chiapanekischen
Gouverneur Pablo Salazar Mendiguchía
- Wir trafen uns mit verschiedenen
Akteuren in Chiapas und Mexiko
aus Gemeinden,
sozialen Bewegungen,
NGOs
und der Regierung.
Wir waren dreimal in Mexiko-Stadt.
Im Dezember und Februar waren
wir in Oventic,
um uns
mit der Junta
de Buen Gobierno
(Rat der Guten Regierung) zu treffen.
- Wir stellten Gedanken über die zehn Jahre des bewaffneten
Konflikts in Versammlungen der Diözesanen Frauenkoordination
und der Unabhängigen Frauenbewegung im Februar vor.
International
- Ein Mitglied des Teams hielt
im Dezember Vorträge
in Spanien in der Universidad de Deustro de Bilbao (Baskenland),
der Universität von Lleida (Katalonien) und der Universität
Valencia (Autonome Gemeinde Valencia).
- Im März nahmen wir teil an der nationalen Umfrage über
die Rolle der Zivilgesellschaft in der Vorbeugung bewaffneter
Konflikte, eine weltweite Umfrage, die in eine internationale
Konferenz münden
wird, die 2004 am Sitz
der Vereinten Nationen
stattfinden wird. Wir
trafen uns mit den Verantwortlichen
dieses Prozesses in den USA und Kanada.

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