:: Haupt >> Berichte // Dokumente


:: SIPAZ – Bericht Vol. XIV nº 2 - August 2009

-> Analyse

Mexiko: Von der Schweinegrippe und
anderen Leiden

-> Schwerkpunt

Der Weg des Pueblo Creyente:
Gedanken und Handeln gemäß den
„Zeichen der Zeit“

-> Artikel

Es spricht „Die Stimme von El Amate“

->  SIPAZ – Aktivitäten - von April bis Mitte Juli 2009
Archiv runterladen (ZIP) 33 Kb
. Werkzeuge
Als e-mail schicken
Drucken
 

:: ANALYSE

© Noé Pineda ArredondoMexiko: Von der Schweinegrippe und anderen Leiden

In den letzten Monaten machte Mexiko nicht etwa mit Meldungen über organisierte Kriminalität  Schlagzeilen in internationalen Zeitungen, sondern vielmehr auf Grund des Grippevirus  AH1N1(auch als Schweinegrippe bekannt geworden), da es als erstes Land vor dem Virus warnte und in der Anfangszeit die höchste Zahl an Erkrankten aufwies. Nachdem der medizinische Notfall unter Kontrolle war und auch wenn sich der Virus bis zum aktuellen Zeitpunkt weiter ausbreitet, wurden jetzt bereits drei Aspekte offensichtlich, die nicht weniger beunruhigend sind.

Auf der einen Seite wird geschätzt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie mindestens 1% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmachen. Neben den Einbrüchen im Tourismussektor (eine der Haupteinkommensquellen des Landes), schadeten die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Grippe einer Wirtschaft, die schon vor der Epidemie  den schlimmsten Einbruch seit der Wirtschaftskrise von 1995 erlitten hatte. Die wirtschaftliche Lage könnte sich zusätzlich noch auf Grund des Rückgangs der Migration in die USA verschlimmern, ein Phänomen, das auf gewisse Art als „Ventil“ diente. Der erwähnte Rückgang ist dabei aber weniger das Ergebnis der verschärften Kontrollmaßnahmen von Seiten der USA, sondern vielmehr die Folge unzureichender Arbeitsplätze in diesem Land, dies wiederum auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Berichterstattung über den Drogenkrieg und über besagte Epidemie hat oft genug erfolgreich verschwiegen, dass nahezu 40% der mexikanischen Bevölkerung in Armut lebt. Auf der anderen Seite wurden durch die Epidemie die Schwachstellen des aktuellen Systems der industriellen Tierzucht deutlich, die von großen transnationalen Unternehmen kontrolliert wird, ebenso wie strukturellen Defizite im mexikanischen Gesundheitssystem.

Foto: Szene in Mexiko-Stadt in der Zeit der Epidemie
© Noé Pineda Arredondo

Wahlen inmitten einer Phase der Unglaubwürdigkeit der Institutionen

Die Tatsache, dass so viele Mexikaner allein die Existenz des AH1N1- Virus anzweifeln, mag Aufsehen erregen. Dieses Misstrauen entsteht zum Großteil aus der fehlenden Glaubwürdigkeit der Institutionen. Im April veröffentlichte das Innenministerium die Ergebnisse der 4. Nationalen Umfrage über politische Kultur und Bürgerbeteiligung, worin festgehalten wird, dass lediglich die Hälfte der Mexikaner der Meinung ist, in einem demokratischen System zu leben und eine ähnlich hohe Anzahl denkt, dass die Regierung eher ihre eigenen Vorstellungen durchsetzt als sich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung richten.

Armado de urnas en un domingo más tranquilo de lo esperado - © José Antonio López / LA JORNADA

LA JORNADA: Aufbau einer Wahlurne an einem Sonntag, der ruhiger als erwartet verlief -
© José Antonio López

Diese Entfremdung zwischen Bürgern und politischen Repräsentanten spiegelt sich auf verschiedenen Ebenen wider, eine davon ist die der Wahlen. Am 5. Juli fanden Wahlen statt, um mehr als 1.500 öffentliche Ämter im ganzen Land zu besetzen. Die Stimmenthaltung betrug 55,19% und 5,4% der abgegebenen Stimmen waren dabei ungültig. Im Vorfeld der Wahlen war eine regelrechte Bewegung „Pro ungültige Stimmabgabe“ entstanden. 

Zieht man die Ergebnisse trotz der niedrigen Wahlbeteiligung in Betracht, so werden bestimmte Veränderungen im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt deutlich: nachdem die Partei der Institutionellen Revolution (PRI, die Partei die bis zum Jahr 2000 über 70 Jahre lang an der Macht gewesen war) fast 12 Jahre lang keine Mehrheit in der Abgeordnetenkammer hatte, war sie der große Gewinner der Wahl. Von insgesamt 500 Sitzen gewann sie 237. Ebenfalls am 5. Juli gewann sie außerdem fünf der sechs neu zu wählenden Gouverneursposten.

Die Partei der Nationalen Aktion (PAN, die aktuelle Regierungspartei) kam  in den Kongresswahlen lediglich auf 9.549.000 Stimmen (dies entspricht 12,3%), was als Rückschlag für die Regierung von Felipe Calderón gewertet wurde. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die PAN bei den Wahlen von 2006 im Kontext von Wahlbetrugsvorwürfen durch ca.14 Millionen Wählerstimmen weiterhin an der Präsidentschaft festhalten konnte. Von den bisher 206 Abgeordneten auf Bundesebene konnte sie lediglich 143 Sitze halten. Nicht anders erging es auch den linken Parteien, die die Auswirkungen interner Konflikte und Spaltungen zu spüren bekamen: von bisher 126 Sitzen behaupteten sie lediglich 90 (71 für die Partei der Demokratischen Revolution, PRD, 13 für die Partei der Arbeit und sechs für die Partei der Konvergenz).

© Human Rights WatchMilitarisierung: eine Lösung, die keine ist

Trotz der durch die Influenzaepidemie verschärften wirtschaftlichen Situation und der Wahlergebnisse, besteht kein Zweifel daran, dass der Kampf gegen den Drogenhandel die höchste Priorität der föderalen Regierung ist. Nach einem vorübergehenden Rückgang der Opferzahlen, scheint die Gewalt in den letzten Monaten wieder zugenommen zu haben.

Foto: © Human Rights Watch

Das wenig ermutigende Bild erweiternd, gab der Indikator der weltweiten Regierungsführung der Weltbank Ende Juli 2009 in Bezug auf politische Stabilität und Gewaltfreiheit Mexiko auf einer Skala von 1 bis 100 im Jahr 2008 24,4 Punkte, im Vergleich zu 27 im Jahr 2007 und 45 Punkten im Jahr 2004. Im Hinblick auf einen funktionierenden Rechtsstaat (Indikator, der die Fähigkeit beurteilt, auf die Einhaltung der Gesetze hinzuwirken) erhielt Mexiko im Jahr 2008 29,7 Punkte im Vergleich zu 36,2 im Vorjahr und 42,4 Punkten im Jahr 2004.

Im Kontext des medizinischen Ausnahmezustands auf  Grund der Influenza verabschiedete der Kongress im Rahmen des Nationalen Sicherheitsgesetzes Gesetzesinitiativen der Regierung. Im April hatte die föderale Regierung ein Paket mit vier Reforminitiativen verabschiedet, die die nationale Sicherheit, das Militärrecht, den Waffenhandel und die organisierte Kriminalität betreffen.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Artikel 129 der mexikanischen Verfassung besagt, dass „in Friedenszeiten keine militärische Autorität mehr Funktionen wahrnehmen kann, als die, die direkt mit militärischen Aufgaben  zu tun haben“. Paradoxerweise wurde mit dem Vorsatz, „die Ausbreitung der organisierten Kriminalität“ zu bremsen und die nationale Sicherheit „vollständig“ zu garantieren, eine Form des Ausnahmezustand vorgeschlagen wurde, bei der sich im Falle einer „Bedrohung der inneren Sicherheit“ die zivilen staatlichen Strukturen den militärischen unterordnen. „Aufstände“ gelten nach dieser Definition als einer der Gründe, um den o.g. Ausnahmezustand auszurufen.

Seit Beginn der Amtszeit Calderóns hat das Militär nach und nach mehr Aufgaben der öffentlichen Sicherheit übernommen, sodass die verabschiedeten Reformen eher die bestehende Praxis zu normalisieren und legalisieren scheinen. Die Befürchtungen von Menschenrechtsorganisationen und Intellektuellen haben mit der Aufhebung bestimmter Grundrechte zu tun, wie z.B. die Rede-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit sowie das Recht auf einen rechtmäßigen Prozess. Laut der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) wurden während der laufenden Regierungsperiode mehr als 1.600 Beschwerden gegen die Armee wegen Straftaten wie willkürliche Tötung, Folter, Vergewaltigung, willkürliche Festnahmen und der exzessive Gebrauch von Schusswaffen eingereicht.

Immunität des Militärs: Priorität auf der Agenda der Menschenrechtsorganisationen

Sowohl in den Medien als auch auf nationalen und internationalen Foren wurden in den letzten Monaten Menschenrechtsverletzungen angeklagt, die von Angehörigen des Militärs während des Schmutzigen Krieges sowie aktuell im Kampf gegen den Drogenhandel begangen wurden. Ende März fand im Rahmen der 143. Sitzungsperiode der Interamerikanischen Kommission der Menschenrechte (IAKMR) in Washington eine Anhörung zum Thema Militärrecht und Menschenrechte statt. Organisationen der mexikanischen Zivilgesellschaft veröffentlichten Daten, die sie größtenteils während der aktuellen Amtsperiode erfasst haben und wonach der mexikanische Staat die internationalen Standards in diesem Bereich nicht erfüllt. Am Ende der Sitzungsperiode veröffentlichte die Interamerikanische Menschenrechtskommission einen Bericht, in dem sie „ihre Besorgnis“ ausdrückt, „angesichts der Tatsache, dass in einigen Ländern der Region das Militärrecht weiterhin dazu dient, allgemeine Straftaten des Militärs oder der Polizei zu verfolgen und zu verurteilen. Die Kommission betont, dass die Militärgerichtsbarkeit ausschließlich bei Straftaten innerhalb der militärischen Ordnung angewendet werden darf.“

Vergangenen April veröffentlichte Human Rights Watch seinen Bericht „Uniformierte Straffreiheit: die unrechtmäßige Anwendung des Militärrechts in Mexiko, um den Missbrauch während des Einsatz gegen den Drogenhandel und in der öffentlichen Sicherheit zu untersuchen“, in dem sie erklären wie die Immunität des Militärs dazu dient, die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen zu schützen.

Sechs der acht Empfehlungen, die abermals von der mexikanischen Regierung während des “Examen Periódico Universal” (EPU) im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (VN) (siehe SIPAZ Bericht Vol. XIV Nr. 1 - April 2009)  im Juni abgelehnt wurden, bezogen sich im Kern auf die Notwendigkeit der Einschränkung der Militärgerichtsbarkeit.

Am 7. Juli musste die mexikanische Regierung vor der Interamerikanischen Kommission der Menschenrechte auf Grund des Falles des gewaltsamen Verschwindenlassens von Rosendo Radilla Pacheco erscheinen, der zuletzt 1974 in der ehemaligen Militärkaserne von Atoyac de Álvarez, im Bundesstaat Guerrero gesehen wurde (ein Fall von gewaltsamem Verschwindenlassen im Rahmen des Schmutzigen Krieges).

Am 8. Juli stimmte die Erste Kammer des Obersten Gerichtshofs zu, die Anhörung über einen Einspruch im Zusammenhang mit der Immunität des Militärs dem Plenum zu übergeben. Es wird die Tatsache in Frage gestellt, dass der Mord an dem Zivilisten Zenón Medina durch Angehörige des Militärs im März 2008 an einer Militärsperre in Sinaloa, durch ein Militärgericht verurteilt wurde. Das Verteidigungsministerium (Sedena) wies diesen Antrag zurück, weil es den Fall als Verstoß gegen die Militärdisziplin im Dienst erachtet.

Angesichts des internationalen Drucks und obwohl die föderale Regierung die militärische Immunität weiterhin verteidigt, gab Calderón den VN bekannt, dass im Rahmen des Militärrechts zur Zeit sechs Ermittlungsverfahren laufen und dass in drei Fällen 34 Soldaten vorgeladen wurden und dass in neun Verfahren 14 Personen verurteilt wurden.

Trotz der Zweifel erhält das mexikanische Militär mehr Unterstützung durch die USA

Presidentes Barack Obama y Felipe Calderón - © Reuters

Die Präsidenten Barack Obama und Felipe Calderón - © Reuters

In den letzten Monaten fanden verschiedene Besuche hoher Regierungsfunktionäre der Vereinigten Staaten in Mexiko statt, darunter im April auch der erste offizielle Staatsbesuch von Barack Obama. Es wurden jedoch keinerlei Absprachen in den Bereichen getroffen, die gewisse Erwartungen  geweckt hatten (Handel, Migration, Sicherheit).

Die Medienberichterstattung in den USA, wo Mexiko als „gescheiterter Staat“ dargestellt wurde, ist einer der möglichen Gründe, weshalb Mitte Juni das Gesetzesverfahren zur Verabschiedung des Gesetzes zusätzlicher Militärausgaben von 2009 abgeschlossen wurde, welches 420 Millionen Dollar für Mexiko beinhaltete. Die genannte Summe liegt dabei deutlich über den anfangs von Obama vorgeschlagenen 66 Millionen Dollar. In der Tat werden dadurch die in den ersten zwei Jahren der Merida-Initiative gekürzten Ausgaben wieder in vollem Umfang bereitgestellt und sogar aufgestockt.

Eine weitere Dimension der Zusammenarbeit zwischen den USA und Mexiko stellte die Teilnahme eines Kontingents der mexikanischen Armee am UNITAS-Manöver dar, das von der vor einem Jahr reaktivierten 4. Flotte der Vereinigten Staaten von Amerika koordiniert wird. Experten gehen davon aus, dass die 4. Flotte, deren Einflussgebiet Lateinamerika und die Karibik umfasst, zusammen mit der Gründung des „Kommando Nord“ Teil einer strategisch-militärischen Neuorientierung der USA im Hinblick auf die Region Lateinamerika darstellt. Diese Entwicklung könnte sich nach dem Putsch in Honduras am 27. Juni noch beschleunigen, ein Ereignis, dessen geopolitische Konsequenzen für den Kontinent noch abzuwarten sind.

Presidentes Barack Obama y Felipe Calderón - © Reuters

Die Präsidenten Barack Obama und Felipe Calderón - © Reuters

Von sozialen Bewegungen bis hin zu bewaffneten Gruppen: ein trüber Ausblick

Ende März erhielt das Plenum des Obersten Gerichtshof Mexikos den Vorabbericht über die Menschenrechtsverletzungen, die zwischen Mai 2006 und Juli 2007 in Oaxaca begangen worden waren, von dem man sich nach den Entscheidungen im Falle von Atenco (siehe SIPAZ-Bericht April 2008) allerdings nicht allzuviel versprach. Obwohl abermals die Tatsache „schwerwiegender Verletzungen individueller Rechte“ festgehalten wurde, beschloss die Kommission keine „Verantwortlichkeiten“ zu untersuchen, sondern „einzig Personen zu identifizieren, die an den als schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen eingestuften Geschehnissen beteiligt waren“.

Viudas de los dos ejecutados de la OFPM en el Foro Internacional sobre Criminalización de los Defensores de DDHH y de la Protesta Social - © SIPAZEines der Themen, welches verschiedene Menschenrechtsorganisationen besonders beschäftigt hat, wurde auf dem „Internationalen Forum zur Kriminalisierung von Menschenrechtsaktivisten und des sozialen Kampfes“ behandelt, das am 20. April in Guerrero stattfand. Neben der generellen Anklage der Situation im Land, betonte die Abschlusserklärung abermals „das Recht auf Protest als Folge der ineffizienten institutionellen Mechanismen und der fehlenden Antworten auf soziale Forderungen“.

Foto: Witwen der zwei Ermordeten der OFPM während des „Internationalen Forums über die Kriminalisierung der Menschenrechtsverteidiger und des sozialen Protests" - © SIPAZ

Im April veröffentlichte das Nationale Netzwerk Ziviler Menschenrechtsorganisationen „Alle Rechte für alle“ einen Bericht, in dem innerhalb der letzten zwei Jahre von mindestens 41 Fällen von Menschenrechtsverletzungen an Umweltaktivisten in 13 Bundesstaaten des Landes (auch in Chiapas) berichtet wurde, angefangen von Polizeirepression, willkürlichen Verhaftungen, Auseinandersetzungen innerhalb von Gemeinden, Drohungen und Belästigungen bis hin zu Mord. Es wird darauf hingewiesen, dass die Arbeit von Umweltaktivisten im Land um so gefährlicher wird, je stärker ihre Aktionen wirtschaftliche Interessen der Regierung, lokaler Machthaber und transnationaler Unternehmen gefährden.

Eine weitere Tatsache, die unbemerkt bleiben könnte, ist die Bekanntgabe des Manifests von Ostula, ein Dokument das Mitte Juni von indigenen Dörfern und Gemeinden aus neun Bundesstaaten verabschiedet wurde, die an der 25. Versammlung des Nationalen Indigenen Kongress (CNI) der Region Zentrum und Pazifik teilgenommen hatten. Angesichts der staatlichen und paramilitärischen Repression, der sie ausgesetzt sind, sowie der neoliberalen Politik „der Verachtung, Diskriminierung, Zerstörung und Tod“, betonen sie ihr Recht auf Selbstverteidigung, um ihr Territorium und ihre natürlichen Ressourcen zu schützen.

Am 21. April sah die Vermittlungskommission zwischen der Revolutionären Armee des Volkes (EPR) und der Regierung nach einem Jahr ihres Bestehens ihre Mission als beendet an, deren Absicht die Aufklärung des Falles zweier Aktivisten der bewaffneten Organisation war, die als verschwundene Verhaftete galten. Sie rechtfertigte ihre Entscheidung damit, dass „der Wille der föderalen Regierung sich lediglich auf allgemeine Stellungnahmen“ beschränkt hätte.

Chiapas: Straffreiheit und „neue-alte“ Konflikte

Im Juni fand das erste Amerikanische Treffen gegen die Straffreiheit im Caracol der Zapatisten in Morelia statt, an dem Personen aus 15 Ländern des lateinamerikanischen Kontinents teilnahmen, außerdem Delegierte aus Europa und Australien. Die Straffreiheit wurde wiederholt als Teil der Vergangenheit und der Gegenwart in Lateinamerika angeprangert, eine Tatsache, die sicherlich auch auf Chiapas zutrifft. Eines der Geschehnisse, die in diesem Sinne während der letzten Monate für starkes Aufsehen gesorgt haben, ist das Risiko, dass der Oberste Gerichtshof (SCJN) 12 der im Fall des Massakers von Acteal am 22. Dezember 1997 Angeklagten freilassen könnte. Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (CDHFBC) ließ die Befürchtung verlauten, „dass der Oberste Gerichtshof durch seine Entscheidung die Straffreiheit fördert, mit unvorhersehbaren Folgen für die indigenen Gemeinden in Chiapas, wo immernoch ein ungelöster, interner bewaffneter Konflikt herrscht“.

Ende März wurde auf Initiative der bundesstaatlichen Regierung eine auf den Schutz nicht-staatlicher Menschenrechtsorganisationen in Chiapas spezialisierte Staatsanwaltschaft eingerichtet, womit einer Empfehlung der Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) gefolgt wurde, um auf die vermeintliche Verzögerung in den Ermittlungsverfahren bezüglich der Aggressionen gegenüber dem CDHFBC im Oktober 2006 zu reagieren. Dessen ungeachtet scheint angesichts der seit  Juni wiederholt zu beobachtenden Tendenz von Einschüchterungen gegenüber Menschenrechtsaktivisten in San Cristóbal de Las Casas diese Art von Aggressionen nicht der Vergangenheit anzugehören.

Foto: Resistencia frente a proyectos eco-turísticos (Jolaco, Zona Norte) - © SIPAZAuf der anderen Seite dreht sich die große Mehrheit der Themen, die sowohl Gegenstand sozialer Organisationen als auch der Repression sind, um den Komplex „Land und Territorium“. Obwohl viele der Fälle mit dem seit Jahrzehnten ungelösten Agrarproblem zu tun haben, werden weiterhin Fälle deutlich, die in Bezug zu „(wieder-)angeeignetem Land“ der Zapatisten nach dem bewaffneten Aufstand stehen. Andere Schwerpunkte der sozialen Kämpfe und Konflikte haben mit einem breiter gefassten Konzept von Territorium zu tun. Wir werden hier lediglich drei Beispiele anführen:

Autobahn und öko-touristische Projekte

Anfang Juni begann in San Cristóbal der Bau der Autobahn, die diese Stadt mit dem ebenso touristischen Palenque verbinden wird. Dieses Vorhaben, ebenso wie der Ausbau und die Internationalisierung des Flughafens in Palenque steht in Verbindung mit der Konkretisierung des „Integralen Zentrums Palenque-Agua Azul“ (CIPP), das von der chiapanekischen Regierung als „erstes öko-archäologisches Entwicklungsprojekt“ dargestellt wird.

Foto: Widerstand gegen Öko-Tourismusprojekte (Jolaco, Nördliche Zone) -
© SIPAZ

Die Brennpunkte im Hinblick auf den Widerstand der Bevölkerung gegenüber diesen Projekten haben zugenommen, insbesondere in Mitzitón, im Landkreis San Cristóbal de Las Casas, und in San Sebastián Bachajón. Anfang Juli wurden fünf der sieben Tseltal-Indígenas aus letztgenannter Gemeinde freigelassen, die vergangenen April während verschiedener Polizeiaktionen festgenommen worden waren. Sie gaben bekannt, gefoltert worden zu seien, um zu gestehen, dass sie an Überfällen auf der Landstraße zwischen San Cristóbal und Palenque beteiligt gewesen seien. Das CDHFBC setzte ihre Festnahme in einen anderen Zusammenhang und erklärte:

Die Gemeinden im Landkreis San Sebastián Bachajón, Anhänger der Anderen Kampagne, sind Teil der indigenen Bewegung, die sich den neoliberalen Vorhaben wie Landenteignungen und Raub an Naturressourcen widersetzen. Die Region Agua Azul ist seit vielen Jahren ein Touristenzentrum, dessen zahlreiche Eigenschaften von auswärtigen Interessen ausgenutzt werden , die denen der Tseltal-Indígenas von Bachajón fern sind.“

Campaña contra la CFE en San Cristóbal de las Casas - © SIPAZHohe Stromtarife

Nicht nur auf lokaler Ebene wächst die Organisation der Betroffenen (40% der Strombezieher in Chiapas zahlen ihre Rechnungen nicht). Vertreter von 20 Organisationen aus sieben mexikanischen Bundesstaaten gründeten im Mai in San Cristóbal das „Nationale Netzwerk des zivilen Widerstands gegen hohe Stromtarife“. Als Folge des gemeinsamen Auftretens dieses Zusammenschlusses („Wenn es einen trifft, sind wir alle gemeint“) war die Festnahme von fünf Personen in Campeche Anfang Juli, die die Zahlung der Stromrechnung verweigerten, der Auslöser von Solidaritäts- und Protestaktionen in anderen Teilen des Landes.

Foto: Kampagne gegen die CFE in San Cristóbal de las Casas - © SIPAZ

Bergbau

Ein anderes Thema, das weiterhin zu Mobilisierungen führt ist der Bergbau. Mitte April organisierten ca. 3.000 Katholiken aus verschiedenen Landkreisen des Zentralgebirges von Chiapas eine Demonstration, um die Rücknahme von 56 Konzessionen zu fordern, die an kanadische und US-amerikanische Unternehmen vergeben worden waren.

Ir hacia arriba

:: SCHWERKPUNT

Anmerkung:

Auf Bitte einiger Mitglieder des Pueblo Creyente haben wir uns dazu entschieden, in diesem Artikel Zitate (kursiv gedruckt) nicht namentlich zu kennzeichnen.

Der Weg des Pueblo Creyente: Gedanken und Handeln gemäß den „Zeichen der Zeit“

„Man kann ohne Geschichte nicht über Glauben verfügen. Der Glaube ist Frucht unserer Erfahrungen, eines ständigen Wanderns auf einem langen Weg. 1992 feierten wir 500 Jahre indigenen Widerstand gegen ein Herrschaftssystem. Das Pueblo Creyente wird aus der Suche nach Freiheit geboren, um die Last, die uns bedrückt, abzustreifen. Die Freiheit ist bis jetzt noch nicht erreicht, aber wir können nicht aufhören dafür zu arbeiten, denn die ganze Zeit des Wanderns hat uns zu einem höheren Ort geführt, zu einem neuen Ort, wo wir auf die Vergangenheit blicken und die Zukunft besser verstehen können. Wir können diesen Weg nicht verlassen, er ist erobert.“

Ceremonia durante la Asamblea del Pueblo Creyente - © SIPAZ

Vom 1. bis 3. Juli 2009 fand in San Cristóbal de Las Casas die 18. Versammlung des Pueblo Creyente (dt: das „Gläubige Volk“) statt, deren zentrales Thema die Erinnerung an die Erfahrungen und Ereignisse auf dem Weg seit seinem Bestehen war. Dies stellte eine außergewöhnliche Gelegenheit dar, um uns dem Prozess eines so facettenreichen politischen Akteurs zu nähern, der von Anfang an und bis heute die „Zeichen der Zeit“ zu analysieren und danach zu handeln sucht.

Wie entsteht das Pueblo Creyente?

Die ganze Geschichte beginnt mit einem unumgänglichen Schritt vorwärts, manchmal gut bedacht, manchmal durch den Kontext gezwungen. Als der Pater Joel Padrón 1991 verhaftet wurde, damals noch Pfarrer von Simojovel, versammelten sich die Mitglieder der acht Regionen der Diözese von San Cristóbal de Las Casas, um einen Pilgermarsch zu veranstalten, der jedoch eher einer Demonstration glich. Sie marschierten bis zur Hauptstadt von Chiapas, Tuxtla Gutiérrez, um seine Freiheit zu fordern. Nach 49 Tagen in Haft und dank des ausgeübten Drucks wurde er schließlich freigelassen. In diesem Sinne stellt die Entstehung des Pueblo Creyente einen Prozess dar, der mit seinen Eigenschaften eher einer „politischen Bewegung“ gleicht, „die aber innerhalb der Diözese blieb, mit einer Kombination aus Glaube und Politik“ oder „Politik-Glaube“, ohne „und“. Um diesen „ersten Schritt“ zu verstehen ist es wichtig, die Geschichte der (indigenen) Völker und die der Kirche in Chiapas zu vertiefen.

Foto: Zeremonie während der Versammlung des Pueblo Creyente - © SIPAZ

In den 70er Jahren etablierte die Katholische Kirche auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Konferenz der Bischöfe Lateinamerikas (CELAM) 1968 in Medellín Konzepte wie Unabhängigkeit und Freiheit als große Prioritäten. Die autochtone Kirche wurde als Ziel bekräftigt, „verwurzelt in den Kulturen, mit den altehrwürdigen Worten der indigenen Theologie als Ursprung von Gottes Wort“ und die „Hinwendung zu den Armen“ berechtigte den Unterdrückten, „Hauptakteur der tiefgreifenden Veränderungen in Lateinamerika“ zu sein.  Dieses „historische Ereignis der Kirche“ wurde von Samuel Ruiz García, Bischof der Diözese von  San Cristóbal de Las Casas von 1960 bis 2000, aufgegriffen. Seine Diözese war, wie sich herausstellte, ein 'Beet', wo „Gottes Wort“ und „die Zeichen der Zeit“ einen „Acker“ aus Dialog und Reflexion, verwurzelt in der Methodologie der Befreiungstheologie „sehen – denken – handeln“, hervorbrachten.

Peregrinación del Pueblo Creyente en 2008 - © SIPAZ1974 fand nach neun Monaten regionaler Vorversammlungen schließlich ein Indigener Kongress in  San Cristóbal de Las Casas statt, im Rahmen der Erinnerungsfeiern an 150 Jahre Zugehörigkeit von Chiapas zu Mexiko und dem 500. Geburtstag von Bartolomé de Las Casas, dem ersten Bischof der Region. Oben erwähnter Kongress wurde in den vier indigenen Hauptsprachen der Diözese abgehalten (Tseltal, Tzotzil, Tojolabal und Ch'ol)  und sprach Themen wie Land, Handel, Erziehung, Bildung und Gesundheit an. Mit „prophetischer und anklagender“ Stimme machte er auf das Leid und die extreme wirtschaftliche, politische und soziale Marginalisierung der indigenen Völker in Chiapas aufmerksam, welche „Leitlinien der Gerechtigkeit und einen programmatischen und ganzheitlichen Plan“ für Veränderungen vorlegten.

Nach 1974 analysierten die Gemeinden weiterhin die Geschehnisse, die „Zeichen der Zeit“, die sie dazu nutzen, um die Fundamente für ein „Haus im Aufbau“ zu gießen. Seit 1975 finden jährliche Versammlungen der Diözese statt: „Warum wählen wir nicht einen anderen Weg, ohne darauf zu warten , dass sich die sozialen Strukturen auf Grund der Verzweiflung der jahrhundertelangen Unterdrückten ändern?“, so der Brief des Bischofs „In dieser Stunde der Gnade“ fast 20 Jahre später (November 1993). Dieses Dokument schien das Werk eines Seismografen zu sein, das die großen, damals noch unterirdischen Bewegungen ankündigte, die später folgten und jetzt bereits „Geschichte“ und „Gegenwart“ sind: unter anderem der zapatistische Aufstand von 1994 und die Abkommen von San Andrés 1996.

1991 konsultierte der für die Versammlungen der Diözese Verantwortliche die Vertreter der Pfarrgemeinden, um sich zu beraten, wie weiter verfahren werden sollte. Es wurde vorgeschlagen die Basis in den Gemeinden zu befragen und aus diesem Grund wurden Vertreter aus den Pfarrgemeinden eingeladen. 36 Personen nahmen als Berater an dieser Vorversammlung teil, die sich später in eine halb-permanente Versammlung entwickeln sollte. „Aus diesem Kern entsprang das, was später zum 'Pueblo Creyente' werden sollte.

Foto: Pilgermarsch des Pueblo Creyente en 2008 - © SIPAZ

Am 18. September 1991 wurde der Pater Joel Padrón verhaftet, dem „Landenteignung, Schädigung fremden Eigentums, Raub, Bedrohung, Provokation, Gutheißen von Straftaten, Bildung krimineller Vereinigungen, Bandenkriminalität, Konspiration und Tragen von Kriegswaffen“ vorgeworfen wurde. Dank der Entwicklungen innerhalb der Diözese in den vorangegangenen Jahrzehnten erhoben sich viele, um zu sagen: „Sein Gefängnis ist unser Gefängnis“. Auf Initiative des Pueblo Creyente marschierten 18.000 Personen, hauptsächlich Indigene, von San Cristóbal de Las Casas nach Tuxtla Gutiérrez, um seine Freilassung mit Fasten und Gebeten einzufordern.

Aktuelle Struktur

Peregrinación del Pueblo Creyente en 2008 - © SIPAZNach den Worten von Don Samuel gründet sich das Pueblo Creyente infolge einer „kritischen Analyse der Realität und mit der Annahme, dass das Reich Gottes in der Geschichte entsteht, was, ausgehend von der Abschaffung der strengen Unterdrückung, eine Veränderung der Gesellschaft bedeutet“. Die Figur des Pueblo Creyente existiert so weder anderswo auf der Welt, noch hat sie ihren Ursprung in einem anderen Teil der Welt. Es wurzelt in der Geschichte der Diözese von San Cristóbal de Las Casas. Heute hat sich das Pueblo Creyente etabliert. Es hat seine Basis und Struktur in verschiedenen Zonen der Diözese von  San Cristóbal de Las Casas. Nichtsdestotrotz ist die Versammlung des Pueblo Creyente nur einer der Arbeitsschwerpunkte der Diözese, andere sind z.B. indigene Theologie, kirchliche Basisgemeinden, Katechese, Diakone, Gesundheit, kirchliche Jugendarbeit, Frauen, Menschenrechte, etc. In jeder Region versammeln sich die Kommissionen des Pueblo Creyente, um auf lokaler Ebene „eine Analyse der Realität im Licht von Gottes Wort“ vorzunehmen und um „die Alternativen, die zu Harmonie und Frieden im gesellschaftlichen und kirchlichen Zusammenleben führen“, aufzuzeigen. Außerdem treffen sie sich vier mal im Jahr auf Versammlungen in  San Cristóbal de Las Casas mit Vertretern aller Regionen. Während jeder Versammlung organisieren sie sich in Kommissionen: Analyse, Ausarbeitung des Informationsblatts „Die Wahrheit wird uns befreien“, Liturgie, Logistik.

Foto: Pilgermarsch des Pueblo Creyente en 2008 - © SIPAZ

Danach finden Versammlungen der Regionen statt oder es wird den Angehörigen der Pfarrgemeinden berichtet. „Zum Beispiel finden in der Urwaldregion am Tag nach den Versammlungen des Pueblo Creyente  Versammlungen der Katechisten (ca. 200) statt und von diesen wird das Vermittelte in die Dörfer weitergegeben. Dies stößt auf starken Widerhall in den Gemeinden. Nach diesem Schema werden die Entscheidungen getroffen.“ Die Kraft dieses Prozesses hat mit dem Kommen und Gehen von Information zu tun, ein partizipatives Modell und eine „kollektive Erfahrung“, die gemeinsam getragene Entscheidungen ermöglicht, wenn es darum geht, Überlegungen in Taten umzuwandeln.

Einer der in der Versammlung anwesenden Priester betont: „Charakteristisch ist, dass der Gemeindevorsteher kein Vorkämpfer ist, sondern Begleiter ist. Die Reflexion ist schon da.“ Eine andere Person unterstreicht: „Das Pueblo Creyente gehört niemandem. Es ist das Ergebnis eines veränderten Bewusstseins, das von Gottes Wort, der  Geschichte und vom Leiden inspiriert ist. Es ist ein Ort, der vieles überwindet und es ist schwierig, ihn in einer Parteilogik zu verorten, geschweige denn in der Logik einer Organisation oder sozialen Bewegung. Es hat ein Eigenleben ohne festgelegte politische Bedeutung, denn wenn das so wäre, müsste es diesem Raum dienen“.

Auf dem 18 Jahre langen Weg haben die  Tseltales, Tzotziles, Ch'o-les, Tojolabales und Mestizen immer wieder gesagt „Wir sind die Diözese“. Inmitten einer institutionellen Kirchenstruktur gelingt es ihnen, ihre Anliegen in die institutionelle Agenda der Diözese zu integrieren, ohne dabei ihre Identität zu verlieren und stets fähig zu Veränderungen. Seit 2000 ist das Pueblo Creyente Teil der Synode  und der internen Struktur der Kirche, wobei es aber seinen einzigartigen Charakter beibehält, den einer autochtonen Kirche und einer Kirche der Armen.

Die aktuellen Herausforderungen

oBJETIVO DE LA aSAMBLEA DEL pUEBLO cREYENTE - © sipazEs ist unmöglich über das Pueblo Creyente zu sprechen ohne seine Präsenz in der Zeit und im Kampf zwischen zwei Alternativen zu spüren: der des Todes (das neoliberlale System) und der des Lebens. Dabei wird es natürlich immer schwieriger die Alternative der indigenen Völker zu erschaffen.“ Bis 1960 war Chiapas „terra incognita“ (Andrés Aubry), nur wenige kannten es außerhalb seiner Grenzen. Es herrschte eine Feudalordnung, innerhalb der sich die Macht zwischen einigen wenigen Familien aufteilte. Dies war die „Provinz der Abgelegenen“. Als Samuel Ruiz  in diese Gegend kam, bedienten sich die Großgrundbesitzer  der Indigenen immernoch als ihrer „Knechte“, ein System der Halb-Sklaverei.

Vieles hat sich mittlerweile verändert und gleichzeitig kaum etwas. „Die materielle Welt braucht Opfer um zu überleben, deshalb sucht sie nach Sklaven. Die materielle Welt kann auch unser Herz und unsere Seele gefangen nehmen und unseren Geist schnüren. Unsere Hauptaufgabe ist der Kampf gegen diese Sklaverei, die unsere Seele, unser Herz und unseren Geist zuschnürt.“

Foto: Ziel der Versammlung des Pueblo Creyente - © SIPAZ

Heute sucht das Pueblo Creyentehartnäckig“ nach einem Weg, die unterdrückende Realität zu verändern und es strebt weiterhin danach, sich zu einem Subjekt des Wandels, der politischen, sozialen und ideologischen De-Kolonisierung zu entwickeln. Das Pueblo Creyente träumt von einer anderen Welt und arbeitet dafür, dies Wirklichkeit werden zu lassen. Als freie Völker und Personen, Akteure und Subjekte ihrer eigenen Befreiung entschieden sie sich für eine Welt, die sich auf die Erlösung beruft: „Wir können zwischen dem Leben und dem ewigen Tod entscheiden; zwischen Gott und den Idolen von Macht und Geld; zwischen Freiheit und Unterdrückung; zwischen Leben und dem Aufbau der Gemeinschaft oder uns im Individualismus verlieren.“ (aus: In dieser Stunde der Gnade).

In diesem Sinne „hat das Pueblo Creyente nicht aufgehört, eine politische Aufgabe und eine Bewegung zu sein. Die Synode definiert es als 'Ferment'. Es besteht ein klares Bewusstsein für Gerechtigkeit, Menschenrechte, Wiederversöhnung und Frieden in einer autochtonen, dienenden und freien Kirche zu kämpfen.

Es fällt besonders die Kontinuität zwischen den beiden Jahren 1991 und 2008 auf, als das Pueblo Creyente abermals Pilgermärsche und Gefängnisbesuche organisierte (um nicht nur „ihre“, sondern auch andere Gefangenen zu besuchen und deren Freilassung zu fordern). Zacario Hernández Hernández, der im März 2008 als Erster einen Hungerstreik begonnen hatte, wurde freigelassen und erzählt, dass die Worte die ihn während des Hungerstreiks stärkten, die von San Pablo waren: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.

Altar Maya en la Asamblea del Pueblo Creyente - © SIPAZAuf der anderen Seite versucht das Pueblo Creyente, die Polarisierung und Spaltung der sozialen Struktur zu überwinden, was in großem Maße eine Folge der Jahre des Zermürbungskriegs nach dem zapatistischen Aufstand ist.

eswegen befindet sich das Pueblo Creyente in einer tiefgreifenden Wiederaneignung, Annahme und Wiederentdeckung seiner Vergangenheit dar, hauptsächlich als Maya-Völker, obwohl die Synode von Mestizen und Indigenen spricht. Ein Repräsentant einer Region sagt, dass sie sich im Prozess der „Wiederaneignung der Vergangenheit, von etwas, das verloren ging“ befinden. „Bis zur Art und Weise wie sie beten, mit dem Maya-Altar, an Wasserquellen, oder nach der Maisaussaat auf der milpa zu beten. All dies ist etwas, das an vielen Orten verloren ging, an anderen wiederum nicht.“ Er erwähnt auch einen anderen wichtigen Aspekt im Anhören der Älteren: „Es ist wichtig, die Ältesten der Gemeinde nicht zu vernachlässigen, denn sie sind die Weisen.“ Oder die Art und Weise der Selbstregierung wiederzugewinnen, eigene Regierungsstrukturen zu stärken nach den Erfahrungen der Vorfahren.

Von der Zukunft träumend

Ausgehend von konkreten Situationen und nicht etwa von Kampfformen, ist es das Leben, das auf dem Spiel steht. Deshalb müssen wir uns auf die Suche begeben. Im aktuellen Kontext ist es politisch einen Pilgermarsch zu veranstalten, dies bedeutet sich politisch zu äußern. Die Frage, die wir uns stellen ist, wie wir diese Kraft beibehalten und wie wir die Dinge erkennen, die sie gefährden. Es stellt sich bereits jetzt die Frage über Land und Territorium, biologischen Anbau, genverändertes Saatgut. Die Zukunft nähert sich.

Foto: Pilgermarsch des Pueblo Creyente en 2008 - © SIPAZ

Während der 18. Versammlung wurde deutlich, dass sich die Zukunft von der selben Anhöhe erblicken lässt, von der aus man die Vergangenheit erkennen kann. Es wird betont: „Wir klagen die ungerechten Strukturen an, Herrschaftssysteme, ungleiche Beziehungen, das, was die Natur zerstört und uns daran hindert, freie Frauen und Männer zu sein.“Ein Mensch der Zukunft zu sein bedeutet jetzt schon zu handeln, sie zu leben, ihr eine Bedeutung zu geben. Meine Lebenserfahrung liegt auf dem Weg der Zukunft.“ „In der Zukunft muss es Vielfalt geben, Kooperation, Öffnung und Annäherung, Toleranz und Respekt. Ähnlichkeit ist nicht notwendig, dafür aber Respekt und Verständnis“.

Man sagt, dass die Kraft des Pueblo Creyente darin liegt zu spüren, dass „es nicht das Gleiche ist, Opfer zu sein oder die Ungerechtigkeit zu fühlen. In diesem Sinne ist das Pueblo Creyente beides“ und es kann sich zu einem offenen Nerv wandeln, der sich mit dem Leiden verbindet. Es besitzt die Fähigkeit, die Leute zu stärken, die sich ihm durch den Glauben nähern. „Es sind sehr überzeugte Menschen, ohne Angst vor Schmerz oder Hitze“. Der Glaube, so die selbe Person, „liegt im Widerstand. Man muss sich dem widersetzen und gegen das ankämpfen, was die Menschen zu zerstören versucht.“

Als Zeuge und Protagonist des „lebendigen Glaubens“ ist das Pueblo Creyente eine historische und gegenwärtige Konstruktion. Dies geschieht nicht zwingend über „die Besetzungen von Landkreisämtern oder sichtbaren Aktionen“ sondern über eine tiefgreifendere Veränderung.: „Es ist etwas Inneres, ein Gebet oder eine Art des Betens, die Dich für den Moment des Lebens sensibilisiert. Es geht darum dies wiederzuerlangen, das mechanische und soziale, bis zu einem gewissen Punkt entfremdete Gebet, das nur um etwas bittet, zu verändern, sodass stattdessen um eine Begegnung mit dem Transzendenten zu bitten“.

Altar Maya en la Asamblea del Pueblo Creyente - © SIPAZ

Maya-Altar in der Versammlung des Pueblo Creyente - © SIPAZ

<< vorhergehend << Dokumente

Ir hacia arriba

:: ARTIKEL

Es spricht „Die Stimme von El Amate“

„Viele Grüße an die, die mit uns sind und über ein politisches Bewusstsein verfügen. Sicherlich haben wir Probleme mit der Regierung, dennoch leisten wir weiterhin Widerstand, Ihr leistet weiterhin Widerstand. Auch deshalb viele Grüße von diesem Ort. Man darf keine Angst davor haben, dass sie den Körper umbringen, vielmehr muss man das fürchten, was Körper und Geist umbringt. Vor dem Menschen darf man keine Angst haben. Die geistige Übung, die wir stets vollbringen müssen, ist die von David und Goliath, zu wissen, dass man immer gewinnen kann.“

Alberto Patishtán, Gefangener

Alberto Patishtán - Cortesía de CDHFBCSeit dem Hungerstreik, den 48 Insassen aus drei Gefängnissen im Bundesstaat Chiapas zwischen März und April des vergangenen Jahres führten (siehe SIPAZ Bericht Jahr XIII Nr. 2, Mai  2008), sind 15 Monate vergangen. Einige von ihnen waren Teil von „Die Stimme von Los Llanos“, da sie im Gefängnis von San Cristóbal de Las Casas saßen, dessen offizieller Name „Staatliches Zentrum zur Sozialen Wiedereingliederung Verurteilter (CERSS) Nr. 5, ’Los Llanos’” lautet. Andere waren in „Die Stimme von El Amate“ organisiert, des “CERSS Nr. 14, ’El Amate’”. Beide Gruppen waren Teil der von der EZLN ausgerufenen Anderen Kampagne. Mittlerweile sind fast alle Gefangenen der beiden Organisationen freigekommen. Alberto Patishtán, eines der Gründungsmitglieder von „Die Stimme von El Amate“ und mittlerweile der einzige dieser Gruppe, ist der letzte verbleibende Gefangene. Jetzt ist er „Die Stimme von El Amate“.

Er wurde am 19. Juni 2000 verhaftet und wegen Hinterhalt, illegalen Waffenbesitzes und Mord an Polizisten in seinem Landkreis El Bosque angeklagt. Laut dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas und anderen, die den Fall verfolgt haben, tauchten während des Prozesses viele Unregelmäßigkeiten auf, die auf seine Unschuld schließen lassen. Da die ihm vorgeworfenen Taten unter föderales Recht fallen, befand er sich nicht unter den Gefangenen, deren Fälle die chiapanekische Regierung - angesichts des Drucks von Seiten der Gefangenen sowie der nationalen und internationalen Solidarität – über den Mechanismus eines Runden Tisches überprüfen ließ, woraufhin knapp 300 Gefangene wegen Unschuld oder Verfahrensfehlern während ihrer Prozesse freikamen.

Foto: Alberto Patishtán - Mit freundlicher Genehmigung des CDHFBC

Alberto Patishtán ist Tsotsil-Indígena und arbeitete, bevor er festgenommen wurde, als Lehrer, weshalb er den Spitznamen „Der Lehrer“ trägt. Außerdem ist er Katechet, und dieses Amt nimmt er auch innerhalb des Gefängnisses wahr. Zur Zeit sitzt er im CERSS Nr. 5, wohin er aus „El Amate“ im April diesen Jahres verlegt wurde. Seit dieser Verlegung hat SIPAZ ihn zweimal besucht, weshalb wir hier über die Gespräche mit ihm berichten wollen.

Was seine rechtliche Situation betrifft, so der „Lehrer“, versuche seine Verteidigung zur Zeit Bewegung in seinen Fall zu bringen. Es solle erreicht werden, dass der Fall von der föderalen an die bundesstaatliche Ebene übergeben wird, damit die Freilassung Patishtáns beschleunigt werden könne. Obwohl die Anfrage schon gestellt sie, mache das Verfahren keine Fortschritte. Patishtán sagt, dass es in „Nr. 5“ (also im CERSS Nr. 5) keine „precisos“ gebe wie in „El Amate“: eine Gruppe von Gefangenen, die mit Einverständnis der Gefängnisaufsicht die anderen Insassen kontrolliert und ihnen Geld oder Arbeitsdienste abverlangt, um diese im Gegenzug nicht anzugreifen oder zu misshandeln. 

Es ist beeindruckend, ihn so mit seinem Lächeln und seiner ruhigen Stimme zu sehen. Mit seinen Worten und seinem Blick bringt er die Kraft und den Willen zum Ausdruck, die er in sich trägt. Obwohl er neun Jahre im Gefängnis verbracht hat, ist er des Kämpfens nicht müde.  Er sagt, dass dieses Bewusstsein aus seinem Glauben herrühre: “Die Kraft, die Geduld, die ich erlangt habe, ist ein Mittel, um weiterkämpfen zu können. Als ich hier ankam haben mir viele gesagt: 'Wie gut, dass du gekommen bist, wir brauchen dich, wir wollen dich hier'. Warum?, frage ich mich. Genau wie in der Kirche, als ich dort ankam, öffneten sie mir die Türen.“

Die Bewusstseinsbildung der anderen Gefangenen ist eine weitere Aufgabe, der sich Alberto Patishtán widmet: Im CERSS Nr. 5 erleben viele ähnliche Situationen wie er, sie sind Indigene, aber es gibt auch Mestizen. Sie wurden zu Strafen zwischen 15 und 30 Jahren verurteilt. Es gibt viele intra-familiäre Fälle. Und Fälle von Folter, die dann zur Unterschreibung eines „Geständnisses“ führen. Er erzählt, dass ihm viele vertrauen, sie suchen ihn wegen allem Möglichem auf und fragen: „Was wird passieren?“...

Alberto Patishtán glaubt nicht mehr an die politischen Parteien, er sagt, dass sie die Menschen als „Treppe“ benutzen. In den Unterhaltungen im Gefängnis „wird von den Parteien gesprochen und am Ende kommen sie zu dem Schluss, dass alle gleich sind. Wenn sie das verstehen, werden sie auf einmal wütend“. Die indigene Autonomie scheint für ihn dagegen der richtige Weg zu sein. In den Unterhaltungen wird auch davon gesprochen, wie sie ihre eigene Kultur verloren haben und dass diese wiederzufinden „einen sehr wichtigen Schritt im Bewusstsein darstellt“. Er weist darauf hin, dass sie als Indígenas weiterhin unter Diskriminierung zu leiden haben: „Sie ignorieren uns, weil wir Indigene sind, weil wir Tsotsil sprechen, und weil wir keine Bildung haben. Und das spielt sich auch im eigenen Dorf ab, denn die, die Geld haben, verlassen die Gemeinde oder gehen in die Politik“. Daher erklärt sich vielleicht, dass „der Lehrer“ sagt, es sei noch viel zu tun und dass das Traurigste im Gefängnis sei, dass die Menschen sich nicht wehren wollen: „Sie können kein Spanisch und sich nicht ausdrücken, deshalb schweigen viele. Aber andere haben den Willen und die Hoffnung eines Tages freizukommen. “

Der „Lehrer“ sagt, dass der Kampf weitergehen müsse, stehen bleiben bedeute einen Schritt zurückzugehen: „Der Kampf ist ein Konzept, das viele Dinge beinhaltet: die Ungerechtigkeit innerhalb des Gefängnisses, die Gefangenen, die dort leiden, oft ohne Medikamente. Die Situation hier und draußen ist die gleiche, aber auch hier drinnen müssen wir anfangen.“

Ir hacia arriba

:: SIPAZ – AKTIVITÄTEN

von April bis Mitte Juli 2009

Internationale Präsenz und Begleitung

Chiapas

Nördliche Zone

Im Mai besuchten wir verschiedene Gemeinden und Städte der nördlichen Zone in Chiapas, um verschiedene Akteure der Region zu treffen: Führungspersönlichkeiten verschiedener politischer Gruppen, Regierungsvertreter, Kirchenmitglieder, Gemeinde- und Landkreisvertreter sowie zapatistische Unterstützungsbasen.

Hochland

Im Mai besuchten wir den Autonomen Rat im autonomen Landkreis Magdalena de la Paz (offizieller Landkreis von Aldama), um über das Agrarproblem/Landproblem in diesem Landkreises zu sprechen. Im selben Monat besuchten wir auch den Autonomen Rat in Polhó (offizieller Landkreis von Chenalhó), um über den dort vorherrschenden Kontext zu sprechen.

Urwaldregion

Am 25. und 26. Mai nahmen wir an einem Treffen indigener und sozialer Organisationen der Urwaldregion und der Region Bachajón teil, das in Pataté de Chilón stattfand und gemeinsame Probleme der Regionen thematisierte, die mit der Verteidigung von Land und Territorium zu tun haben.

Im Mai und Juni besuchten wir verschiedene Gemeinden des autonomen Landkreises Comandanta Ramona, wo öko-touristische Ressourcen/Strukturen/Infrastruktur zu Konflikten geführt hatten.

Ende Mai begleiteten wir als Beobachter die Demonstration der Bewohner der Gemeinde San Sebastián Bachajón, der im Rahmen eines nationalen und internationalen Tags von Demonstrationen, Versammlungen und kultureller Aktivitäten stattfand, um die Freiheit für sieben inhaftierte Tseltal-Indigene der Gemeinde zu fordern. Fünf von ihnen wurden im Juli freigelassen.

Zentrum

Am 4. und 5. Mai nahmen wir am 2. Jahrestag der Landaneignung durch einen Teil der Bewohner der Gemeinde Cruztón teil.

CARACOLES/EZLN

Zwischen April und Juni besuchten wir vier der fünf Caracoles der Zapatistas.

Am 20. und 21. Juni nahmen wir am Ersten Kontinentalen Treffen gegen die Straffreiheit statt, das im Caracol der Zapatistas in Morelia stattfand. Mehr als 300 Personen aus verschiedenen mexikanischen Bundesstaaten sowie aus anderen Staaten Lateinamerikas und der Welt nahmen daran teil.

Oaxaca

Am 17. und 18. April nahmen wir am Forum „Widerstand bilden zur Verteidigung unseres Territoriums“ in der Gemeinde San Pedro Apóstol, Ocotlán mit mehr als 400 Personen teil. Indigene Gemeinden aus Oaxaca und anderen Bundesstaaten, sowie staatliche, nationale und internationale Organisationen versammelten sich, um über die großen „Entwicklungs“- und Investitionsprojekte und die staatliche Politik, die ihr Territorium und ihre natürlichen Ressourcen gefährden, zu sprechen. Am 17. April waren wir auch auf einer Pressekonferenz in Oaxaca-Stadt präsent, wo mehr als 20 Organisationen die Mordfälle an Frauen anklagten und die Aufklärung der Frauenmorde in Oaxaca forderten. In den vorangegangenen Tagen trafen wir verschiedene Partnerorganisationen in Oaxaca Stadt.

Guerrero

Ende April nahmen wir am „Internationalen Forum gegen die Kriminalisierung der Verteidigung der Menschenrechte und des Sozialen Protestes“ in Chilpacingo teil, organisiert von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen in Guerrero und der US-amerikanischen „Stiftung für einen angemessenen juristischen Prozess“ (DPLF). Das Ziel des Forums war die Analyse der gravierenden Situation, in der sich die Menschenrechtsaktivisten in Mexiko und in Guerrero im Besonderen befinden, sowie die Ausarbeitung möglicher Lösungsansätze.

Am 26. und 27. Juni nahmen wir am Forum “Menschenrechtsverteidiger: zwischen Schmerz und Hoffnung” teil, das im Rahmen des 15. Jahrestages des Menschenrechtszentrums  Tlachinollan stattfand und an dem mehr als 250 Personen aus nationalen und internationalen Organisationen sowie Gemeinden aus Guerrero teilnahmen.

Öffentlichkeitsarbeit/Lobbyarbeit

Im April trafen wir in Mexiko Stadt einen Vertreter der US-amerikanischen Botschaft, um über die Rechte indigener Völker zu sprechen.

Im Juni setzten wir uns in Mexiko Stadt mit der Beauftragten für politische Angelegenheiten und Menschenrechte der Deutschen Botschaft zusammen. Wir machten unsere Besorgnis über die sozio-politischen Situation und im Hinblick auf die Menschenrechte in Chiapas deutlich.

Verschiedenes

Am 16. und 17. Mai nahmen wir an einem Treffen verschiedener Organisationen aus sieben mexikanischen Bundesstaaten teil, das zur Gründung des “Nationalen Netzwerks des zivilen Widerstands gegen hohe Stromtarife” führte.

Am 5. Juni nahmen wir am Forum “Graffiti, Jugendkultur und Umdeutung des öffentlichen Raumes” teil, welches in San Cristóbal stattfand. Über das Thema des Graffiti hinausgehend, wurde die Wahrnehmung der Rechte Jugendlicher sowie die Art und Weise des gewünschten Zusammenlebens in San Cristóbal thematisiert, insbesondere deshalb, weil diese Stadt einen urbanen Raum darstellt, der in erster Linie die Interessen der Tourismusbranche zu vertreten scheint.

Im April und Juli besuchten wir Alberto Patishtán, der im Gefängnis von San Cristóbal in Haft sitzt (siehe Artikel).

Am 9. und 10. April besuchten wir Gemeinden im Landkreis Chicomuselo, die von Minenprojekten betroffen sind.

Förderung des Friedens

Friedenserziehung

Am 14. und 15. Mai nahmen wir an einem Workshop zu Gender und Frieden zusammen mit Aktivisten des Projekts “Frieden und Versöhnung” von CMC-Holland in San Cristóbal teil.

Im Mai nahm ein Mitglied von SIPAZ an einem Workshop der „Friedensschule“  von SERAPAZ (Dienst und Beratung für Frieden) in Mexiko-Stadt teil.
Anfang Juni nahmen wir an einer ökumenischen Gebets- und Diskussionsrunde der “Ökumenischen Gruppe zur Analyse von der Lage der Tatsachen“, der wir angehören, teil.

Im Juni organisierten wir zwei Workshops zu Menschenrechten und Frieden für Personen, die in Stadtvierteln von San Cristóbal organisiert sind.

Artikulierung

Am 18. Mai organisierten die „Kommission für die Unterstützung von gemeinschaftlicher Einheit und gemeinschaftlicher Versöhnung“ (CORECO), das Menschenrechtszentrum „Fray Bartolomé de Las Casas“, SERAPAZ und SIPAZ einen öffentlichen Raum zur Reflexion und Analyse zum Thema “Gefährdung von Land und Territorium von Indigenen und Bauern im Südosten Mexikos” in San Cristóbal mit knapp 200 TeilnehmerInnen.

Teilnahme an den monatlichen Treffen des “Netzwerks für den Frieden”, ein Aktions- und Diskussionsraum, bestehend aus 16 Organisationen, der zu den Themen Frieden, Entwicklung und Menschenrechte arbeitet.

Vom 1. bis 3. Juli nahmen wir an der 18. Versammlung des “Gläubigen Volkes” teil (siehe Schwerpunkt).

Information

Wir empfingen Delegationen, StudentInnen, JournalistInnen und Einzelpersonen, die Interesse an der politischen Lage in Chiapas und der Arbeit von SIPAZ hatten.

Mitte Juli hielten wir einen Vortrag über die Rechte indigener Völker im Rahmen der ersten „Tage der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, umweltpolitischen und indigenen Rechte“ in San Cristóbal.

Am 19. Mai nahmen wir am Forum „Militärische Kooperation, demokratischer Prozess und Menschenrechte“ des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez (Centro ProDH) teil.

Ir hacia arriba

 

Bitte unterstützen sie SIPAZ: ihre Spende ermöglicht weiterhin internationale Präsenz und Beobachtung durch das SIPAZ Team in den Regionen Chiapas, Oaxaca und Guerrero.

Wir brauchen ihre Hilfe


HAUPT
Avenida Chilón #8
Barrio El Cerrillo
San Cristóbal de las Casas
29220 Chiapas, México
Tel/Fax: (+52.967) 63-160-55
SIPAZ.ORG © 1995 /
Last Update: