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NEUE ALARMBEREITSCHAFT IN LA PAROTA (GUERRERO, MAI 2007)

Das Staudammprojekt La Parota wurde vom mexikanischen Staat vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen und ist, da es 21 Ortschaften, darunter 17 Gemeinden und 3 Gemeinschaften der Kooperative betrifft, eines der größten Staudammprojekte der Welt. 17.300 Hektar produktiven Agrarlandes laufen Gefahr, überflutet zu werden. Mehr als 100.000 Menschen sind durch den Bau des Staudammes betroffen. Nach Angaben des Zentrum für Menschenrechte de la Montaña Tlachinollán werden 25.000 Menschen direkt betroffen sein und umgesiedelt werden müssen, weil ihre Ländereien überflutet werden - die CFE hingegen erachtet nur 3.000  Menschen als direkt betoffen an.Hinzukommend wird die geplante Umleitung des Flusses 75.000  Personen von der Wasserversorgung abschneiden, insbesondere Bauern, die auf die Bewässerung ihrer Anbauflächen angewiesen sind. Die CFE sieht keine Schadenersatz-Regelungen für diese indirekt Betroffenen vor.(1)

Nach (CIEPAC) Centro de Investigaciones Económicas y Políticas de Acción Comunitaria, Zentrum für wirtschaftlichen und politische Forschung zur Gemeindeaktion, ist es ein Ziel des Staudammeprojektes, die hieraus resultierenden Energiemengen an die großen touristischen Zentren, an die Städte -in erster Linie Acapulco- und an die rohstofffördernde Industrie zu liefern und dabei die Entwicklung und Bedürfnisse der Dörfer nicht zu berücksichtigen. Auch beabsichtigt das Projekt, den Süden der USA mit Strom beliefern zu wollen und sich ferner dem nationalen sowie dem mittelamerikanischen Versorgungsnetz  anschliessen zu wollen.

Die gesellschaftliche Spaltungen und Polarisierungen, die aufgrund dieses Projektes entstanden sind, haben in den letzten Jahren zu mehreren Toten, Schwerverletzten und Festnahmen geführt. Die Auseinandersetzungen während der Versammlungen haben ebenfalls zu Verletzten geführt.

Stavenhagen

Der legale Kampf seit 2005

2005 wurden mehrere Gemeindeversammlungen abgehalten, um Zulassung oder Ablehnung der Projekt-Ingangsetzung zu diskutieren. Jedoch wurden diese Versammlungen von 4 Gemeinden angefochten: Cacahuatepec, Los Huajes, La Palma und Dos Arroyos - Gemeinden in denen die Bauern angeblich ihr Einverständnis zur Enteignung ihrer Ländereien gegeben haben sollen. Die Entscheidungen über die Rechtsmäßigkeit von dreien dieser Versammlungen stehen noch aus. Die Versammlung in Cacahuatepec am 27 März 2007, wurde als unrechtmäßig anerkannt. Hastig wurde eine neue Vesammlung in Cacahuatepec am 6 Mai 2007 ins Leben gerufen, in welcher SIPAZ als Beobacher teilnahm.

Die AktivistInnen der Gruppe Versammlung von Gemeinden und Gemeinschaften gegen “la Parota” (CECOP) verlangen, dass ein Beteiligungprozess durchgeführt werden soll, der alle Betroffenen miteinbeziehen und in welchem präzise und unparteiisch über die Wirkung des Projektes informiert werden soll sowie die Betroffenen entschädigt werden. Hiermit sind nicht nur diejenigen gemeint, die in den Abstimmungslisten der Gemeindeversammlungen erscheinen, sondern auch die Bewohner und Besitzer der betroffenen Ländereien. Im Rahmen der Forderungen zur Ungüligkeitserklärung der 4 (angeblichen) unrechtsemäßigen Versammlungen, wurden im September 2006 verschiedene richterliche Urteile zugunsten von CECOP gefällt, die die CFE und jede Art von staatlicher und föderaler Autorität daran hindern sollen, in die Gebiete dieser 4 Gemeinschaften einzudringen und jegliche Form von Arbeiten, die mit dem Staudammprojekt in Verbingung stehen zu beginnen, während die entspechenden juristischen Prozesse noch nicht beendet worden sind. Dennoch werden in dem besagten Gebiet momentan schon die ersten befestigten Strassen gebaut um den Bau des Staudammes zu ermöglichen.

© SIPAZVerschieden Akteure haben die Gemeindeversammlungen, die von den föderalen und staatlichen Regierungen ins Leben gerufen wurden, aufs Äußerste kritisiert, da es sich nicht um Beteiligungs-Mechanismen sondern vielmehr um Mechanismen zur Durchsetzung/Aufdrängung des Staudammprojektes handle, der gegen das Agrargesetz verstoße.

Reaktionen internationaler Organisationen

Im März 2006, ging die CECOP mit ihrem Fall vor das lateinamerikanische Wasser Tribunal (TLA), das Position gegen den Bau des Staudammprojektes bezog und dessen Stillstand empfiel. Veschieden Instanzen der UNO haben ihre Besorgnis geäußert und Unrechtmäßigkeiten des Projektes angeprangert. Rodolfo Stavenhagen, Sonderreferent zur Situation der Menschenrechte und der grundlegenden Freiheiten der indigenen Geimeinschaften, prangerte die “Missbräuche und Verletzungen gegenüber den indigenen Bauern des Staates Guerrero an, die sich gegen den Bau des Projektes des Staudammes La Parota in ihrem Gebiet wehren, welches der Staat beharrlich durchführen will, ohne die (freie) Einwilligung der Bevölkerung. ”

Im Mai 2006, aüßerte das Komitee wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte der Vereinten Nationen seine Besorgnis gegenüber dem Fehlen einer Rücksprache und Beratung mit den indigenen Gemeinschaften, beispielsweise bezüglich der Umweltschäden, die mit diesem Projekt einhergehen. Anfang März  besuchte der mexikanische Repräsentant der Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Amerigo Incalcaterra, das Gebiet des Projektes La Parota um sich mit der ansässigen Bevölkerung der Gemeinden von Garrapatas und Tasajeras zu treffen und stellte fest, dass es seitens des Projektes an Informationen und transparenter Beratung mangelt.

Amnesty International berichtet bereits seit 2004 von der Gewalt die das Staudammprojekt La Parota umgibt, vornehmlich von der Tötung dreier Personen und Verletzten sowie den Mordrohungen gegenüber eines lokalen Aktivisten. Die Organisation hat bisher noch keine wissenswerten Informationen darüber erhalten können, ob sich bei offiziellen Ermittlungen bezüglich dieser Vorfälle Fortschritte ereignet hätten.

Am 2. Mai 2007 äußerte Amnesty International "Angst um die Sicherheit" der Mitglieder der  Organisation CECOP,  “deren Leben in Gefahr sein könne” aufgrund ihres Widerstandes gegenüber des von der Regierung initiierten Staudammprojektes. Amnesty International stellte die Versammlung, die am 6 Mai in Cachuatepec  realisiert wurde von vornherein in Frage und prognostizierte bereits im Voraus Gewaltanwendung gegenüber den Gegnern des Projektes.

  1. Talchinollán Volver

Pressebericht der Misión Civil zur Beobachtung der Versammlung am 6 Mai 2007 des Projektes La Parota.

SACHVERHALT

Die zivile Mission zur Beobachtung des Projektes “La Parota”, insgesamt bestehend aus 36 Personen aus 16 Organisationen und nationalen sowie internationalen Netzwerken, war in dem vom Bau des Staudammes betroffenenem Gebiet am 5. und 6. Mai zugegen, und wünscht der öffentlichen Meinung einige während der Versammlung beobachtete Aspekte mitzuteilen.

Die Agrarversammlung, die für den besagten 6.Mai in San Juan Grande, Gemeindebezirk von Acapulco, einberufen wurde, hatte nach dem Consejo de Ejidos y Comunidades Opositores a la Parota, Rat der Ejidos und Gemeinden in Opposition zur Parota (CECOP), die Enteignung der Ländereien der Anwohner zum Ziel um mit dem Bau des Megaprojektes “La Parota” zu beginnen. Mit dieser Versammlung wurde versucht, die Versammlung die am 23 August 2005 in San Marcos stattfand, wiederherszustellen, die am 27 März 2007, durch das Agrartribunal zugunsten der Gegner dieser Tagung, annuliert worden war.

Angesichts dieser neuen Versammlung und angesichts einer möglichen Unterdrückung oder Provokationen seitens der Autoritäten, haben wir eine zivile Beobachtungsmision realisiert, mit dem Ziel die Vorgehensweise der Agrarversammlung zu überprüfen. Diese Mission gibt Antwort auf eine nationale sowie internationale Alarmbereitschaft, hervorgerufen durch die CECOP und vorangetrieben durch 47 zivilgesellschaftliche Organisationen, sowie nationale und internationale Netzwerke.

BEOBACHTUNGEN

Die Zivilmission hat folgende Beobachtungen gemacht.

1.- In erster Linie ist es von Interesse, aufzuzeigen, dass es sich um eine Versammlung handelte, deren Einberufung aus folgenden Gründen rechtswidrig war:

Zum einen haben wir, durch die eingeholten Zeugenaussagen verschiedener Einwohner, Nachricht erhalten, dass die Einberufung der Versammlung nicht an den meist sichtbaren und gemeinhin bekannten Einrichtungen der Gemeinde veröffentlicht wurde, so wie es der Artikel 25 des Agrargesetzes vorsieht.

Zum anderen fand die Versammlung an einem anderen als den von den Einwohnern durch Sitten und Bräuchen bekannten Orten statt. Normalerweise werden nach Tradition Versammlungen solcher Art in dem Hauptgebäude der Gemeinde-Einrichtungen Cacahuatepecs abgehalten.

2.- Bezüglich der Durchführung der Versammlung haben wir folgendes festgestellt:

Die Runde wurde einberufen, ohne dass das Kommissariat das offizielle Einwohnerverzeichnisses herangezogen hat, entgegen der Hinweise des Agrargesetzes.

Hinzukommend deutete die Agragrbehörde eifrig auf die Registrierung hin und nur zwei Personen schrieben sich ohne jegliche Identifikation oder Dokumente ein, die sie als Comuneros hätten bestätigen können.

Kurz darauf, ohne die Liste aufgerufen zu haben, gab das Kommissariat die Versammlung als aufgehoben an, indem es bekanntmachte, dass die Mindeststimmenzahl nicht erreicht worden sei,  da einzig 543 Anwohner anwesend waren. Eine Zahl die nicht untermauert werden konnte, angesichts der Tatsache dass niemals aufgerufen worden war.

Fünfzehn Minuten später, nachdem die Funktionäre angekommen waren, zogen sie sich zurück und unterschrieben auf diesem Wege eine Einberufung für eine zweite Versammlung, die in jeder Hinsicht schon im Vorraus geplant war. Der Beweis dessen ist die Tatsache, dass sich die besagte Einberufung durch die Außerkraftsetzung der ersten Versammlung aufgrund von “Gewalttaten” rechtfertigte. Hier ist es von Interesse hevorzuheben, dass es in dem ganzen Prozess keine Gewalt gab, gechweige denn Versuche physische Gewalt anzuwenden, wie das von der Zivilbeobachtungsmission erhobene Photo- und Videomaterial sowie Zeugen bestätigen. Dies zeigt deutlich die Widersprüchlichkeit mit den vom Komissariat geschilderten Argumenten zur Außerkraftsetzung der Versammlung auf.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN UND VORSCHLÄGE

      1. Die Mission erkennt diese Form von Versammlungen, nach dem was die Verordnungen der ILO Konvention 169 vorschreiben, nicht als adäquaten Beratungeschanismus an. In Übereinstimmung mit den Informationen, die uns von den Gemeindeeinrichtungen Cacahuatepec vorliegen, existieren 43.000 Einwohner. In dem Einwohnerverzeichnis sind jedoch nur 7.280 Comuneros registriert; infolgedessen wird deutlich, dass diese Versammlungen die Mehrheit der Bevölkerung, die vom Projekt betroffen sein kann, ausgeschliesst.
      2. Wir stellen fest, dass diese Versammlung aus den oben aufgeführten Gründen rechtswidrig war.
      3. Die Zivilbeobachtungsmission drückt ihre Besorgnis aus, dass die Versammlung nicht mit bestem Wissen und Gewisssen organisiert wurde und dies das Ziel haben kann, die Gegenbewegung des Staudammprojektes ausbooten zu wollen, in dem es sie kriminalisiert und auf dies Weise versucht mögliche Gewaltanwendung und Unterdrückung zu rechtfertigen. Hinzukommend wird so versucht, die Präsenz der Staatsgewalt für zukünftige Versammlungen zu rechtfertigen, um das Projekt durchzusetzen.
      4. Es beunruhigt uns, dass mit der Außerkraftsetzung der Gemeindeversammlung bei zukünftigen Versammlungen noch geringere Abstimmungszahlen ausreichen könnten, um gültig zu sein, was seitens der Autoritäten als Strategie genutzt werden kann um die Durchsetzung des Projektes zu erleichtern.
      5. Wir stellen fest, dass es keinerlei Anzeichen von Gewalt der anwesenden Gruppen gab, und dass die Gegenbewegung mit ihrem friedlichen und legalen Kampf für die Verteidigung ihrer Rechte als (indigene) Völker fortfährt.
      6. Wir sehen mit Beunruhigung, dass mit falschen Vorwürfen der Gewaltanwendung  seitens opponierender Gruppierungen Aktionen wie Schikanen, Drohungen und Unterdrückungen seitens der Autoritäten gerechtfertigt werden.
      7. Wir verlangen, dass man den von dem Bau des Staudammprojektes “La Parota” betroffenen Gemeinden vollständige, richtige und unparteiische Informationen über das Projekt und Schadensersatz garantiert, sowie, dass die Gegner des Projektes nicht bedroht werden und ihre legitimen Proteste gegen den Bau des Staudammprojektes durchführen können. Wir verlangen die Befolgung der internationalen Verträge und Abkommen der Menschenrechte, unterzeichnet und ratifiziert vom Staat Mexiko.
      8. Wir schlagen vor die noch anstehenden Versammlungen öffentlich abzuhalten, wie es das Agrargesetz vorsieht, und auf diese Weise der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft die Beobachtung der Vorgehensweisen zu ermöglichen.
      9. Die Beobachtungmission sieht mit Besorgnis, dass Gemeindeversammlungen die auf solche Weise realisiert werden, ein Faktor für die Verstärkung von Konfrontation und Gewaltanwendung zwischen verschiedenen Gemeinden die dem Projekt entgegenstehen oder es befürworten, sein können
      10. Die Beobachtungsmission setzt sich für eine Weiterverfolgung in der nächsten Versammlung am 20 Mai ein und ruft die Öffentliche Meinung, sowie die Zivilgesellschaft dazu auf, wachsam und offen zu sein gegenüber den Geschehnissen, die sich im Kontext zur Durchsetung des Projektes La Parota, ereignen.

    Zivile Beobachtungsmission:

      • Raum für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte und Beratung für Frieden Espacio por los derechos Económicos, Sociales y Culturales, Servicios y Asesoría para la Paz (SERAPAZ)
      • Amnesty Intertional – Sektion Kanada
      • Internationaler Friedensdienst, Servicio Internacional para la Paz (SIPAZ)
      • Netzwerk ziviler Menschenrechtsorganismen “Alle Rechte für Alle”, mexikanische Menschenrechtsliga Red de organismos civiles de Derechos humanos “Todos los derechos para Todos y Todas”, Liga Mexicana de Defensa de los Derechos Humanos (LIMEDDH)
      • Zentrum Ollin Mexica
      • Zentrum für soziale und kulturelle Studien Antonio de Montesinos (CAM)
      • ADHEM
      • Food First International Action network ofna. México (FIAN),
      • RADAR
      • Netzwerk Gender und Handel Red Género y Comercio (REDGE)
      • Calpulli Tlatoani,Unión Popular Revolucionaria Emiliano Zapata (UPREZ)
      • Vereinigung der Familien von gefangenen Verschwundenen und Opfern von Menschenrechtsverletzungen Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos y Victimas de Violaciones a los Derechos Humanos en México (AFADEM)
      • Hijas de la Caridad de San Vicente de Paul, Álvaro Urreta (comunero de Tlanepantla, Morelos)
      • Paulina Fernández (Investigadora y académica de la UNAM

© LA JORNADA - Javier Verdín

Ante decenas de observadores nacionales e internacionales y con algunos conatos de enfrentamiento se intentó realizar la tercera asamblea de ejidatarios que podrían resultar afectados por la construcción de la hidroeléctrica La Parota. El comisario ejidal Jesús Crisanto dijo que se decidió posponer la reunión por falta de quórum
(© LA JORNADA - Javier Verdín)

 

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