BRIEF VON FELIPE ARREAGA
Petatlan, Guerrero 21. September 2005
AN ALLE MENSCHEN UND ORGANISATIONEN, DIE FÜR MEINE FREIHEIT GEKÄMPFT HABEN
Ich möchte dieses Medium nutzen, um schnell und direkt alle Menschen und Organisationen zu erreichen, die an meine Unschuld geglaubt und für meine Freiheit gekämpft haben, damit ich Ihnen für Ihre Hilfe und Solidarität danken kann.
Ich möchte Ihnen sagen, dass ich mich während der langen Zeit, in der ich gefangen gehalten wurde, begleitet gefühlt habe, weil die Unterstützungsdemonstrationen nicht aufgehört haben.
Ich habe sehr gelitten im Gefängnis, so sehr, dass ich niemandem die Erfahrungen wünsche, die ich durchgestanden habe.
Ich habe immer gesagt, dass ich für die Dinge an die ich glaube sterben kann und dass ich nicht wanken werde in dem sauberen, legalen und selbstlosen Kampf, zu dem ich mich entschlossen habe. Ich glaube nicht an Gewalt und ich denke, dass die Erziehungsarbeit und die Arbeit der Bewusstseinsbildung leichter im Frieden als im Krieg zu leisten sind.
So war mein Verhalten in all den Jahren, in denen ich lebe. Deshalb floh ich vor dem Militär und entfernte mich von meiner Familie, als die Verfolgung grausam war. Ich habe immer an das Gesetz geglaubt und mein Kampf war darauf ausgerichtet, eine Regierung zu haben, die dem Gesetz Respekt verschafft. Aber meine Enttäuschung war groß in diesen Monaten im Gefängnis, denn ich habe gesehen, dass die Interessen der Mächtigen mehr erreichen können als der Respekt vor dem Gesetz. Ich lebte während der zehn Monate in einem Albtraum. Das Gefängnis, das ich erlitt, war eine Folter mit Wunden, die nicht heilen werden.
Als ich dass Gefängnis verließ, sah meine Frau mit Besorgnis, dass ich lief und lief, ohne stehen bleiben zu wollen, trotz der Journalisten, die mir Fragen stellten. Aus Instinkt wollte ich mich so schnell wie möglich vom Gefängnis entfernen. Jetzt bin ich immer noch verwirrt, ich fühle, dass nichts so sein wird wie vorher und dass meine Worte nicht ausreichen, um mich zu erklären.
Aber nein, ich möchte nicht, dass die die mich fälschlicherweise angeklagt haben, das erleben, was ich erlitten habe. Ich erwarte auch nicht, dass die Regierung mich entschädigt, um den Schaden wieder gut zu machen. Ich wünsche mir vielmehr, dass das Gesetz reformiert wird, damit in Fällen wie meinem nicht so viele Tage, so viele Monate vergehen müssen, bis der Richter sein Gutachten abgibt.
Die Freiheit ist ein Recht, mit dem jeder Mensch geboren wird und ich sehe keinen Sinn darin, dass der Prozess der Gerechtigkeit so verspätet und teuer erfolgt. Es zahlen die Ankläger und auch die Angeklagten. Wer gewinnt? Die Gesellschaft glaubt nicht an die Justizgewalt und hat kein Vertrauen in sie. Und die Zivilgesellschaft ist nicht dafür organisiert, um jeden Fall wie meinen zu kennen und zu beobachten, damit die Ungerechtigkeiten ein Ende nehmen.
Dies ist ein Teil dessen, was ich mit Ihnen teilen möchte zusätzlich zu meiner permanenten Dankbarkeit.
Seien Sie sicher, dass mein Kampf nicht aufhört und dass Sie auf mich zählen können, auch wenn es ein Mandat ist, das Sie benötigen. Ich werde fortfahren, durch die Sierra zu wandern und mich für Menschenrechte und eine gesunde Umwelt einzusetzen. Ich werde eng mit meiner Frau zusammenarbeiten, die Wälder beschützen und Bäume pflanzen, das ist wie Wasser zu pflanzen.
Ich grüße Sie alle mit Dankbarkeit und Anerkennung. Ich bin Ihnen verbunden und werde versuchen meiner Sache treu zu sein, das ist das Wichtigste.
Mit freundlichen Grüßen
Felipe Arreaga Sánchez
Freier Mensch, als der ich geboren wurde.
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