Lateinamerikanisches Netzwerk zum Aufbau des Friedens

a. Wie ist es entstanden ?

Wenn wir die vom Netzwerk in ihrer webseite (www.redlapaz.net) selbst beschriebene Geschichte zusammen fassen, scheint es uns wichtig folgende Etappen hervorzuheben.:

  • 1994 haben das Zentrum für Volksbildung und Forschung (CINEP, Kolumbien), das Katholische Komitee gegen den Hunger und für die Entwicklung (CCFD, Frankreich) und die Stiftung Charles Leopold Meyer für den menschlichen Fortschritt (FPH, Frankreich), vorgeschlagen ein lateinamerikanisches Netzwerk für Solidarität und Frieden, aufzubauen.
    Im selben Jahr wurde ein internationales Seminar über Verhandlungen in bewaffneten Konflikten in Kolumbien durchgeführt.
    Diese Veranstaltung erreichte eine bemerkenswerte Anzahl von Teilnehmenden mit lateinamerikanischer Erfahrungen. Allerdings war sie vor allem auf Kolumbien gerichtet.
  • 1995 wurde ein ähnliches Treffen über die Rolle der Zivilgesellschaft beim Aufbau des Friedens durchgeführt, diesmal in Gemeinschaft mit “International Alert”. Es wurde dabei auch darauf geachtet der Reflexion eine lateinamerikanische Dimension zu geben.
  • 1996 wurde zum Seminar “Zusammenleben und Solidarität in Lateinamerika”, aufgerufen, welches auch in Kolumbien statt fand. Die Ziele waren “sich durch den Austausch von Erfahrungen gegenseitig zu bereichern und die Initiativen für den Frieden in der Region durch die Ausübung von Solidarität zu stärken”. Aufgrund einer Analyse des Wiederaufbaus des Zusammenlebens, der Lage der Menschenrechte und der Beteiligung der Bevölkerung ging es darum, einen gemeinsamen Aktionsplan zu entwickeln. Die Schlußerklärung diagnostizierte, das “trotz allem was in Lateinamerika passiert ist, oder weiterhin passiert, die Bevölkerung generell gesehen, weiterhin abwesend ist von den Prozessen mit denen versucht wurde die Region zu demokratisieren. Prozesse, die von außerhalb gezeichnet und unter den obersten Führungsschichten beschlossen wurden, haben nicht erreicht ein sicheres Haus auf dem Fundament vom Respekt der Menschenrechte, demokratischer Mitarbeit, sozialer Gerechtigkeit und Frieden für alle zu schaffen.” Seit 1996 wird ein gemeinsamer Plan definiert, welcher sich auf drei Bereiche konzentriert die im Interesse aller liegen.
  • Der Kampf gegen Straffreiheit.
  • Die Friedenserziehung, als notwendigen Raum um Menschen zu befähigen einen Frieden zu erreichen. Es ging darum einen nachhaltigen Austausch über Erfahrungen, Informationen und Vorschlägen anzuregen, mit einer viel größeren Reichweite als die Schule oder Volksbildung, welche auch Strategien für den Aufbau einer öffentlichen Meinung enthält.
  • Die Durchführung regionaler Treffen

b. Aktuelle Mitglieder

Es gibt keine aktuelle Mitgliederliste. Nicht alle Organisationen haben an allen Veranstaltungen teilgenommen. Am regelmäßigsten haben 5 Länder teilgenommen (Kolumbien, El Salvador, Peru, Guatemala und Mexiko). An einigen Treffen nahmen andere Länder teil, wie zum Beispiel Honduras.

Es wurden “nodos” festgelegt, besser gesagt, Personen/Organisationen als Kontakte mit einer Schlüsselrolle in jedem der Länder die ein Teil des Netzwerkes sind. Ihre Funktion ist die Kommunikation zwischen den Treffen zu erleichtern.

c. Visión, Perspektiven

Sie wurde in keinem schriftlichen Moment festgehalten. Es ist zu sehen, das unterschiedliche Interessen und Prioritäten immer wieder neue Aktivitäten entstehen lassen. (siehe Fortführung)

d. Misión, Ziele

Auch diese wurde nicht genau festgelegt. Wir können versuchen die Vorschläge aus verschiedenen Treffen zusammen zu fassen: lokale und regionale Erfahrungen alternativer Entwicklung, neuer politischer Praxis, und der Beteiligung der Zivilgesellschaft an Friedensprozessen aufarbeiten, daraus wichtigste Lehren ziehen, und damit Strategien entwickeln für wahren Frieden je nach politischem Kontext.

e. Allgemeine Ziele

Es können wenigstens drei Gebiete festgestellt werden, die sich immer wiederholen:

  • Die Zusammenarbeit verschiedener ziviler und sozialer Akteure die sich auf nationaler, lateinamerikanischer und globaler Ebene für den Friedensprozess einsetzen.
  • Die Reifung der Konzepte und Strategien für Frieden, auf der Basis von gegenwärtigen Erfahrungen sowohl in –bezug auf interne Kriege, als auch auf soziale Kämpfe für Gerechtigkeit und Beteiligung an demokratischen Projekten – die Schlüssel, Lektionen und Kriterien herausarbeiten die uns erauben diese zu beleuchten.
  • Den Ausdruck von Erfahrungen und Bewegungen beim Aufbau des Friedens gemeinsam mit den Prozessen der betroffenen Völker.

f. Arbeitsbereiche und durchgeführte Aktivitäten.

Vor allem nach der Versammlung in Kolumbien 1996 bei dem sich das Netzwerk gegründet hat, wurden Treffen in verschiedenen Ländern Lateinamerikas organisiert.

Das erste Treffen fand im Rahmen einer regionalen Veranstaltung statt. Es war das Treffen der ErzieherInnen für Frieden und Menschenrechte ´Paulo Freire`, in Guatemala Stadt im November 1997.

Hier wurde über Friedenserziehung beraten. Aus den gemeinsamen Beschlüssen wollen wir die Vorschläge gemeinsamer Aktionen gegen Militärausgaben zum 50. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte, die Unterstützung junger Kriegsdienstverweigerer, den Kampf gegen Gewalt in der Familie etc. besonders hervorheben. Genauso wurden Regeln beschlossen in Projekten der anderen mitarbeiten zu können um Erfahrungen und Lehren zwischen den Institutionen der Region auszutauschen.

Ein zweites Treffen wurde in Mexiko Stadt im Dezember 1998 durchgeführt. Es wurde über die Rolle der Zivilgesellschaft beraten wobei das Thema in Beziehung zu Frieden, Demokratie und Entwicklung besonders vertieft wurde. Es wurde die Notwendigkeit erkannt, Aktionen genauer auf ihre Auswirkungen festzulegen die erlauben auf reale Weise die Richtung der Prozesse in den verschiedenen Ländern Lateinamerikas zu beeinflussen.

Ein drittes Treffen wurde in Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) im April 2001 durchgeführt. Das Ziel (nach 3 Jahren ohne gemeinsamen Aktionen) war die Situation der Region zu analysieren und Verpflichtungen für den Frieden neu zu definieren. Es wurde die “Notwendigkeit eines strategischen Raumes für eine lateinamerikanische Stellungnahme um die Beteiligung sozialer und ziviler Akteure, besonders der ausgeschlossenen Sektoren, im Aufbau des friedlichen Zusammenlebens, begründet in Gerechtigkeit und Würde” gefestigt.

Das vierte Treffen fand in Piura (Peru) im Mai 2002 statt. Generell gab es eine große Frustration über die Umsetzung demokratischer Prozesse, welche mit dem Wind des Neoliberalismus und seinen antisozialen Auswirkungen konfrontiert sind. Aber auch über die Friedensprozesse, die Fortschritte zur Einstellung von Gefechten erreicht haben.

Der Druck wachsende Erwartungen und legitime Rechte zu befriedigen bringt das friedliche Zusammenleben in Gefahr. Es kam zu der Schlußfolgerung, das es weiterhin notwendig sei lokale und regionale Erfahrungen auszuwerten, genauso wie die neue politische Praxis und zivile Beteiligung in den Friedensprozessen zu berücksichtigen, um daraus sachgemäße Lehren zu ziehen

2003 rief das Netzwerk von San Salvador aus zu einer Kampagne “In unserem Amerika ist ein anderer Frieden möglich” auf.

Diese sollte folgende Schritte beinhalten:

  • Integration der “nodos” des Netzwerkes und der Komitees der weiterrechenden Impulse um das “Arbeitsdokument” zu diskutieren, und anzupassen, mit dem Ziel auf nationalen Ebenen zu dieser Kampagne aufzurufen.
  • Nationale Prozesse von Treffen, Foren oder Workshops um die Diagnose über die Lage der Welt, Lateinamerikas und eines jeden Landes, Konzepte von Frieden und gezogene Lehren, Herausfordeungen und Alternativen eines neuen sozialen Prozesses für Frieden zu sistematisieren und zu vermitteln.
  • Durchführung eines nationalen Forums in jedem der Länder, die auf den Aufruf antworten. Darin sollen die Prozesse der Vorbereitungen aufgegriffen und ein nationales Dokument erarbeitet werden um es auf lateinamerikanischer Ebene auszutauschen.
  • Integration einer lateinamerikanischen Arbeitsgruppe mit interdisziplinärer Vision, die auf der Basis der nationalen Dokumente einen regionalen Vorschlag über “Soziale Konflikte, bewaffnete Bewegungen und Friedensprozesse in Lateinamerika und der Karibik” ausarbeitet.
  • Durchführung des Lateinamerikanischen Forums “IN UNSEREM AMERIKA IST EIN ANDERER FRIEDEN MÖGLICH” in Bogota. Vorgesehen ist er für Mai 2004 um den regionalen Prozeß zusammenzufassen und neue Verpflichtungen auf der Suche nach gerechtem und dauerhaften Frieden in der lateinamerikanischen Region festzulegen.

Leider hat diese Kampagne nicht die erwarteten Früchte getragen. 2004 beteiligten sich einige der “nodos” des Netzwerkes am amerikanischen Sozialforum in Quito, Ecuador. Sie beschlossen neue Anstrengung zu unternehmen um das Netzwerk wieder in Gang zu bringen.

Dieses wurde dann im FSM (Weltsozialforum) in Puerto Alegre im Januar 2005 (Durchführung eines Seminars und zweier Sitzungen der nodos) und im Forum “Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden” in San Salvador Ende März getan.

In San Salvador wurde der Romeroaufruf gestartet, welcher drei konkrete Aufgaben bis zum 5. Treffen in Kolumbien Ende Oktober, vorschlägt:

  • Den 24. März als lateinamerikanischen Tag für Frieden mit Gerechtigkeit und Würde weihen.
  • Parallel zu einer breiten Versammlung des Netzwerkes im Oktober, zu einem Forum über “Frieden, Sicherheit und Widerstand” in Kolumbien aufzurufen.
  • Eine Kommission Romero mit Persönlichkeiten, die sich zu speziellen oder allgemein den Kontinent betreffenden Konflikten aussprechen.
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