| Netzwerk für den
Frieden Chiapas
Erklärung des Netzwerks für
den Frieden Chiapas angesichts der jüngsten Äußerungen
des mexikanischen Präsidenten Vicente Fox Quezada über
den Konflikt in Chiapas
14. Januar 2005
Das Netzwerk für den Frieden Chiapas
betont, daß wir in Chiapas durchaus in einer Situation
des Krieges und des generalisierten Konflikts leben und
deshalb eine Beschleunigung und Vervielfältigung der
Konflikte erleben.
Der Konflikt in Chiapas wird nicht gelöst, indem Fertiggerichtfabriken
gebaut werden, oder mit Entwicklungsprogrammen, die nur
den Parteigängern der aktuellen Regierung zugute kommen.
Noch weniger wird er gelöst durch Pläne, die ausschließlich
internationalen Investoren nutzen und die ökologischen,
kulturellen, sozialen Schäden sowie Schäden im
Bereich der Menschenrechte ignorieren, die sie unter den
indigenen Völkern und den Armen anrichten.
Die jüngste Äußerung von
Präsident Vicente Fox Quezada, die EZLN sei ein Thema,
das "praktisch in der Vergangenheit liegt, und
alle Welt schaut nach vorn", beeinträchtigt
radikal jede zivile und politische Initiative, den Konflikt
zu lösen. Sie drückt außerdem deutlich die
Haltung der Exekutive aus, die Existenz des bewaffneten
Konflikts in Chiapas zu leugnen.
Die entfernte Möglichkeit der Rückkehr
von mexikanischer Regierung und EZLN an den Verhandlungstisch
wird dadurch unmöglich, zumindest während der
jetzigen Amtsperiode, da der Regierungschef seinem Gesprächspartner
die Geltung abspricht. Wie lange wird sich diese unverantwortliche
Haltung der Politiker fortsetzen, die vorgeben, für
das allgemeine Wohl zu arbeiten?
In der Deklaration des Präsidenten,
die keinerlei Erklärung für den Anstieg der Kasernen
und Militärbasen seit 1994 gibt, ist auch keine Erläuterung
oder Erwähnung und erst recht keine Kritik an der Präsenz,
Bedrohung und ständigen Feindseligkeit des Militärs
gegenüber der EZLN und der Zivilbevölkerung enthalten.
Dadurch negiert sie die Möglichkeit zur Entspannung
und Entmilitarisierung des chiapanekischen Gebiets. Frieden
wird nicht durch den Anstieg und die Bedrohung der Waffen
aufgebaut.
Die Erklärungen des Präsidenten
sowie des chiapanekischen Gouverneurs Pablo Salazar Mendiguchía
zeigen in aller Deutlichkeit, daß die Politik gegenüber
Chiapas nicht beabsichtigt, den Konflikt und den Krieg in
Vorschläge umzuwandeln, die die althergebrachte Marginalisierung
der indigenen Völker überwinden, sondern die militärische
Strategie der Ermüdung der EZLN und ihrer Unterstützungsbasen
verfolgt.
Wir bedauern, daß die mexikanische
Regierung, statt Bedingungen für die Lösung des
Konflikts in Chiapas und die Wiederherstellung der in der
Regierungszeit von Zedillo zerstörten Dialogstrukturen
zu schaffen, eine Strategie der Ermüdung aufrechterhält,
die Instanzen, die zur Unterstützung der Suche nach
Frieden geschaffen wurden, ineffizient läßt und
den uralten Konflikt der Nation mit den indigenen Völkern
auf eine Reihe ökonomischer Entwicklungsprogramme reduzieren
will.
Diese Strategie betrifft nicht nur diejenigen,
die damit zerstört werden sollen, sondern die gesamte
Bevölkerung: sie verschärft die Widersprüche
und die Konflikte zwischen den verschiedenen ökonomischen,
politischen, religiösen und Identitäts-Gruppen.
Wir können nicht erwarten, daß im Jahr 2005 die
Konfrontationen und Spaltungen abnehmen, sie werden im Gegenteil
weiterbestehen.
Die mexikanische Regierung zeigt einmal
mehr ihre Unfähigkeit, die zivilen und politischen
Konflikte auf kreative und alle Beteiligten einschließende
Weise zu transformieren; dies ist ein Zeichen der beschleunigten
Krise, in der sich die Nation befindet.
Auf der anderen Seite vertrauen wir darauf,
daß die Verfügbarkeit und Gewissenhaftigkeit,
die die Räte der Guten Regierung der Caracoles in der
friedlichen und positiven Lösung der Konflikte zwischen
ihren Mitgliedern sowie mit anderen Organisationen gezeigt
haben, bestehen bleibt.
Weiterhin vertrauen wir darauf, daß
die verschiedenen indigenen, bäuerlichen, sozialen
und zivilen Organisationen in Chiapas gemeinsam für
die Einheit und die Versöhnung arbeiten und in der
Schaffung von Allianzen und ökonomischen, politischen,
kulturellen und sozialen Alternativen voranschreiten, die
allen Mexikanerinnen und Mexikanern nützen.
Netzwerk für den Frieden Chiapas
Alianza Cívica Chiapas, Caritas
de San Cristóbal, Centro de Derechos Humanos Fray
Bartolomé de Las Casas, Comité de Derechos
Humanos Fray Pedro Lorenzo de la Nada, Centro de Investigaciones
Económicas y Políticas de Acción Comunitaria
(CIEPAC), Colectivo de Educación para la paz (CEPAZ),
Desarrollo Económico y Social de los Mexicanos Indígenas
(DESMI), Comisión de Apoyo a la Unidad y Reconciliación
Comunitaria (CORECO), Educación para la Paz (EDUPAZ),
Enlace Comunicación y Capacitación, Servicio
para la Paz (SERAPAZ) Servicio Internacional para la Paz
(SIPAZ), PROPAZ.
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