| AUFRUF DES FRIEDENSNETZWERKES
Die mexikanische Regierung entwickelte zwischen 1994 und 2000 im Bundesstaat Chiapas eine Strategie zur Aufstandsbekämpfung durch paramiltärische Gruppen, die schwere Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung zur Folge hatte. Diese wurden genaustens vom Menschenrechtszentrum “Fray Bartolome de las Casas” dokumentiert und vor nationalen und internationalen Instanzen angezeigt.
Das Zentrum reichte im Oktober 2004 bei der interamerikanischen Kommission für Menschenrechte eine Klage ein, veröffentlichte dies jedoch nicht vor dem 9.2.2005, um die Sicherheit der Anzeigeerstattenden nicht zu gefährden. Ex-Präsiddent Ernesto Zedillo (als ehemaliger Oberkommandant der mexikanischen Streitkräfte), General Enrique Cervantes Alguirre (ehemaliger Sekretär für Nationale Verteidigung) und General Mario Renán Castillo (ehemaliger Kommandant der 7. militärischen Division) werden als Verantwortliche für die Durchührung von generalisierten und systematischen Angriffen auf die Zivilbevölkerung der Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt. Das Zentrum bemüht sich ausserdem um vorbeugende Massnahmen zum Schutz einiger vertriebener Gemeinden im Norden von Chiapas.
Als mexikanisches Friedensnetzwerk, das aus religiösen, zivilen und sozialen Organisationen besteht, glauben wir, dass Frieden nur mit Wahrheit und Gerechtigkeit möglich ist und wenn eine Wiedergutmachung der angerichteten Schäden geleistet wird. Deshalb sind wir darüber sehr beunruhigt, dass es nach elf Jahren bewaffnetem Konflikt in Chiapas nicht nur keinen Frieden gibt, sondern dass die Miltarisierung der Region und die Existenz von paramilitärischen Gruppen weiterhin bestehen. Ausserdem bleiben Verbrechen straffrei.In diesem Zusammenhang fürchten wir die Konsequenzen, die diese Klage für die Gemeinden und für Mitglieder des Menschenrechtszentrums “Fray Bartolome de las Casas” nach sich ziehen kann.
Wir rufen zur Solidarität mit den vertriebenen Gemeinden und den Mitgliedern des Menschenrechtszentrums “Fray Bartolome de las Casas” auf und fordern:
- Die Untersuchung der Vorfälle und die Bestrafung der ausführenden Verantwortlichen und geistigen Urheber dieser Verbrechen gegen die Menschheit, die sich gegen die Zivilbevölkerung richten und gegen internationale Menschenrechtsabkommen verstossen.
- Die Entwaffnung und Auflösung der paramilitärischen Gruppen
- Die Entmilitarisierung des indigenen Territoriums in Chiapas
- Wiedergutmachung für die Opfer von gewaltsamer Vertreibung, Mord, Verschwindenlassen und Folter.
Unterzeichnende Organisationen:
Por la Red Mexicana de Constructores de Paz:
Servicios y Asesoría para la Paz (SERAPAZ); Comisión
Mexicana de Defensa y Promoción de los Derechos Humanos,
A.C.; Centro de Derechos Humanos “Fray Francisco de
Vitoria”; Centro Nacional de Comunicación Social
(CENCOS); Comisión Intercongregacional de Justicia, Paz
y Vida; Comisión de Apoyo a la Unidad y Reconciliación
Comunitaria (CORECO); Servicio Internacional para la Paz (SIPAZ);
Jóvenes en Resistencia Alternativa, Consejo Indígena
Popular de Oaxaca “Ricardo Flores Magón”
(CIPO- RFM); Programa Suizo de Apoyo al Proceso de Paz en Chiapas
(PROPAZ); Servicio, Paz y Justicia – México (SERPAJ);
Secretariado Internacional de Solidaridad con América Latina
“Monseñor Oscar Arnulfo Romero”; Desarrollo
Económico y Social de los Mexicanos Indígenas (DESMI);
Grupo Lago Mayor, Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad;
Mujeres para el Diálogo (MPD).
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