Die indigenen Völker:
Laut einer Umfrage des INEGI 2000 hat Chiapas 3.920.892 Einwohner, und steht damit an 8. Stelle in der Bevölkerungsdichte Mexikos.
Chiapas hat, wie andere Bundesstaaten im Südosten Mexikos, eine ethnisch und kulturell gemischte Bevölkerung. Statistische Studien besagen, dass 24-32% der Bevölkerung (979.614 bis 1.266.043 Menschen) einer indigenen Volksgruppe angehören. Die Prozentzahlen variieren, je nach den Kriterien, die in den Umfragen angewendet werden. Einerseits gibt es sichtbare Kriterien, wie eine indigene Sprache und traditionelle Kleidung, andererseits aber auch die eigene Identifikation als Indigene.
81,5% der indigenen Bevölkerung befinden sich in drei Regionen: Hochland, Norden und Urwald. Die größten indigenen Gruppen sind:
- Tzotzil – 36% der gesamten indigenen Bevölkerung
- Tzeltal - 34.5%
- Chol – 17.4%
- Zoque – 5%
- Tojolabal - 4.7%

Die verbleibenden 2,3% der indigenen Bevölkerung in Chiapas sind Mame, Chuj, Kanjobal, Jacalteco, Lacandón, Katchikel und Mocho (Motozintleco).
Das Bevölkerungswachstum in Chiapas beträgt im Durchschnitt 2,1% jährlich, was großen Druck auf die Landverteilung bedeutet.
Soziale Ungleichheiten:
1.Einkommen
In Chiapas dominiert das Modell der Subsistenzlandwirtschaft, welche keine Überschüsse erzielt, die ein Einkommen möglich machen. Die neoliberalen Reformen, die auf die kommerzielle Öffnung der ausländischen Märkte zielen und auf die Vernachlässigung öffentlicher Politik zum Schutz der Landwirtschaft, haben die Bauern verarmt.
- 10 Jahre nach In-Kraft-Treten des TLC (Freihandelsabkommen mit Nordamerika) 1994 hat der nationale Mindestlohn 20% seiner Kaufkraft verloren.
- Der aktuelle Mindestlohn beträgt ungefähr 43 Pesos am Tag ($4 USD).
- Das Pro-Kopf-Einkommen der indigenen Bevölkerung beträgt nur 32% des Einkommens der nicht-indigenen Bevölkerung in Chiapas.
- 304.018 Indigene sind in Chiapas angestellt: 42% (122.345) haben kein Einkommen. Weitere 42% (127.682) überleben mit weniger als einem monatlichen Mindesteinkommen. Nur 9,9% der indigenen Bevölkerung in Chiapas verdienen ein bis zwei Mindestlöhne im Monat.
- 83% der indigenen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, im Vergleich zu 58,3% der Gesamtbevölkerung in Chiapas. 5,5% der Indigenen arbeiten in der Industrie und weitere 8,6% im Dienstleistungsbereich.
Quelle: CIEPAC 2004, La Jornada 2005, ECOSUR 2003, CDI 2000, Banco Mundial 2003

2. Recht auf würdiges Wohnen
Chiapas ist der wasserreichste Bundesstaat Mexikos (30% des Wassers Mexikos sind hier, vor allem in Montes Azules konzentriert) und produziert durch Wasserkraft elektrische Energie (54% der Wasserkraft Mexikos wird im Flussbecken von El Grijalva gewonnen). Es klingt paradox, dass es trotzdem noch viele indigene Gemeinden ohne Stromanschluss und Wasserleitung gibt, doch dies ist auf die Ungleichheiten im Staat zurückzuführen.
Ein großer Teil der Häuser der indigenen Bevölkerung entspricht nicht den Mindestanforderungen einer würdigen Wohnung:
- 36,2% haben keine Wasserleitung.
- 35,2% haben keinen Stromanschluss.
- 71% haben nur Sandfußboden.
- 85,7% kochen mit Holz oder Kohle.
Quellen: CDI 2000, Maderas del Pueblo del Sureste 2005.

3.Bildung
Bildungsarbeit war traditionell ein Instrument indigenistischer Politik mit dem Ziel, die Indigenen an die mexikanische Kultur anzupassen, ohne die Entwicklung ihrer eigenen Kultur zuzulassen. Andererseits hatten zahlreiche Gemeinden niemals Zugang zu öffentlicher Bildung. Deshalb wurde die Bildung zu einer der Hauptforderungen des Kampfes der Zapatistas und eine der wichtigsten Aufgaben ihres autonomen Projektes. Die zapatistische Bildung will die indigene Weltanschauung wieder herstellen und weiter entwickeln und ihr aufständisches Projekt festigen. Sie entfernt sich in Inhalt und Struktur vom offiziellen Modell.
Zugang zu Bildung der indigenen Bevölkerung:
- 38,8% der indigenen Bevölkerung über 15 Jahren haben keine formelle Schulbildung.
- Nur 11% haben die Grundschule beendet.
- 19,9% der Kinder von 6 bis 14 Jahren gehen nicht zur Schule.
- 37,4% der Bevölkerung in Chiapas sprechen kein Spanisch.
Analphabetismus:
Laut Umfragen 2000 hat Chiapas die höchste Analphabetenrate Mexikos.
- 22,91% der Bevölkerung über 15 Jahre können weder lesen noch schreiben (Landesdurchschnitt: 12,6%).
- Auf 100 männliche Analphabeten kommen 182 Frauen, die sich nicht schriftlich mitteilen können.
- Mindestens 42% der indigenen Bevölkerung über 15 Jahren sind Analphabeten.
Quellen: INEGI 2000, CDI 2000, Enlace Civil 2005

4. Gesundheit
Wegen anhaltend diskriminierender Politik haben die meisten indigenen Gemeinden keinen Zugang zum mexikanischen Gesundheitssystem. Fehlende Ressourcen und weite Entfernungen einiger Gemeinden von den großen städtischen Zentren haben zur Verschlimmerung und Verbreitung leicht zu heilender Krankheiten geführt. Deshalb haben die Zapatistas ihr eigenes autonomes Gesundheitssystem entwickelt. In regionalen autonomen Kliniken werden die PatientInnen von indigenen PromotorInnen behandelt.
Fehlender Gesundheitsdienst:
- In Landkreisen mit über 70% indigener Bevölkerung gibt es einen Arzt für 25.000 Einwohner.
- * Offiziell fehlt über einer Million Chiapanecos der Zugang zu Gesundheitszentren, die Mehrheit von ihnen sind Indigene.
Quellen: CIEPAC 2001; CDI 2000

Unterernährung:
Laut Studien des Nationalen Instituts für Ernährung “Salvador Zubirán” aus dem Jahr 2003 steht Chiapas hinsichtlich Unterernährung in Mexiko an dritter Stelle, nach Guerrero und Yucatan..
- Bei der Erkrankungshäufigkeit steht Unterernährung als Grund an siebter, bei den Todesursachen an zehnter Stelle. 1994 stand sie an sechster Stelle der Todesursachen in der indigenen Bevölkerung.
- 71,6% der indigenen Bevölkerung sind unterernährt.
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Quellen: CIEPAC 2001; Sozialministerium von Chiapas 2003; La Jornada 2003 
Generelle Sterberate:
Die Sterberaten in Chiapas sind gehören zu den höchsten in Mexiko.
- 8 von 10 Krankheiten sind auf Infektionen zurückzuführen. 59% sind Erkrankungen der Atemwege, gefolgt von Darmkrankheiten (hervorgerufen durch fehlende Trinkwasser- und Abwasserversorgung) mit 31%.
- In den indigenen Landkreisen steht Tuberkulose als Todesursache an 11. Stelle (die 16. im Landesdurchschnitt).
- Chiapas besetzt den 4. Platz in Mexiko von HIV-infizierten Frauen. Durch die zunehmende Migration steigt auch das Risiko der HIV-Ansteckungen.
Quellen: Sozialministerium von Chiapas 2003; CIEPAC 2001 
Kindersterblichkeit:
- in Mexiko: von 1000 lebend geborenen Kindern sterben 28
- in Chiapas: 34,8
- In Chiapas ist die Häufigkeit der Kindersterblichkeit durch Durchfallerkrankungen am höchsten in Mexiko.
Quellen: UNICEF, CIEPAC 1996

Müttersterblichkeit:
Die Müttersterblichkeit betrifft vor allem die armen Frauen. Gründe dafür sind der uneffiziente und fehlende Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie Unterernährung, häusliche Gewalt, ungewollte Schwangerschaften und schlecht durchgeführte Abtreibungen.
- In den Industrieländern sterben durchschnittlich 10 Frauen bei 100.000 Geburten.
- In Mexiko sterben 51 Frauen bei 100.000 Geburten.
- In Chiapas sterben 117 Frauen, es nimmt damit den dritten Platz auf nationaler Ebene ein.
- Die Regionen mit höchster Müttersterblichkeit zwischen 1999 und 2002 sind Urwald und Hochland, Regionen mit überwiegend indigener Bevölkerung.
Quellen: Sozialministerium von Chiapas 2003; CIEPAC 2001;
Gesundheitsministerium 2003; Kommunikation und
Information der Frauen A.C. (CIMAC) 2003, 2004

5. Land
Die Agrarreform der Mexikanischen Revolution ist in Chiapas nicht durchgeführt worden. Das Land blieb in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer. Diese Tatsache machte das Land zu einem der Hauptfaktoren des sozialen Konflikts, welcher sich mit der Zeit vertieft hat. Die Suche nach Land bewirkte vor allem seit den 50er Jahren einen Migrationsprozess in den Lakandonischen Urwald. In den 70er Jahren entschied die Regierung, sechshunderttausend Hektar des Urwaldes an eine kleine Gruppe der Lakandones zu übergeben, ohne die Landnöte anderer indigener und bäuerlicher Gruppen zu beachten. Dies ist einer der Gründe, weswegen der Urwald heute einer der größten Schauplätze des Konflikts ist. 1992 wurde der Artikel 27 der mexikanischen Verfassung geändert. Damit wird Gemeinschaftsland zum Kauf und Verkauf freigegeben (früher war dies verboten, um Gemeinschaftsland zu schützen). Diese Reform führte zu einer sozialen Mobilisierung im ganzen Land, und ihre Aufhebung war eine der Hauptforderungen des bewaffneten Aufstands von 1994.
Zur Durchsetzung dieser Reform führt die Regierung die Programme des Gemeindenachweises und des Landwirtschaftsbetriebsnachweises PROCEDE y PROCECOM (Certificación Ejidal y Comunal PROCEDE y PROCECOM) ein, um den Kauf und Verkauf des Landes zu erleichtern und das Gemeinschaftsgefüge weiter zu zerstören.
- Chiapas besetzt mit einer Anzahl von 1.887 den zweiten Platz in der Häufigkeit von kommunalen landwirtschaftlichen Betrieben. 17% des Landes in Chiapas sind in Gemeinschaftsbesitz.
- Im Jahre 2003 waren 37% der der kommunalen landwirtschaftlichen Betriebe nicht in PROCEDE eingestiegen.
Quellen: Bericht der nationalen Zusammenkunft gegen
PROCEDE y PROCECOM 2003, MEMORIA 1998 
6.Natürliche Ressourcen
Die Waldflächen des lakandonischen Urwalds sind wegen ihrer großen biologischen Vielfalt besonders bedeutsam. In den letzten Jahrzehnten haben diese Flächen unter Zerstörung durch die Ausbeutung von Edelhölzern, Viehhaltung und den starken menschlichen Druck auf das Land gelitten. Dazu kommen Wiedersprüche in der Politik der Regierungen – auf der einen Seite wird die Erhaltung der Natur gefördert, aber auf der anderen Seite findet die Ausbeutung verkäuflicher natürlicher Ressourcen statt.
In diesem Kontext überschneiden sich Makroprojekte des “Umweltschutzes” wie der “Biologische Korredor Mesoamerikas” oder das “Ganzheitliche Nachhaltige Projekt sozialer Entwicklung im lakandonischen Urwald” (PRODESIS).
Auf der anderen Seite steht der Plan Puebla-Panama, ein Projekt der Modernisierung und territorialen Neuordnung, das die Erschließung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen erlaubt.
Gegen diese Projekte, in denen der Naturschutz verteidigt wird, um die biologische Vielfalt für kommerzielle Zwecke zu nutzen, schlagen die Gemeinden Alternativen vor, um mit der Natur im Einklang zu leben. Organisationen wie die EZLN, die ARIC-ID-UU (Asociación Rural de Interés Colectivo Independiente y Democrática Unión de Uniones/Ländliche Vereinigung gemeinschaftlicher Interessen, unabhängige und demokratische Union der Verbindungen) versuchen neue Anbautechniken und entwickeln eigene Pläne nachhaltiger Landwirtschaft.

Wasser und Wasserkraft:
- In Chiapas konzentrieren sich 30% der offenen Gewässer Mexikos. Chiapas besitzt die Flüsse des Landes, den wasserreichen Usumacinta und den Grijalva.
- Die größte Wasserkraftregion finden wir im Biosferenreservat von Montes Azules.
- Von den mehr als 10 für Wasserkraft genutzte Flussbecken in Chiapas ist das wichtigste das des Rio Grijalva, da es 54% der Wasserkraft des Landes produziert.

Erdöl
Chiapas ist ein wichtiger Staat, nicht nur wegen des bereits geförderten Erdöls, sondern auch wegen der Reserven, die noch nicht genutzt werden.
- 2001 produzierte Chiapas 17,5 Millionen Barrel Erdöl, was 21% der nationalen Produktion entspricht.
- Es gibt 118 Erdölbrunnen im Norden von Chiapas
- 2002 machte Pemex Pläne, um in den nächsten 5 Jahren im Südosten Mexikos 63Milliarden Pesos zu investieren. 32% sind für die Erdölbohrungen vorgesehen.
- Obwohl Pemex Projekte der Erdölbohrungen im Urwald bestreitet, haben sie die im Urwald liegenden Landkreise Palenque, Ocosingo, Benemérito de Las Américas und Marqués de Comillas mit eingeschlossen. In den Landkreisen Las Margaritas, Independencia, La Trinitaria und Maravilla Tenejapa in der Región Fronteriza haben die Bohrungen schon begonnen.
 Erdgas:
- 2001 wurden in Chiapas 222.964 Millionen Kubikmeter Erdgas gefördert. Dies entspricht 47% der Landesproduktion..

Naturschutzgebiete
- In Chiapas gibt es mehr Naturschutzgebiete (37) als in anderen Staaten Mexikos. Über 20% der Fläche stehen offiziell unter Naturschutz.
- Die biologische Vielfalt konzentriert sich in Chiapas in diesen Naturschutzgebieten. Eines der größten ist das Biosphärenreservat Montes Azules.
Quelle: Regierung von Chiapas 2001; CIEPAC 2002; COMPITCH 2005

Biologische Vielfalt
In Chiapas sind bekannt:
- 19 Arten von Vegetation
- nahezu 8.500 Pflanzenarten
- 180 Säugetierarten
- 666 Vogelarten
- 227 Reptilien
- 92 Amphibien und
- über 1.200 Arten von Schmetterlingen.
Quelle: SEMARNAT 2005

Ökoturismus
Obwohl dies von Regierungsseite gefördert wird, um den indigenen Völkern ein Einkommen zu sichern, bedeutet es auch, dass diese sich den Regeln und Anforderungen des Marktes beugen/stellen müssen. Der Ökotourismus als “Alternativtourismus” hat Einfluss auf die Kultur und bedeutet, die kulturelle und landestypische Wirklichkeit fremden Erwartungen anzupassen. Wegen fehlender Möglichkeiten, das eigene Auskommen zu sichern, bedeutet der Ökoturismus oft den Verlust eigener kultureller Praktiken, die mit dem Land zusammenhängen.
- Es gibt selbst ernannte “Ökotourismus Hotels” im lakandonischen Urwald, wie in Boca Chajul, Rio Tzendales und Laguna Lacanja (im Aufbau), die von Multinationalen Unternehmen wie Ford Motor Company gefördert werden. Es besteht die Gefahr, dass diese als Zentren für Forschungstourismus genutzt werden, um ohne Kontrolle der Regierung genetisches Material aus der biologischen Vielfalt zu gewinnen.
- Anklagen von indigenen Gemeinden gegen Ökotourismusprojekte betreffen:
- den Kauf und die Privatisierung von Gemeindeland
- die Vertreibung indigener Gemeinden aus strategisch wichtigen Gebieten
- die Ausbeutung indigener Bräuche und Traditionen, nur um Touristen zu erfreuen
- die Umwandlung natürlicher Ressourcen in Handelsware
- die Zerstörung der Umwelt: Abholzung, Wasserverschmutzung
- Drogen und andere Suchtmittel in Gebieten, die früher durch ihre Isolation geschützt waren.
Quellen: La Jornada 2005, FZLN 2005

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