San Cristóbal de Las Casas, 15. Februar 2006
Einschüchterung gegen SIPAZ
SIPAZ wurde 1995, in Folge des Aufstands der Zapatistas vom Januar 1994, als Programm zur internationalen Beobachtung ins Leben gerufen.
SIPAZ entstand auf Anfrage von religiösen mexikanischen Gruppen und Menschenrechtsorganisationen an eine Internationale Delegation, die Chiapas 1995 besuchte. Aufgrund der Anfrage nach einer ständigen internationalen Präsenz in der Region, wurde beschlossen, eine Koalition zu gründen, der heute etwa 50 Organisationen aus Nordamerika, Lateinamerika und Europa angehören, die langjährige weltweite Erfahrungen in Projekten im Aufbau des Friedens besitzen. SIPAZ ist seit dieser Zeit international in Chiapas präsent.
VORKOMMNISSE
Am 9. Februar um 4 Uhr morgens wurde Marina Pages (Koordinatorin des Teams in Chiapas) durch die Klingel ihrer Haustür im SIPAZ Büro geweckt. Sie stand auf und erkannte, dass die Hymne der Zapatistas gespielt wurde. Sie ging auf die Terrasse im ersten Stock, und trat dann an ein Fenster im Parterre. Durch das Fenster erkannte sie vor der Haustür ein graues Auto vom Typ Cherokee mit dem Nummernschild DN05077 (ohne ganz sicher zu sein, ob sie das in der Dunkelheit richtig erkannte). Das Auto, aus welchem mit großer Lautstärke die Hymne der Zapatistas zweimal abgespielt wurde, hatte den Warnblinker an. Das Fahrzeug fuhr weiter zum Haus, in welchem Hélène Cannie, auch Mitglied des SIPAZ-Teams, wohnt. Gegen 4:15 klopfte jemand mehrere Male an ihre Haustür, während eine andere Person im Auto die Hymne der Zapatistas anmachte. Die Identität der Personen, die dies getan haben, ist unbekannt.
Am 15. Februar zeigte das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas diesen Vorfall bei Lic. Juan de Dios Olivera Rojas, Subfiscal (Anwalt) der Region Zona Altos an.
ERGÄNZENDE INFORMATIONEN
Für uns ist dies zweifellos ein Einschüchterungsversuch. Möglicherweise steht dieser im Zusammenhang mit einer unserer Aktivitäten im Januar: Auf Anfrage mexikanischer Organisationen hat SIPAZ vom 1. bis 14. Januar die Rundreise des Sukommandanten Marcos durch Chiapas mit dem Ziel der Menschenrechtsbeobachtung begleitet(siehe gemeinsame Bulletins Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas/SIPAZ).
Es kann auch nicht als einzelne Tat gewertet werden: In den letzten drei Monaten hat das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (http://www.frayba.org.mx) sieben Anzeigen wegen Drohungen und Schikanen gegen MenschenrechtsaktivistInnen und -verteidigerInnen (Gustavo Jiménez, Gabriel Ramírez, Georgina Rivas, Miguel Ángel García, Silvia Vázquez, Marisa Kramsky und Mario M. Ruiz) erhoben. Dies bedeutet eine klare Verschlechterung der Lage, in welcher sie ihrer Arbeit nachgehen . Diese Woche kamen weitere Anzeigen hinzu. All diese Angriffe in San Cristóbal sind vermutlich auf die Beziehungen der Opfer zur Initiative der “Otra Campaña/Anderen Kampagne” zurückzuführen, welche von den Zapatistas ins Leben gerufen wurde.
In diesem Rahmen sehen wir mit Besorgnis, dass auch versucht wird, die Arbeit der Internationalen Beobachtung zu behindern .
AKTIONSVORSCHLÄGE
Deshalb rufen wir die mexikanische und internationale Zivilgesellschaft auf, wachsam zu sein und die Arbeit internationaler Beobachtung zu unterstützen, damit der Freiraum für diese Art von Arbeit nicht eingeschränkt wird.
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