Indigene Wurzeln
03/01/2000

Arbeitsbereiche

Arbeitsbereich 1: Internationale Begleitung und Präsenz

In Ländern, in denen die Regierungen um ein positives Image ihres Handelns im Bereich der Menschenrechte bemüht sind, hat die Präsenz internationaler BeobachterInnen – in Situationen der Anspannung und hoher Konfliktivität – einen eindämmenden Effekt in Bezug auf die Anwendung von Gewalt. Die politischen Kosten werden erhöht. So entsteht die Möglichkeit, den aufgrund ihrer Arbeit von Repression betroffenen MenschenrechtsverteidigerInnen, indigenen, sozialen und bäuerlichen sowie anderen Organisationen der Zivilgesellschaft politische Räume zu schaffen bzw. zu öffnen. Im Wissen um die Begleitung können diese Akteure ohne große Ängste die Menschenrechtsverletzungen und Repression anprangern, unter denen sie leiden. Zudem können sie sich in aktiverer Form organisieren.

Die Begleitarbeit in Chiapas kann mindestens zwei Formen annehmen: längere und/oder häufige Reisen in verschiedene Gebiete (um die Organisationsprozesse sowie die Situation in diesen Gebieten zu verfolgen); oder auch punktuelle Reisen, kurze Dienstreisen und/oder Teilnahme an Beobachtungsmissionen in Notfallsituationen.

SIPAZ hat ab 2005 begonnen, seine Arbeit auf die Staaten Oaxaca und Guerrero auszuweiten, wo wir dieselben strukturellen Ursachen finden, die den Aufstand der EZLN in Chiapas auslösten: die wirtschaftliche, soziale und politische Marginalisierung, die Diskriminierung und der Rassismus aufgrund jahrhundertelangem internem und externem Kolonialismus und Repression sowie Menschenrechtsverletzungen. Wir verfügen über kein permanentes Büro in keinem dieser beiden Staaten, sondern besuchen beide Bundesstaaten drei- bis viermal im Jahr. Dies hilft uns dabei, unsere Berichterstattung auf diese Gebiete zu erweitern.

Um die Räume der MenschenrechtsverteidigerInnen zu schützen, führen wir, zusätzlich zur physischen Präsenz und Beobachtung, Gespräche mit Behörden und PolitkerInnen auf allen Ebenen, mit Botschaften sowie multilateralen Organisationen durch. Es geht um den Aufbau von Öffentlichkeitsarbeit sowie politischer Einflussnahme. Dadurch wird versucht, den notwendigen Effekt zur Eindämmung direkter Gewalt herzustellen und aufrecht zu erhalten, damit unsere Arbeit sichtbar wird und so die politischen Kosten für die Regierungsvertreter erzeugt, die sich für eine gewaltsame Reaktion auf die bestehenden sozio-politischen Konflikte entscheiden.

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Arbeitsbereich 2: Informieren, um zu handeln

Die Informationsarbeit von SIPAZ funktioniert auf zwei Ebenen:

  • die sozio-politischen Konflikte sowie die Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen, damit die Akteure und Instanzen, welche Einfluss auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene haben, zu Gunsten eines gewaltfreien Auswegs sowie durch den Dialog handeln. Um mehr als die direkte Gewalt einzudämmen, wollen wir auch die Akteure und Hoffnungsfaktoren im Kontext sichtbar machen, indem wir auf die Ursachen und Konsequenzen der Konflikte hinweisen und diese erklären.
  • Lokale Akteure über die existierenden sozio-politischen Konflikte und Organisationsprozesse informieren, um dadurch eine größtmögliche Entspannung des Konflikts sowie eine Annäherung zwischen den verschiedenen Akteuren zu erreichen sowie ihre Fähigkeit zu stärken, eigene Strategien zu entwickeln.

Wir bedienen uns dafür verschiedener Mittel: einem vierteljährlichen Bericht (in vier Sprachen – Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch; als gedruckte Broschüre in den ersten beiden Sprachen), einer Homepage (ebenfalls in den vier Sprachen, dort finden Sie alles, was SIPAZ bisher veröffentlicht hat), einem Blog (auf Spanisch und Englisch mit Information zu punktuellen Ereignissen, die bedeutend für den aktuellen Kontext sind) sowie Eilaktionen und -meldungen (in allen vier Sprachen).

Ausserdem bieten wir Delegationen und Personen, die unser Büro in Chiapas besuchen, Informationen und Analysen an. Manchmal führen wir auch Vortragsreisen vorwiegend in Europa und den USA durch.

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Arbeitsbereich 3: Friedensförderung

Dies umfasst 3 Arbeitsgebiete:

Friedenserziehung

Wir schaffen Reflexionsräume zu den Themen aktive Gewaltfreiheit, Konflikttransformation sowie Frieden und Versöhnung in Gemeinden. Außerdem führen wir Workshops zu Konflikttransformation mit Akteuren durch, welche direkt oder indirekt in den Konfliktgebieten in Chiapas und Mexiko arbeiten.

Interreligiöser Dialog

Wir unterstützen die Anstrengungen der interreligiösen Arbeit zusammen mit anderen lokalen, nationalen und internationalen religiösen Akteuren. Wir setzen uns dafür ein, die Religion nicht als einen (weiteren) Konfliktfaktor, sondern als eine Quelle der Annäherung und des Dialogs zwischen den Akteuren zu sehen. Deshalb beteiligen wir uns an Aktivitäten, welche die ökumenische Kooperation auf lokaler Ebene sowie die Bewusstseinsbildung in den nationalen und internationalen ökumenischen Bereichen fördern. In Chiapas sind wir Teil der Ökumenischen Gruppe für Kontext- und Realitätsanalyse (GEARC).

Vernetzung

Wir bauen Kontakte und wechselseitige Beziehungen mit Organisationen, Bewegungen und Netzwerken aus Mexiko und anderen Ländern auf, welche im Aufbau von Friedensprozessen arbeiten und/oder Interesse am Konflikt in Chiapas / Mexiko haben. Außerdem nehmen wir an Prozessen der Annäherung, Reflexion, des Austauschs, des Dialogs sowie der Förderung einer Friedenskultur teil. Zum Beispiel sind wir aktiv beteiligt:

  • am Friedensnetzwerk Chiapas, eine Reflexions- und Aktionsplattform, bestehend aus derzeit 10 Organisationen, in derem Rahmen ständige Analysen über den lokalen und nationalen Kontext sowie punktuelle Aktivitäten wie zum Beispiel öffentliche Äußerungen angesichts gravierender Ereignisse, Beobachtungsmissionen oder thematische Treffen stattfinden.
  • an der Organisation der Übergabe der Ehrung von MenschenrechtsverteidigerInnen in Chiapas jTatic Samuel jCanan Lum sowie in den nachbereitenden Aktivitäten.
  • an Espacios amplios – Veranstaltungen zur Analyse relevanter Themen
  • an GPPAC, (Global Partnership for the Prevention of Armed Conficts; dt. Globale Partnerschaft für die Prävention bewaffneter Konflikte), eine globale Initiative der Zivilgesellschaft, die versucht hat, einen internationalen Konsens hinsichtlich der Bedürfnisse des Friedens sowie der Prävention von Gewaltkonflikten aufzubauen.