San Cristóbal de Las Casas, Chiapas,
México
15. April 2004
Der Internationale Dienst für Frieden (SIPAZ) ist zutiefst besorgt über
die gewaltsamen Vorkommnisse, die am vergangenen 10. April im Landkreis
Zinacantán im Bundesstaat Chiapas in Mexiko stattgefunden haben.
Im
Gedenken an den Todestag des mexikanischen Revolutionärs Emiliano
Zapatas veranstalteten Zapatisten aus zivilen Unterstützungsbasen
des Zapatistischen Befreiungsheers EZLN einen Konvoi von Oventik nach
Zinacantán. 4 000 Menschen in knapp 180 Fahrzeuge waren an der
Demonstration beteiligt. Sie fuhren nach Jechvó (Gemeinde Zinacantan
in der Nähe von San Cristóbal), um den dort lebenden Zapatisten
Wasser zu bringen.
Seit mehreren Monaten wird den Zapatisten dieses
Dorfes durch Anhänger
der dort regierenden PRD (Partei der Demokratischen Revolution) aus
Zinacantán das Wasser verweigert. Als Vorwand diente den PRD-Anhängern
der Vorwurf, dass die Zapatisten ihre Dienste für die Gemeinde
nicht leisten würden.
Die Zapatisten sind in einem Prozess des
Aufbaus ihrer Autonomie und damit im Widerstand gegen Institutionen
der Regierung. Das Thema öffentliche
Dienstleistungen, so beispielsweise die Wasser- und Stromversorgung
sind ein Spannungsfaktor in Chiapas. Sie rufen Streitigkeiten zwischen
den Zapatisten und dem Teil der Bevölkerung hervor, der für
diese Dienste bezahlt. Im Falle von Zinacantán gab es seit über
einem Monat ein Abkommen zwischen den verschiedenen Gruppen. Die Zapatisten
hatten erklärt, sich an einigen Diensten zu beteiligen.
Nationale
und internationale Beobachter, die den Marsch begleitet hatten, berichteten,
dass sie auf der Höhe von Pasté (Nachbarort
von Jechvó) von einer Gruppe von PRD-Anhängern aus dem
Hinterhalt angegriffen worden seien, als sie gerade auf dem Rückweg
waren. Die Angreifer hätten die Zapatisten mit Steinen, Stöcken
sowie Feuerwerkskörpern beschossen und auch mit Schusswaffen gefeuert.
Es wurden 35 Verletzte sowie fünf Verschwundene gemeldet. 487
Menschen aus Jechvó und umliegenden Gemeinden sind auf der Flucht.
Sie haben Angst, Opfer neuer Gewalttaten zu werden. In Jechvó wurden
Häuser und Eigentum der Zapatisten von Mitgliedern der PRD zerstört.
Wir bitten die internationale Zivilgesellschaft dringend,
Briefe, Faxe und E-Mails an mexikanischen Regierungsstellen (Bundesebene,
Chiapas,
Zinacantán) zu schicken und sie zu bitten:
- Die Verantwortlichen für diese Gewalttaten
zu bestrafen
- Die notwendigen Bedingungen herzustellen, damit die Flüchtlingsfamilien
heimkehren können, ohne einer Gefahr für ihr Leben ausgesetzt
zu sein.
- Das Recht auf den Erhalt von Grundbedürfnissen wie Wasser zu garantieren,
unabhängig davon, welcher Organisation jemand angehört
- Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und Bewegungsfreiheit
zu garantieren.
Presidencia de la República
Lic. Vicente Fox Quezada
Secretario Particular del C. Presidente: Alfonso Durazo Montaño
Residencia Oficial de Los Pinos, Puerta 5, Casa Miguel Alemán, PB,
Col. San Miguel Chapultepec
11850, México, DF
Tel(s).(++ 52) 5276.8000 exts. 1016, 1017
Fax (++ 52) 5276.8011
adurazo@presidencia.gob.mx
Gobernador del Estado de Chiapas
Pablo Salazar Mendiguchía
Palacio de Gobierno, 1er. Piso
29009 Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, México.
Fax. (++ 52) 961 612 8298
Presidente de la Comisión Nacional de
Derechos Humanos.
Dr. José Luis Soberanes Fernández
Periférico Sur 3469
Del. Magdalena Contreras. C.P. 10200
México. D.F.
Tel: (++ 52) 55 56 81 81 25;
correo@cndh.org.mx
o
Deutsche Übersetzung
des Musterbriefes
Herr Präsident
Wir haben von den gewaltsamen Vorkommnissen
erfahren, die am 10. April 2004 im Landkreis Zinacantán im Bundesstaat
Chiapas stattgefunden haben. Zapatistische Unterstützungsbasen
wurden von Mitgliedern der PRD gewaltsam angegriffen, während
sie eine friedliche Demonstration in Solidarität mit anderen
Zapatisten abhielten, denen seit Monaten der Zugang zu Wasser
verweigert wird.
Wir sind zutiefst besorgt um die Verletzten,
Verschwundenen und Geflüchteten und über das Klima der Spannung und
Angst, das in der Region durch diese gewalttätige Aktion
entstanden ist.
Wir bitten Sie alles zu tun, was in ihren Möglichkeiten
steht, um:
- die Schuldigen dieser Gewalttaten zu bestrafen
- die notwendigen Bedingungen zu schaffen,
damit die Flüchtlingsfamilien
heimkehren können, ohne einer Gefahr für ihr Leben
ausgesetzt zu sein. Die Geflüchteten müssen für
ihre materiellen Schäden entschädigt und psychologisch
betreut werden.
- das Recht auf den Erhalt von Grundbedürfnisse wie Wasser
zu garantieren, unabhängig davon, welcher Organisation jemand
angehört
- das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung
und Bewegungsfreiheit zu garantieren
Mit freundlichen Grüssen
Name
Datum
Ort
Musterbrief Sr. Presidente
Hemos conocido los hechos violentos acontecidos
en el municipio de Zinacantán, el 10 de abril de 2004, donde bases de
apoyo zapatistas fueron golpeadas por personas pertenecientes
al PRD, mientras realizaban una manifestación pacífica
y de solidaridad con los zapatistas privados de agua desde
hacía meses.
Estamos sumamente preocupados por los heridos,
desaparecidos, y desplazados que estas acciones violentas han
generado, así como
por el clima de incertidumbre y miedo existente en la región.
Les pedimos realicen todas las acciones que
estén a
su alcance para:
- Juzgar a los responsables de estos hechos violentos
- Establecer las condiciones necesarias para el retorno
de las familias desplazadas sin riesgos para sus vidas y
reparando los daños causados en sus propiedades
- Garantizar el derecho a servicios básicos como
el agua por encima de la pertenencia a una u otra organización
así como los derechos fundamentales a la libre manifestación
y libre transito.
Atentamente,
Nombre
fecha
Lugar
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